Japanische Mannschaft : Ein Samurai aus São Paulo

Marcus Tanaka ist der Star der Asiaten – weil er in der Defensive brasilianisch spielt.

Sebastian Stier

Wenn Marcus Tanaka etwas nicht passt, dann macht er vor niemandem halt. Davon musste sich selbst Japans Trainer Takeshi Okada überzeugen. Als es in der Vorbereitung nicht lief, sagte Tanaka den japanischen Medien: „Wenn wir so spielen, wie es unser Trainer uns vorgibt, können wir nicht zeigen, was wir draufhaben.“ Tanaka ist kein Mann der leisen Töne, typisch japanische Zurückhaltung ist ihm fremd, er ist ja auch kein typischer Japaner.

Erst mit fünfzehn Jahren kam er in das Land seiner Vorfahren. Geboren ist der 29-Jährige in São Paulo, auf seinem Trikot trägt er mit „Tulio“ einen Künstlernamen – ganz brasilianisch halt. Seinen Offensivdrang hat er aus der alten Heimat gleich mitgebracht: Acht Tore erzielte der kopfballstarke Verteidiger bisher für die Nationalmannschaft. Trotzdem ist Trainer Okada von den Vorstößen seines Abwehrchefs nur mäßig begeistert, da Tanakas Offensivaktionen manchmal stark an die ungestümen Versuche Lucios erinnern. Tanaka selbst ist das egal, er sagt: „Ich werde definitiv angreifen, wenn die Situation es erfordert. Fußball muss Spaß machen, er erfordert Kreativität.“ In der Defensive ist Tanaka nicht minder begabt. Zusammen mit Yuji Nakazawa bildet er die so starke japanische Innenverteidigung – erst zwei Gegentore kassierten die Japaner bisher und stehen etwas überraschend im Achtelfinale.

Der nächste Gegner heißt nun Paraguay, geht es nach Marcus Tanaka, soll danach noch lange nicht Schluss sein. Als Takeshi Okada vor der WM das Halbfinale als Ziel ausgab, wurde er in der japanischen Öffentlichkeit müde belächelt. Lediglich Tanaka stimmte seinem Trainer zu. „Natürlich!“, sagte er. „Ich glaube unbedingt daran, dass das möglich ist und ich denke, dass wir über die nötige Stärke verfügen, um dieses Ziel zu erreichen.“

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