Nationalmannschaft : Keine Vertragsverlängerung für Löw vor der WM

Eigentlich schien es nur noch eine Formsache zu sein, jetzt aber steht die erfolgreiche Beziehung zwischen Bundestrainer Joachim Löw und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor einer schwierigen Zukunft, vielleicht sogar vor dem Aus.

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Joachim Löw
Bewährte Lösung. Doch bleibt Joachim Löw auch?Foto: dpa

Frankfurt/MainVier Monate vor der Weltmeisterschaft in Südafrika haben sich beide Seiten gestern in einer außerordentlichen Sitzung des DFB-Präsidiums darauf verständigt, die Verhandlungen über einen neuen Vertrag bis nach der WM zu vertagen. Am Nachmittag, um kurz vor fünf, versandte der DFB eine Pressemitteilung, in der sich die Brisanz des Vorgangs eher zwischen den Zeilen versteckte. Generalsekretär Wolfgang Niersbach wurde darin mit den scheinbar beruhigenden Worten zitiert, dass die Situation vergleichbar sei mit der von 2006, als Jürgen Klinsmann noch Bundestrainer war. Auch der hatte keinen über die Weltmeisterschaft hinaus gültigen Vertrag. Kurz nach dem Turnier teilte Klinsmann dann dem Verband mit, dass er nicht weiter für das Amt des Bundestrainers zur Verfügung stehe.

Ein solches Szenario scheint nun auch bei Löw denkbar, denn offensichtlich gibt es gravierende Meinungsverschiedenheiten, die einem schnellen Vertragsabschluss im Wege stehen. Dabei hatte Zwanziger bereits im Dezember des vergangenen Jahres vermeldet, dass er sich mit Löw per Handschlag auf eine Verlängerung der Zusammenarbeit bis zur Europameisterschaft 2012 geeinigt habe. Der Bundestrainer hatte allerdings schon kurze Zeit später darauf hingewiesen, dass es noch einige Punkte zu klären gebe. Zwanziger sprach nach der gestrigen Präsidiumssitzung von neuen und überraschenden Vorstellungen, „die aus der Sicht des DFB-Präsidiums zum Teil auch im Blick auf die Satzung nicht zu akzeptieren sind“. Das sind recht deutliche Worte, aus denen durchaus starkes Missfallen spricht.

Dabei ging es in der gestrigen Präsidiumssitzung weniger um die U-21-Nationalmannschaft, die zuletzt im Mittelpunkt eines öffentlichen Streits zwischen Löw und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer gestanden hatte. In dieser Angelegenheit konnten Löw und sein Partner Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, ihren Willen durchsetzen. Der Bundestrainer darf auch künftig bestimmen, wer das wichtigste Nachwuchsteam des DFB trainiert, er kann die Spielphilosophie vorgeben und jeden U-21-Spieler berufen, den er für die Nationalmannschaft benötigt. Sammer, der im Verband für den Nachwuchs zuständig ist, besitzt für die U 21 nur noch eine unterstützende Funktion. Das DFB-Präsidium hatte auch dem Wunsch des Bundestrainers entsprochen, die Verträge seiner Mitstreiter aus der sportlichen Leitung zu verlängern. Warum also konnten die Verhandlungen trotzdem nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden?

Die „Bild“-Zeitung hatte am Tag der Präsidiumssitzung berichtet, dass die sportliche Leitung der Nationalmannschaft für jedes ihrer Mitglieder – Löws Assistent Hans-Dieter Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Manager Bierhoff – für die Vertragsverlängerung einen Bonus in Höhe eines Jahresgehaltes gefordert hatte. Der viel größere Knackpunkt aber betraf laut „Bild“ die Kompetenzen für Bierhoff. In dessen bisherigem Vertrag ist festgeschrieben, dass ihm bei der Berufung eines Bundestrainers ein Vorschlagsrecht und die alleinige Verhandlungsführung zustehen. Für die Zukunft aber verlange er in dieser Personalfrage ein Vetorecht: Kein Bundestrainer könnte fortan gegen Bierhoffs Willen engagiert werden. Bisher lag die Entscheidung beim DFB-Präsidium, und diese Kompetenz wird es sich wohl kaum nehmen lassen.

„Wir hätten die Vertragsverlängerungen gerne im Vorfeld der WM geklärt“, sagte Oliver Bierhoff. „Aber wir akzeptieren die Entscheidung des Präsidiums und konzentrieren uns mit unverändertem Engagement auf die Vorbereitung der WM.“ Ausblenden lassen wird sich das Thema – auch während der Weltmeisterschaft – aber wohl kaum.

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