Holland gegen Brasilien : Duell der besten Torhüter

Holland gegen Brasilien ist auch ein Torwartduell. Maarten Stekelenburg gegen Julio Cesar: Sie sind zwei der besten Keeper der WM – und völlig verschieden.

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Hollands Maarten Stekelenburg.
Hollands Maarten Stekelenburg.Foto: dpa

Vor ein paar Wochen fragte Carlos Dunga Claudio Taffarel, ob er sich nicht vorstellen könnte, für die Seleção in Südafrika als Spielerbeobachter zu arbeiten. Taffarel und Dunga sind gemeinsam Weltmeister geworden, und natürlich hat der 113-fache Ex-Nationaltorhüter dem aktuellen Nationaltrainer diese Bitte nicht abgeschlagen.

Weil Dunga wusste, dass nicht nur Taffarels gute Augen helfen könnten, sondern auch dessen sachdienliche Hinweise. Etwa für ein Elfmeterschießen. Taffarel stieg schließlich zum Nationalhelden auf, als er bei der WM 1994 und 1998 entscheidende Strafstöße parierte. Erst im Finale gegen Italien, vier Jahre später im Halbfinale gegen Holland.

Wenn sich nun Brasilien und die Niederlande im Viertelfinale duellieren (Freitag, 16 Uhr), ist es gut möglich, dass sich die Geschichte von damals wiederholt. Die Frage ist nur, ob der neue Held dann Julio César Soares de Espindola oder Maarten Stekelenburg heißt. In Port Elizabeth sind schließlich zwei der bislang verlässlichsten Torhüter involviert, die sich in einem von Torwartpatzern geprägten Turnier positiv hervortun. Hier Brasiliens bester Ballfänger, Cesar, 30 Jahre, Arbeitgeber Inter Mailand, 51 Länderspiele. Er ist bislang nur anfänglich beim 2:1-Sieg gegen Nordkorea von Ji Yun-Nam bezwungen worden. Dort die neue niederländische Nummer eins, Stekelenburg, 27 Jahre, Inventar von Ajax Amsterdam, 29 Länderspiele. Er ist bisher allein durch Elfmeter von Samuel Eto’o und Robert Vittek überlistet worden – glatt geschenkt.

Cesar, aus Duque de Caxias stammend, eine der wuchernden Vorstädte von Rio de Janeiro, und Stekelenburg, geboren in Haarlem, der verschlafenen nordholländischen Provinz, sind dabei keine Brüder im Geiste. „Ich halte Julio Cesar für den besten Torwart in diesem Turnier. Wir pflegen beide einen ähnlichen Stil“, sagt Stekelenburg. Darin erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten.

Stekelenburg, 1,94 Meter, kommt zwar als Kerl wie ein Baum daher, doch drinnen sieht es anders aus. Seine blaue Torwartkluft ist nicht besonders auffällig. Er gilt als bodenständiger, zurückhaltender Typ, Familienmensch. Er wohnt mit Ehefrau Kim in Limm und ist im Januar Vater geworden.

Der Brasilianer Julio Cesar
Der Brasilianer Julio CesarFoto: dpa

Cesar, 1,86 Meter, wirkt schon zwischen den Pfosten größer, als er eigentlich ist. Seine schlabbrige Hose und über die Knie gezogene Stutzen verraten etwas Selbstdarstellerisches. Ihm wird ein wagemutiger Charakter nachgesagt, in seiner Jugendzeit in Rio de Janeiro wollte er wie alle erst Stürmer werden. Heute lebt er in einem Mailänder Nobelviertel, seit 2000 ist er mit dem brasilianischen Model Susana Werner verheiratet, der Ex-Freundin von Stürmerstar Ronaldo. Das Paar hat zwei Kinder. Man kann nicht sagen, dass sie öffentliche Auftritte meiden.

Bei Stekelenburg finden sich viele Dellen in der sportlichen Vita. Als er bei Ajax in eine Formkrise schlidderte, setzte ihn der damalige Trainer Marco van Basten vorübergehend auf die Bank. Nicht hilfreich für einen, der im Oktober 2008 die Institution Edwin van der Sar ablöste. Und obwohl der 39-Jährige bereits vor Monaten endgültig für Südafrika absagte, spürt Stekelenburg bis heute den langen Schatten. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Leute wieder nach van der Sar rufen, wenn ich nur einen Fehler mache.“

Bei Cesar könnte die Karriere dagegen von einer stetig ansteigenden Geraden symbolisiert werden. Mit 19 das Erstligadebüt für Flamengo, 2004 der Wechsel zu Inter Mailand, anfangs ausgeliehen an Chievo Verona. Dann verdrängte er erst bei Inter den italienischen Nationaltorwart Francesco Toldo und dann nach der WM 2006 in der Nationalelf den zu oft patzenden Landsmann Dida vom Lokalrivalen Milan. Gerade hat man ihn zum besten Keeper der Serie A gekürt.

Nach all dem müsste eigentlich Julio Cesar am Freitag der neue Claudio Taffarel werden. Aber seit wann ist Fußball logisch.

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