Kommentar : Guerillas im Strafraum

Wiese, Lehmann, Adler, Neuer, Enke:: Lars Spannagel sieht einen neuen Torwartkrieg im deutschen Fußball.

Lars Spannagel

Die ersten Schüsse im neuen Torwartkrieg sind gefallen. Fußball-Historiker werden die Schuld dafür Jens Lehmann zuschreiben. In den letzten Wochen provozierte und stichelte der Stuttgarter so lange, bis einer der pauschal angepöbelten Kandidaten für das Tor der deutschen Nationalelf die Nerven verlor. Wie nicht anders zu erwarten, war es Tim Wiese. Lehmann sei „völlig überschätzt und abgedreht“, teilte der Bremer jetzt mit. Die Schlacht ist also eröffnet – in den 421 Tagen bis zum Beginn der WM in Südafrika steht dem deutschen Fußballfan noch einiges bevor.

Im Gegensatz zu den großen Torwart-Stellungskriegen der Vergangenheit (Schumacher gegen Stein, Kahn gegen Lehmann) wird es eher eine multipolare, Guerilla-artige Auseinandersetzung geben, mit wechselnden Allianzen und überfallartigen Angriffen. Vielleicht pöbeln die gebürtigen Wessis Wiese und Neuer schon bald gegen die Ossis Enke und Adler („Der Sozialismus hat noch nie Führungsspieler hervorgebracht“). Die auslandserfahrenen Lehmann und Enke könnten ihre bisher nur in der Bundesliga spielenden Konkurrenten angreifen („Die wissen nicht mal, was Foul auf Englisch heißt“). Die blassen Enke und Neuer könnten Wiese dessen Gesichtsbräune zum Vorwurf machen, Langärmel-Träger Lehmann René Adlers kurzes Trikot kritisieren. Groß gegen klein, Gel gegen Haarspray, Rauslaufen oder Auf-der-Linie-bleiben: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und Oliver Kahn? Der wird kaum zulassen, dass sein Rivale Lehmann den ganzen Spaß hat – und er nur zusehen darf.

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