Länderspiel : DFB-Elf enttäuscht gegen England

Ohne Ballack und Frings verliert die deutsche Nationalmannschaft gegen England 1:2 (0:1). Im Nieselregen von Berlin verabschieden die frustrierten Fans Löws schwaches Team mit Pfiffen.

Sven Goldmann
Länderspiel - Deutschland - England Foto: dpa
Torwart René Adler verschuldete das 0:1 mit.Foto: dpa

Berlin fror, die deutsche Nationalmannschaft zitterte und verabschiedete sich auf eine denkbar enttäuschende Weise aus dem Länderspieljahr 2008. Insgesamt 74 244 Zuschauer sahen bei ungemütlichem Wind und Nieselwetter eine völlig verdiente 1:2 (0:1)-Niederlage gegen eine spielerisch überlegene englische B-Mannschaft. Sieben Minuten vor Schluss köpfte John Terry vom FC Chelsea das alles entscheidende Tor. Zuvor hatte der englische Kapitän den Deutschen mit einem kapitalen Fehler noch den schmeichelhaften Ausgleich ermöglicht.


Was wird bleiben von diesem Spiel im ausverkauften Olympiastadion? Das unauffällige Debüt des Hoffenheimers Marvin Compper, für den später der ebenfalls zum ersten Mal eingesetzte Wolfsburger Marcel Schäfer kam? Der Fehler von Torhüter René Adler zum frühen 0:1? Das erste Länderspieltor des eingewechselten Patrick Helmes zum 1:1 Mitte der zweiten Halbzeit, dem ein brutales Missverständnis der englischen Abwehr vorausging? Wahrscheinlich das Fehlen von Torsten Frings und Michael Ballack.

Das Mittelfeld war mit der Spielgestaltung überfordert

Ohne den beiden grob mannschaftsschädigendes Verhalten zu unterstellen: Es darf wohl vermutet werden, dass sie gestern zu den wenigen zufriedenen Nationalspielern zählten. Daheim vor dem Fernseher in London und Bremen erhielten sie frei Haus die Erkenntnis, dass ohne sie wenig lief. Es war vor allem das in den vergangenen Jahren von Ballack und Frings verantwortete zentrale Mittelfeld, das mit der Gestaltung des Spiels überfordert zu sein schien. Ihre Vertreter Simon Rolfes und Jermaine Jones brachten gegen die überraschend hoch stehenden Engländer so gut wie gar nichts zustande. Der Leverkusener Rolfes mag sich gut in eine funktionierende Mannschaft einfügen, ein mitreißender Antreiber mit Alleinvertretungsanspruch ist er nicht. Und Jones legte zwar weite Wege zurück, aber dem Profi von Schalke 04 versprang so oft der Ball, wie man es an selber Stätte selten sieht, wenn Hertha BSC in der Bundesliga spielt.

Wenn denn mal so etwas wie Kreativität im deutschen Spiel zu sehen war, dann ging sie von den Außenpositionen aus, von Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski. Die aber wurden zu selten einbezogen in die deutschen Offensivbemühungen, weil eben viel zu viel durch die Mitte lief. Da aber war den Engländern schwer beizukommen.

Was haben die englischen Boulevardblätter über dieses Team gespottet, was haben sich die Deutschen gewundert, wer sie da im Klassiker fordern würde. Noch nie haben die Engländer in dieser Formation zusammen gespielt, aber das war ihnen kaum anzumerken. Im Mittelfeld dirigierte Stuart Downing vom FC Middlesbrough mit Esprit und Verve, vorn waren der Debütant Gabriel Agbonlahor (Aston Villa) und Jermaine Defoe (Portsmouth) schwer unter Kontrolle zu bringen. Den von Matthew Upson (West Ham United) erzielten Führungstreffer (24.) verdankten die Engländern zwar dem irrlichternden René Adler, aber verdient war er allemal. Die Deutschen hatten Glück, dass Schiedsrichter Busacca ein weiteres Tor von Agbonlahor wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht anerkannte.

Die Deutschen machten aus null Torchancen ein Tor

Die Zuschauer quittierten das deutsche Quergeschiebe zur Pause mit lauten Pfiffen. Bundestrainer Löw reagierte und brachte Marko Marin für den überforderten Jones, Schweinsteiger rückte in die Mitte, und im Angriff durfte Patrick Helmes für den Totalausfall Miroslav Klose ran. Später kam, unter lautem Beifall, auch noch Lukas Podolski für den blassen Mario Gomez. Den besseren Fußball aber spielten weiter die Engländer. Das 1:1 in der 63. Minute fiel aus dem Nichts. Der eingewechselte Torhüter Scott Carson und Kapitän Terry waren sich uneins, wer denn eine völlig ungefährliche Situation klären sollte, Helmes ging dazwischen und traf ins leere Tor. Es war die einzige deutsche Torchance – nein, eigentlich war es gar keine. Danach hatten die Deutschen ihre beste Phase – und Tim Wiese lenkte mit einer Parade einen Schuss von Shaun Wright-Phillips kurz vor Schluss noch an den Pfosten. Terrys Kopfball ins rechte Eck verdarb den Deutschen dann aber endgültig den misslungenen Abend. Die frustrierten deutschen Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit gellenden Pfiffen aus dem EM-Jahr.

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