Mexiko - Uruguay 0:1 : Der Angriffspakt von Rustenburg

Statt eines erwarteten Friedensgipfels liefern sich Uruguay und das Team von Mexiko ein offensives Match, das dennoch beiden den Einzug ins Achtelfinale sichert.

Tim Jürgens
Im Parallelspiel in Rustenburg zwischen Uruguay und Mexiko bricht Luis Suarez den Nichtangriffspakt und bringt die Südamerikaner in der 43. Minute mit 1:0 in Führung.
Im Parallelspiel in Rustenburg zwischen Uruguay und Mexiko bricht Luis Suarez den Nichtangriffspakt und bringt die Südamerikaner...Foto: AFP

Das Misstrauen war groß. Glaubte man den Medien, sollte schon das kleine Einmaleins ausreichen, um zu verstehen, was bevorstand: Während in Bloemfontein die Teams von Südafrika und Frankreich um die Wiederherstellung ihres ramponierten Rufs kickten, durften in Rustenburg Uruguay und Mexiko über deren Verbleib im Turnier entscheiden. Nur die Niederlage einer Mannschaft in Rustenburg konnte noch Möglichkeiten für die "Equipe Tricolore" beziehungsweise die "Bafana Bafana" eröffnen. Bei einem Unentschieden würden beide lateinamerikanische Mannschaften ins Achtelfinale einziehen. Mexikos Kapitän Cuauhtemoc Blanco hatte noch Wasser auf die Mühlen des Misstrauens gekippt, indem er sich zitieren ließ: "Ob ich ein Duell mit Argentinien vermeiden will? Das ist mir doch egal. Wir sind stark genug, jeden zu schlagen. Argentinien ist für uns kein Problem." Mit anderen Worten: Ein Unentschieden reicht uns völlig. Man konnte sich also auf einen entspannten Nachmittag in der Sonne Rustenburgs einstellen.

Doch es kam anders. Für den Fall, dass sich die Teams schon vorab auf ein Ergebnis geeinigt haben sollten, zeigten sie von Beginn an oscarreifes Schauspieltalent. Uruguay startete furios, schon nach sechs Minuten vergab Luis Suarez freistehend vor Mexikos Keeper Oscar Perez eine Hundertprozentige. Das Team von Coach Oscar Tabarez spielte giftig, gab keinen Ball verloren, kombinierte traumwandlerisch. Uruguays Trainer hatte nach dem 3:0 seiner Mannschaft über Gastgeber Südafrika erklärt: "Wir sind davon überzeugt, dass wir den Titel gewinnen können". Und ihre Ambitionen stellten seine Männer nun eindrucksvoll unter Beweis. Daran konnte auch nicht ändern, dass die Mehrzahl der 33.525 Zuschauer hinter dem mexikanischen Team standen.

Das Aufbranden der ersten "La Ola" im Stadion nahm auch Andres Guardado als Aufruf, den Ball nach 21 Minuten in "Wembley"-Manier unter die Latte des von Torhüter Fernando Muslera zu knallen. Damit war auch auf mexikanischer Seite das Zeichen zum Angriff gegeben. In der Folge entwickelte sich eine der bislang attraktivsten WM-Partien. Hatten vorab noch Medien das Freihandelsabkommen beider Länder, das trotz Verbot durch die Statuten des Mercosur seit 2004 besteht, als Indiz für einen Nichtangriffspakt gesehen, spielten nun beide Teams im Minutentakt Chancen heraus. Eine traumhafte Flanke des überragenden Diego Forlan ­– der zunehmend zu einem der Stars dieser WM avanciert – brauchte Suarez in der 43. Minute nur noch zum 1:0 für Uruguay einzunicken.

An der Tatsache, dass sich beide Teams nichts schenkten, änderte sich auch nach der Pause nichts. Die im Meer aus Vuvuzelas deutlich vernehmbaren "Mexiko"-Schlachtrufe wurden stetig lauter. Dem Anhang ging wohl aufgrund der Führung von Südafrika in Bloemfontein allmählich die Muffe. Zumal Diego Lugano mit einem Kopfball durchaus die Führung Uruguays noch hätte ausbauen können.

Nicht nur wegen ihres Fair Plays, auch aufgrund ihrer spielerischen Klasse zogen beide Teams am Ende verdient ins Achtelfinale ein. Die unermüdlich stürmenden Uruguayer demonstrierten zudem eindrucksvoll, dass man sie bei dieser WM auf der Rechnung haben muss.

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