Nationalmannschaft : "Fall Ballack": Beckenbauer warnt vor "unendlicher Geschichte"

"Kaiser" Franz Beckenbauer wittert hinter den neuerlichen Äußerungen von Kapitän Michael Ballack zum Streit mit Joachim Löw "Frust". Ballack hatte zuvor erklärt, er bereue sein Löw-kritisches Interview nicht, obwohl beide den Streit bereits offiziell beigelegt hatten.

Ballack Lö
Nicht immer einer Meinung. Nationalcoach Löw und sein Kapitän. -Foto: dpa

HamburgFranz Beckenbauer hat im Fall Ballack vor einem endlosen Hickhack gewarnt. "Ich bin sprachlos. Dazu fällt mir gar nichts ein", sagte Beckenbauer nach den erneuten öffentlichen Aussagen des Nationalmannschaftskapitäns der "Bild"-Zeitung. "Ich dachte eigentlich, die Sache wäre erledigt. Es wäre furchtbar, wenn aus diesem Theater eine unendliche Geschichte werden sollte." Ballack hatte in einem Interview des Pay-TV-Senders "Premiere" versucht, seine öffentliche Kritik am Kurs von Bundestrainer Joachim Löw zu rechtfertigen und herunterzuspielen. Dabei galt das Thema nach der Aussprache zwischen Löw und Ballack vor vier Wochen als erledigt.

Löw reagierte zurückhaltend auf die erneuten Aussagen Ballacks. "Michael hat ein Recht, seine Meinung zu sagen und Kritik zu äußern. Aber nach außen wird er die nicht kundtun. Da können sie ganz sicher sein. Weil er weiß, was dann die Konsequenzen sind." Der Bundestrainer sagte aber auch: "Ich kenne die AussagBen von Michael nicht genau und möchte deshalb jetzt nichts dazu sagen."

Beckenbauer erklärt sich die umstrittenen Medien-Auftritte des Chelsea-Profis mit einem tief sitzenden "Frust" wegen des verpassten EM-Titels. "Das rührt von der letzten Europameisterschaft her, als er einige Versäumnisse festgestellt und auch reklamiert hat", meinte der "Premiere"-Experte. "Man hat ihm nicht zugehört, man ist Zweiter geworden und das langweilt ihn langsam, denn er wird möglicherweise der ewige Zweite bleiben." Deshalb sei er "vielleicht noch ein bisschen sauer, dass es bei der Europameisterschaft nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat".

"Ich habe niemanden attackiert"

Ballack hatte überraschend noch einmal zu dem offiziell schon abgehakten Streit Stellung bezogen und damit neue Diskussionen provoziert. "Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln. Es hat während und nach der Europameisterschaft ein paar Irritationen gegeben. Ich finde das aber gar nicht schlimm im Fußball, wenn man mal anderer Meinung ist", hatte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler vor dem Champions-League-Spiel seines Klubs FC Chelsea am Mittwoch gegen Girondins Bordeaux in Premiere gesagt.

Ballack hatte sich Ende Oktober bei Löw "entschuldigt", rückgängig machen wollte er das umstrittene Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", das den Bundestrainer verärgert hatte, auch im Nachhinein nicht. "Nein, denn ich habe lediglich in einem vernünftigen Ton meine Meinung gesagt. Ich habe auch niemanden attackiert, das wollte ich ja auch gar nicht", erläuterte Ballack. Und: "Bisweilen muss man halt auch ein paar kritische Töne in der Öffentlichkeit sagen. Man kann eben nicht nur alles intern ansprechen." Seine Ausprache mit dem Bundestrainer beschrieb der DFB-Kapitän in dem "Premiere"-Gespräch als "harmonisch". (jvo/dpa)

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