Interview : Joachim Löw: "Das ist ein hartes Auftaktprogramm"

Bundestrainer Joachim Löw spricht im Interview über die Gegner der Deutschen in der Gruppe D und die Vorbereitung.

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Joachim Löw, 49, ist seit August 2006 Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaft in Südafrika...Foto: dpa

Herr Löw, wie bewerten Sie die Auslosung zur WM 2010?



Also von Dusel kann man nicht sprechen, wenn man Ghana, Serbien und Australien in der Gruppe hat. Das ist schon ein hartes Auftaktprogramm in der Gruppenphase. Speziell Serbien darf nicht unterschätzt werden, und mit Ghana haben wir eine der besten afrikanischen Mannschaften bekommen. Australien ist ein physisch starker Gegner. Die Gruppe ist schwierig, aber machbar.

Hätten Sie sich gewünscht, mit leichteren Gegnern in die WM einzusteigen?

Nein, es ist gut, gleich vom Start weg mit der allerhöchsten Konzentration die Dinge angehen zu müssen. Das wird auch die Konzentration in der Vorbereitungszeit von Anfang an hoch halten. Wichtig ist es, gegen Australien im ersten Spiel einen Sieg einzufahren und Selbstvertrauen zu tanken. Es ist schon eine heikle Aufgabe, die wir zu bewältigen haben. Aber wir freuen uns drauf.

Sie müssen in der Vorrunde mit dem Flugzeug weite Wege nach Durban und Port Elizabeth zurücklegen. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Es wäre besser gewesen, wir wären ein anderer Gruppenkopf geworden, wo wir zwei Spiele in Johannesburg und Pretoria hätten machen können. Aber es war klar, dass jede Mannschaft bei der WM auch reisen muss. Wir werden uns drauf einstellen und nehmen es, wie es kommt.

Beim Confed-Cup-Spiel 2005 in Frankfurt gegen Australien waren Sie als Kotrainer von Jürgen Klinsmann dabei. Wie stufen Sie die Australier jetzt ein?

Sie haben sich sehr sicher qualifiziert, nachdem sie in den asiatischen Verband gewechselt sind. Die Mannschaft ist körperlich stark und hat gute Spieler, von denen einige in England spielen.

Die beiden anderen Gegner, Serbien und Ghana, haben serbische Trainer. Haben Sie mit ihnen schon gesprochen?

Nach der Auslosung noch nicht. Serbiens Trainer Radomir Antic kenne ich. Den habe ich einmal vor einigen Jahren besucht zur Hospitation, als er beim FC Barcelona Trainer war. Seine Mannschaft hat mich in der Qualifikation absolut überzeugt, sie war fußballerisch sehr stark und hat Frankreich und Rumänien hinter sich gelassen.

Was sagen Sie zu Ghana?

Ghana hat 2006 ein sehr gutes Turnier gespielt und ist erst gegen Brasilien ausgeschieden. Ich habe schon öfter gesagt, dass mit diesem Team bei der WM zu rechnen ist, weil es zu den afrikanischen Mannschaften gehört, die in den letzten zehn Jahren taktisch enorm viel gelernt haben. Alle Spieler stehen bei europäischen Vereinen unter Vertrag. Physisch haben die Afrikaner vielleicht durch ihre Genetik allen anderen etwas voraus.

Rechnen Sie damit, dass Ghana und Serbien wegen ihrer serbischen Trainer eine vergleichbare Spielart haben?

Möglicherweise gibt es schon Ähnlichkeiten, weil sie beide serbische Trainer haben und eine vergleichbare Spielweise pflegen. Wichtiger ist aber, dass beide Mannschaften Weltklassespieler haben. Ghana hat Essien und andere, bei Serbien ist es zum Beispiel Nemanja Vidic von Manchester United. Marco Pantelic, Gojko Kacar und Zdravko Kuzmanovic kennen wir aus der Bundesliga.

Gibt es nun bei Ihnen schon Planungen für die drei Testspielgegner vor der WM?

Wir hatten den Gedanken, ein Spiel gegen Chile zu machen, das ja ausgefallen war. Nun müssen wir überlegen, ob das noch passt. Wir werden versuchen, unsere Testspielgegner genau anzupassen, um uns auf die Gangart der WM-Gegner einzustellen.

Was sagen Sie zu den anderen Gruppen, zur Auslosung insgesamt?

Ich finde, die Gruppenbesetzung ist relativ ausgeglichen. Von manchen Gruppen kann man vielleicht sagen, dass sie etwas einfacher sind. Die mit Brasilien ist sicher eine ganz schwierige. Wir sind froh, nun Bescheid zu wissen und können konkret planen. Und wir haben keinen Anlass, uns zu verstecken. Wir haben viel Qualität, die Spieler sind motiviert. Deswegen freue ich mich auf Südafrika.

Die Fragen stellte Gregor Derichs.

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