Kein Tag für Helden : Die deutschen Spieler in unserer Einzelkritik

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik von Tagesspiegel-WM-Reporter André Görke. Neuer leuchtet, Friedrich wird zum Anführer mit Bart und Klose hat genau drei Szenen.

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Anführer mit Bart: Arne Friedrich (r.) an der Seite von Per Mertesacker.
Anführer mit Bart: Arne Friedrich (r.) an der Seite von Per Mertesacker.Foto: dpa

MANUEL NEUER: Auffällig gekleidet, aber unauffällig im Tor. Der Schalker konnte sich an diesem sonnigen Mittag nicht auszeichnen – beim 0:1 war er machtlos. Als er den Rasen von Port Elizabeth verließ, war das Trikot quasi sauber. Schön gelb.

PHILIPP LAHM: Einziger in der Viererkette mit Trikot in der Hose. Hatte ordentlich zu tun mit Milan Jovanovic von Standard Lüttich auf der rechten Seite und konnte sich nicht so oft nach vorne einschalten. Vielleicht ein bisschen zu ruhig für einen Kapitän in so einer hitzigen Partie.

PER MERTESACKER: Kümmerte sich gemeinsam mit Arne Friedrich um den 2,02 Meter langen Nikola Zigic vom FC Valencia. Das eine und entscheidende Duell verlor der Bremer – auch, weil er in der Rückwärtsbewegung war. Zigic legte ab auf Jovanovic, und der traf zu Serbiens Siegtor.

ARNE FRIEDRICH: Muss die Nacht unterm Sauerstoffzelt verbracht haben. Schaltete sich immer wieder in den Angriff ein, hechtete in den Strafraum, den gegnerischen wohlgemerkt, forderte wild gestikulierend den Ball – die Bemühungen waren aber genauso vergeblich wie der Abwehrversuch beim 0:1, das man ihm aber kaum anlasten kann. Der bärtige Berliner wird immer mehr zum Anführer.

HOLGER BADSTUBER: Selbstbewusst, jung, abgeklärt. So soll er sein, sagen seine Trainer. Gegen den blonden Milos Krasic von ZSKA Moskau war er auf der linken Abwehrseite vor allem eines: überfordert. Ließ sich nicht nur vor dem 0:1 auf der linken Seite überlaufen. Klarer Schwachpunkt im Team. Nach 77 Minuten durfte er duschen gehen.

THOMAS MÜLLER: Der Mann mit der Nummer 13 bekam auf der rechten Seite viel und konsequent auf die Socken – und hatte doch eine große Chance: Der Münchner umkurvte kurz vor der Halbzeit erst einen, dann den zweiten und dritten Serben, zögerte aber mit dem Schuss und raufte sich die Haare. Zu Recht.

SAMI KHEDIRA: Spielte immer sieben, acht Meter vor Schweinsteiger und stopfte so die Lücke zum Angriff. Kurz vor der Halbzeit drosch er den Ball mit dem rechten Fuß an die Latte. Anschließend tauchte er ein bisschen unter. Ach, und natürlich sah auch er Gelb. Wer eigentlich nicht?

BASTIAN SCHWEINSTEIGER: Schaltete sich offensiv erst nach dem 0:1 ein. Feuerte immer wieder gestenreich seine so langsam verzweifelnden Kollegen an und tröstete als erster Podolski.

LUKAS PODOLSKI: Der diesmal sehr laufstarke Kölner bestritt gegen Serbien sein 75. Länderspiel – gefühlt knallte er genauso oft den Ball Richtung Tor. Beim Elfmeter schob er ihn schließlich liebevoll, traf aber wieder nicht. Es war sein erster verschossener Strafstoß in der Nationalmannschaft.

MESUT ÖZIL: Es scheint sich bis nach Serbien herumgesprochen zu haben, dass dieser 21-Jährige ein Guter ist. Wurde nämlich ziemlich konsequent aus dem Spiel genommen – und nach 70 Minuten ausgewechselt. Er hatte sich als Spitze hinter der nicht vorhandenen Spitze verausgabt.

MIROSLAV KLOSE: Hatte genau drei Szenen. Die erste: Sah nach zwölf Minuten Gelb, weil er Branislav Ivanovic in den Hacken getreten hatte. Die zweite: Lauert bekanntlich immer an der Nahtstelle zwischen Abseitsstellung und Viererkette, konnte sich daher seinen Gegnern davon stehlen und den Ball ins Tor schießen – stand dabei aber im Abseits. Und die dritte Szene: Hebelte Serbiens Kapitän Dejan Stankovic unnötig an der Mittelinie aus und sah nach 36 Minuten Gelb-Rot. Wer ersetzt ihn gegen Ghana?

CACAU: Ersetzte nach fast 70 Minuten Müller. Weil sich mittlerweile aber da vorne so viele Fußballer mit ihren Stollenschuhen auf den Füßen herumstanden, verdingte er sich sogar als Manndecker.

MARKO MARIN: Kam für Özil, gleichzeitig mit Cacau. Wuselte auf der linken Seite ein wenig, brachte aber nicht wie erhofft mehr Torgefahr.

MARIO GOMEZ: Ja, auch er wurde eingewechselt und spielte 13 Minuten mit. Damit ist sein Arbeitsergebnis hinlänglich beschrieben.

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