Mit Kapitän und Nummer eins : Team komplett

Endlich eine gute Nachricht für Bundestrainer Joachim Löw: Die Spieler des FC Bayern sind in Südtirol eingetroffen. Nun geht es an die Feinheiten der WM-Vorbereitung. Die Torwart- und Kapitänfrage läuft auf Neuer und Lahm hinaus.

von
Philipp Lahm (l.) wird voraussichtlich neuer Kapitän der Nationalmannschaft, Manuel Neuer die neue Nummer eins.
Philipp Lahm (l.) wird voraussichtlich neuer Kapitän der Nationalmannschaft, Manuel Neuer die neue Nummer eins.

So viel Pech ist nun wirklich selten. Da freute sich Bundestrainer Joachim Löw endlich mal über eine gute Nachricht – dass die Spieler des FC Bayern gesund in Eppan eingetroffen sind und der 25-köpfige WM-Kader damit vollzählig ist – , als es an der Tür seines Hotelzimmers klopfte: Thomas Müller, 20 Jahre jung und erst am Tag zuvor in Südtirol eingetroffen, war in den hügeligen Wäldern am Montiggler See vom Fahrrad gestürzt und blutete im Gesicht. Schon wieder ein Verletzter, kann doch alles nicht wahr sein! Schnell gab die ärztliche Abteilung Entwarnung. Kein Knochen war gebrochen, die Platzwunde an Müllers Kinn konnte bald geflickt werden.

Doch der Schreck saß tief im WM-Hotel Weinegg, zu viele Verletzte (Adler, Ballack, Träsch ff.) musste Löw in diesen Tagen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika verkraften. Trotzdem konnte der Bundestrainer sich schließlich auf dem Trainingsplatz an der Montiggler Straße auf das Wesentliche konzentrieren: die Integration der Fußballer des FC Bayern München, die erst jetzt zur Mannschaft gestoßen sind. Sie hatten die Strecke über die Alpen ins Trainingslager nicht im Flugzeug zurückgelegt, sondern wurden in schwarzen Vans über die Autostrada 22 und den Brenner nach Eppan chauffiert. Kurz vor zwölf trafen die Stammspieler Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sowie Torhüter Jörg Butt in der Hotellobby ein (gleichzeitig übrigens mit sechs Dopingfahndern, die 14 Spieler zum Urinieren auf die Toilette baten zwecks Routinekontrolle). Die anderen vier Münchner Kollegen – Miroslav Klose, Mario Gomez, Thomas Müller und Holger Badstuber – hatten bereits am Dienstagnachmittag im WM-Quartier eingecheckt. „Die Bayern sollen sich in aller Ruhe eingewöhnen“, sagte Löw.

Während Müller und Badstuber am Mittwochmorgen nun zu ihrem lockeren, dann doch etwas unglücklichen Fahrradtrip durch die Wälder aufbrachen, schnappten sich die beiden Stürmer Klose und Gomez die Bälle auf dem Fußballplatz, droschen sie mehr oder weniger zielstrebig ins Tor und zogen schwere Gewichte bei Sprintübungen hinter sich her. Ein schweißtreibendes Programm in der Hitze von Südtirol also. Doch sie hatten ja auch eher eine überschaubare Zahl von Pflichtspielminuten in dieser Saison für ihren Münchner Arbeitgeber absolviert, deshalb nahmen sie gleich an den Mannschaftseinheiten teil. Miroslav Klose freute sich daher gar „über das intensive Training“. Etwas Selbstvertrauen konnten sich die beiden Torjäger gleich am Mittwochabend holen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewann die deutsche Mannschaft ein Testspiel gegen eine Jugendauswahl von Eppan mit 24:0. Klose und Gomez spielten je eine der auf 30 Minuten angesetzten Halbzeiten und steuerten jeweils fünf Tore bei.

Die anderen Neuankömmlinge, die noch am Wochenende im Finale der Champions League aufliefen, werden hingegen „zwei, drei Tage im separaten Bereich“ (Löw) arbeiten. Der befindet sich neben dem Trainingsplatz in einem weißen Zelt – es ist der Kraftraum mit allerlei raffinierten Geräten, um die Fußballer wieder fit zu machen, damit sie nicht zur WM in Müdigkeit verfallen. „Wir müssen vorsichtig sein, was die Belastung angeht“, sagte Löw. „Wir dürfen da keine Fehler machen.“ Und auch Philipp Lahm, aller Voraussicht nach der neue Kapitän, meinte: „Gleich wieder hundert Prozent geht nicht.“

Die kurze Verschnaufpause der Münchner zu Hause bei ihren Familien, die Löw den Bayern-Spielern nach der langen Saison gegönnt hatte, macht die Arbeit des Trainerteams nur bedingt einfacher. Weil die Mannschaft am Samstagabend in Budapest gegen Ungarn antritt, wird der gesamte Kader wohl erst am Montag gemeinsam auf dem Fußballplatz die Feinabstimmung einstudieren können. „Das wussten wir vorher“, sagte Löw.

Außerhalb des Platzes immerhin können nun mit der Ankunft der Bayernspieler die noch offenen relevanten Details geklärt werden: die Kapitän- und Torwartfrage. Da läuft inoffiziell alles auf Manuel Neuer und Philipp Lahm hinaus. Die Trainer wollen sich allerdings erst mit den Spielern im WM-Quartier zusammensetzen, „anschließend werden wir unsere Entscheidungen verkünden“, sagte Kotrainer Hans-Dieter Flick. Und wann? Mittwoch? Donnerstag? Vielleicht Freitag erst? Flick sagte lächelnd: „Zeitnah.“

11 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben