Massenpanik : 20.000 Fans wollen durch ein Stadiontor

Nach der Massenpanik in Johannesburg weisen Behörden, Fifa und Veranstalter jede Schuld von sich. Eine Wiederholung der Ereignisse während der WM ist in der Tat sehr unwahrscheinlich.

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Die Enge am Eingang. Zu viele Fans wollen Nigerias Testspiel sehen.
Die Enge am Eingang. Zu viele Fans wollen Nigerias Testspiel sehen.Foto: dpa

Am Tag danach deutet im Makhulong-Stadion von Tembisa wenig auf die Ereignisse vom Vortag hin: Das arg ramponierte Eingangstor ist von Wachleuten umstellt, auf dem Vorplatz liegen ein paar leere Dosen herum. Niemand würde vermuten, dass hier, in einer Township vor Johannesburg, am Sonntagnachmittag unmittelbar vor dem Freundschaftsspiel zwischen Nigeria und Nordkorea bei einer Massenpanik rund 20 Menschen verletzt wurden.

Die genauen Umstände des Massenansturms waren auch gestern noch nicht völlig geklärt. Während die Polizei die willkürliche Ticketvergabe für die Eskalation verantwortlich macht, kritisieren Augenzeugen die chaotische Organisation des WM-Vorbereitungsspiels. Ein Augenzeuge, der in dem Gedränge eine Schnittwunde am Kopf erlitt, sagte der Johannesburger „Times“, dass die Menschen in der Township nicht im Voraus von dem Spiel gewusst hätten – und Tausende deshalb erst im letzten Moment zum Stadion geströmt seien. Für das Spiel waren kostenlose Eintrittskarten ausgegeben worden, offensichtlich befanden sich aber auch viele gefälschte Tickets im Umlauf. Die Organisatoren selbst behaupten, vor dem Spiel rund 8000 Tickets in der Township verteilt zu haben.

Wie Vertreter des zuständigen Sanitätsdienstes gestern berichteten, sollen zeitweise mehr als 20 000 Menschen versucht haben, in das für nur etwas mehr als 10 000 Zuschauer ausgelegte Stadion zu gelangen. Die meisten Verletzten gab es offenbar, als die Polizei das nach dem ersten Ansturm zunächst verschlossene Eingangstor ein zweites Mal öffnete und daraufhin eine noch größere Menschenmenge in die Arena drängte. Kurz danach sei das Tor, der einzige Zugang zum Stadion, endgültig geschlossen worden.

Ein Polizist erhob Vorwürfe gegen den Fußball-Weltverband Fifa: „Die Fifa hat gewollt, dass der Eintritt gratis ist. Das hat sie nun davon.“ In einer Pressemitteilung hat die Fifa jede Verantwortung von sich gewiesen, da das Freundschaftsspiel „in keiner Verbindung“ zu ihrer Organisation und der Weltmeisterschaft stehe. In dem Stadion in Tembisa wird kein WM-Spiel stattfinden. Fifa-Präsident Blatter sprach von einem Weckruf für die WM-Organisatoren und versprach, dass sich das bei keinem der WM-Spiele wiederholen werde. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke sagte: „Wir müssen sicherstellen, dass die Polizei rund um die WM-Stadien besser arbeitet als wir es gestern gesehen haben.“

In der Tat ist eine Wiederholung der Ereignisse unwahrscheinlich. Seit die Fifa die zehn südafrikanischen WM-Arenen vor zwei Wochen übernommen hat, sind diese weiträumig abgesperrt. Um ins Stadion zu gelangen, müssen die Fans zum Beispiel in Kapstadt zwei Sperren und eine Phalanx an Sicherheitsleuten überwinden.

Für die vier Wochen der Fußball-WM wird Südafrikas Regierung jedenfalls mit 44 000 Polizisten und 10 000 privaten Sicherheitskräften ein derartig großes Aufgebot mobilisieren, dass sich Südafrikaner am Ende fragen könnten, warum sie sich nur dann sicher fühlen dürfen, wenn die Welt zu Gast am Kap ist.

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