Italien - Neuseeland 1:1 : Es reicht nicht mal mehr für Neuseeland

Der amtierende Weltmeister Italien kann nicht mal mehr Neuseeland beeindrucken und schafft gegen den krassen Außenseiter nur ein mageres Unentschieden.

Abtasten: Die Torschützen Shane Smeltz (l.) und Vincenzo Iaquinta.
Abtasten: Die Torschützen Shane Smeltz (l.) und Vincenzo Iaquinta.Foto: AFP

Die Rollen vor dem Spiel waren klar verteilt: Der amtierende Weltmeister gegen die Mannschaft mit den schlechtesten Wettquoten aller Teilnehmer. Der Römer Daniele de Rossi hatte es auf den Punkt gebracht: Eine Niederlage der Italiener wäre vergleichbar mit einem WM–Aus der bärenstarken Rugby-Auswahl Neuseelands. Doch auf eine Rugby-Partie wollten sich die Italiener von Beginn an nicht einlassen. Statt den Ball nach vorne zu tragen, schlugen sie lange Bälle, um den kompakten Fünfer-Riegel Neuseelands zu überwinden. Doch die „All Whites“ bewiesen, dass sie wie ihre Sportskollegen der „All Blacks“ das körperbetonte Spiel beherrschen. Immer wieder bedienten sie sich im Luftkampf ihrer Ellbogen, was Schiedsrichter Carlos Batros aus Guatamela jedoch nur bei Rory Fallon mit einer Gelben Karte ahndete.

In der 7. Minute war jedoch kein Ellbogen im Spiel: Simon Elliott schlug einen Freistoß in Italiens Strafraum, Abwehrmann Winston Reid verpasste den Ball, der beim verdutzten Fabio Cannavaro landete. Der italienische Kapitän bugsierte den Ball im Fallen zu Stürmer Shane Smeltz, der ihn am überraschten Torwart Federico Marchetti vorbei ins Tor schob - allerdings aus Abseitsposition. Mehr bekam der Vertreter des bandscheibengeplagten Gianluigi Buffon im ersten Durchgang nicht zu tun. Die Italiener stürmten nach vorne, immer wieder über die rechte Seite mit Gianluca Zambrotta, Simone Pepe und Vincenzo Iaquinta.

Unschlagbar. Neuseelands Fußballer überraschen auch gegen Italien und dürfen jetzt sogar vom Achtelfinale träumen.
Unschlagbar. Neuseelands Fußballer überraschen auch gegen Italien und dürfen jetzt sogar vom Achtelfinale träumen.Foto: AFP

Zwei Minuten nach dem Rückstand kam es bei einem Freistoß Italiens zu einer Kopie des ersten Treffers, doch Torwart Mark Paston rettete. Italien machte weiter Druck, aber Verteidiger Giorgio Chiellini zielte nach einer Ecke aus fünf Metern Richtung Eckfahne und Zambrotta zog knapp über den linken Torwinkel. Die beste Chance hatte Riccardo Montolivo: Sein Drehschuss sprang jedoch vom Innenpfosten ins Feld zurück.

Für ein Tor musste schließlich Schiedsrichter Batros eingreifen. Nachdem Verteidiger Tommy Smith nach einer Flanke die Reißfestigkeit von de Rossis Trikot testete, gab es Elfmeter für den Weltmeister. Iaquinta schoss sicher in die rechte Ecke und feierte seinen Torriecher, in dem er auf seine Nase deutete. De Rossi feierte seinen Instinkt, indem er mit beiden Hände eine Vuvuzela-Tröte andeutete.

Doch dananch versiegten die Angriffsbemühungen irgendwo im Rund von Nelspruit. Die Zuschauer, unter denen Italienblau vor Kiwiweiß dominierte, schienen trotzdem zufrieden. Fünf Minuten vor der Halbzeit ließen sie die La Ola durch das Stadion kreisen.

Zur Pause brachte Italiens Trainer Marcello Lippi Mauro Camoranesi und Antontio di Natale, um die Offensive neu zu beleben, doch zwanzig Minuten lang konnte sich die Squadra Azzura keine Schneise in den Defensivblock Neuseelands brechen. Die erste nennenswerte Torchance des zweiten Durchgangs hatte Ivan Vicelich, doch sein Distanzschuss nach einem Einwurf strich an Marchettis Tor vorbei. Italien schien dadurch geweckt und intensivierte seine Angriffsbemühungen. Doch für wirkliche Gefahr sorgten weiterhin nur Schüsse aus der Distanz. Montolivo versuchte es erneut, doch Neuseelands Torhüter Mark Paston war zur Stelle. Italien wirkte ideenlos, der Auftritt erinnerte an das Spiel der Spanier gegen die Schweiz, als Spanien ebenfalls sehr viel Ballbesitz hatte, jedoch kein Kapital daraus schlagen konnte.

Auf den Rängen begannen die Fans aus Neuseeland bereits zehn Minuten vor dem Abpfiff zu feiern. Sie ahnten, dass von dieser italienischen Mannschaft keine Gefahr mehr ausgeht. Stattdessen wäre den Neuseeländern beinahe selbst noch der Siegtreffer gelungen. Als Cannavaro zum wiederholten Mal zu spät kam, fehlten nur Zentimeter und dem erst 18-Jährigen Chris Wood wäre der erneute Führungstreffer für den großen Außenseiter gelungen. Das Italien bei einem weiteren Gegentreffer noch einmal ins Spiel zurück gefunden hätte, darf aufgrund der gezeigten Leistung bezweifelt werden. So blieb es aber bei einem Unentschieden, das sich für Italien wie eine Niederlage anfühlen dürfte. (Tsp)

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