Heimmannschaft : Südafrika: Umarmt und verdammt

Südafrikas Nationalteam steht unter Erfolgsdruck. Schon kleine Erfolge reichen, um die Mannschaft zum Spitzenteam zu verklären.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

Wer mehr über die Befindlichkeit des südafrikanischen Fußballs erfahren will, kam in der Woche vor dem Confed-Cup voll auf seine Kosten: Nach dem 1:0 der Südafrikaner gegen eine schwache polnische Mannschaft wurden die Bafana Bafana, wie das Team am Kap im Volksmund heißt, postwendend von der Funktionärsriege des heimischen Fußballverbands Safa zum Spitzenteam verklärt. Mit einer Leistung wie gegen Polen, hieß es, könne man jede Mannschaft schlagen. Funktionäre und Fans am Kap sind dafür bekannt, ihr Team heute zu verdammen und morgen zu umarmen.

Kein Wunder, dass auch einigen Spielern der Sieg schnell zu Kopf stieg. Sie forderten höhere Bonuszahlungen für den Fall, dass ihr Team den Confed-Cup gewinnt. Ungewöhnlich war diesmal allein, dass der Verband hart blieb. Safa-Präsident Raymond Hack war empört, dass unmittelbar vor Beginn eines wichtigen Turniers abermals ums Geld gefeilscht wurde. „Ich dachte eigentlich, dass wir uns von dieser Art Erpressung nach den schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit verabschiedet hätten“, sagte Hack – und lehnte die Forderung ab.

Immerhin strotzen die nicht eben erfolgsverwöhnten Kicker und ihr bislang glückloser brasilianischer Trainer Joel Santana vor dem Eröffnungsspiel am Sonntag gegen den Irak nun vor Selbstvertrauen. „Das war super für das Vertrauen“, sagte Santana. Staatschef Jacob Zuma kam am Samstag ins Trainingslager und überbrachte die Grüße von Volksheld Nelson Mandela. Ein gutes Abschneiden des eigenen Teams könnte die gedrückte Stimmung am Kap heben. Vielerorts ist angesichts des Niedergangs der Bafana die Sorge groß, das Team könne bei der WM nicht einmal die Vorrunde überstehen. Denn tiefer als Südafrika kann eine Mannschaft in wenig mehr als zehn Jahren eigentlich nicht fallen: 1996, kurz nach der Neuaufnahme des früheren Apartheidstaates in den Weltfußballverband, wurde die Kaprepublik auf Anhieb Afrikameister; zwei Jahre später war das Team Finalist. Dann scheiterte das Land im Achtelfinale, 2004 sogar in der ersten Runde. 2006 gleich noch mal, diesmal sogar, ohne ein Tor zu erzielen. Für den Afrika-Cup 2010 in Angola haben sich die Bafana nicht einmal qualifiziert, obwohl das Team hier eigentlich den Feinschliff für die WM erhalten sollte.

Immerhin ist für den sportlichen Notfall vorgesorgt: Sollte es am Kap zu einem Fußball-GAU kommen, kann das Team seinen Kummer in einem speziell abgefüllten Rotwein ertränken. Ein Weingut am Oranje hat den „Bafana Bafana Ruby Red“ auf den Markt gebracht. Ob die Kicker ähnlich rund spielen, wie der Wein angeblich schmeckt, werden die nächsten beiden Wochen zeigen.

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