Nationalmannschaft : Mario Gomez: Darauf ein Tor

Mario Gomez hat mit dem FC Bayern Großes vor – und will jetzt sogar im Nationalteam treffen. Am liebsten gleich auf der Asienreise.

Gregor Derichs[Schanghai]
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Bald miteinander. Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger werden in der neuen Saison gemeinsam für den FC Bayern spielen. In der...Foto: dpa

Vor den chinesischen Seuchenexperten waren alle gleich. Nach der Landung um 9.45 Uhr Ortszeit in Schanghai-Pudong mussten die deutschen Nationalspieler trotz des zehnstündigen Fluges wie alle Passagiere in ihren Sitzen verharren. Drei Chinesen in weißen Ganzkörperschutzanzügen, das Gesicht mit Schutzbrillen und Mundschutz verhüllt, als wären sie dem Katastrophenfilm „Outbreak“ entsprungen, enterten den Airbus. Bei jedem Fluggast nahm der Trupp mit einer auf die Stirn gerichteten Laserpistole eine Messung der Körpertemperatur vor. Mario Gomez und Lukas Podolski kamen in der Ersten Klasse sofort an die Reihe, mussten aber warten, bis der letzte Fluggast gescannt war. Niemand hatte Fieber, Indizien für die Schweinegrippe wurden bei keinem Passagier festgestellt. Die 17 deutschen Nationalspieler und alle Mitreisenden durften chinesischen Boden betreten.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Das war komisch, aber als Vorsichtsmaßnahme vollkommen in Ordnung“, sagte Gomez. Anders als bei der medizinischen Kontrolle wurden die Nationalspieler von der Gruppe der 80 chinesischen Fans, die vor dem Ausgang warteten, in Kategorien eingeteilt. Die Sympathien gehörten vor allem Lukas Podolski, der von den Teenies wie ein Soapstar mit Kreischen begrüßt wurde. Gomez entkam unerkannt. In China hatte es sich gestern noch nicht herumgesprochen, dass der Stürmer ein 30-Millionen-Euro-Mann ist, der wertvollste deutsche Spieler aller Zeiten, der dem VfB Stuttgart mit dem Transfer zum FC Bayern München eine Rekordsumme einbringt. Vier Stunden später, im Hotel The Portmann Ritz-Carlton, wurde auch den chinesischen Medien klar, dass der müde Mann, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei der Pressekonferenz präsentierte, eine besondere Attraktion darstellt. Das Freundschaftsspiel zwischen dem deutschen Team und China am Freitag im Schanghai-Stadion (14 Uhr MESZ, live ARD) spielte nur am Rande eine Rolle.

„Ich bin relativ fertig“, sagte Gomez. Er meinte nicht nur den Schlafentzug durch den Flug. „Ich habe bis zum Abflug die relativ wichtigsten Stunden meiner Karriere erlebt“, erklärte der 23-Jährige. Zwischen Samstagabend, nach dem Spiel der Stuttgarter in München, bis zum Dienstag sei die Entscheidung gereift, einen Karrieresprung zu wagen. „Ich hatte alle möglichen Angebote. Es hing nur an mir, ob ich das Angebot aus Italien, England oder von Bayern annehme oder in Stuttgart bleibe.“ Richtig schwer fiel ihm der Entschluss nicht, den er in Gesprächen mit seinem Berater Uli Ferber und seiner Freundin traf. „Sechs schöne Jahre“ in Stuttgart waren ihm genug. „Wenn wir von der Reise zurückkommen, sind die Verträge fertig und werden unterschrieben“, sagte Gomez. Ob der Kontrakt über drei oder vier Jahre abgefasst würde, sei noch nicht geklärt.

Dass Bayern-Manager Uli Hoeneß nicht locker ließ, „auch nach der verkorksten Europameisterschaft“, wie Gomez selbst sagte, habe ihn überzeugt. „Er wollte mich unbedingt.“ Schon im vorigen Sommer wäre er bereit gewesen, aber der VfB habe den Transfer abgeblockt. Die finanzielle Seite dürfte für ihn und die Stuttgarter dadurch noch attraktiver geworden sein. „Ich habe Großes vor bei Bayern München“, sagte Gomez. „Ich bin ein Sportler, der erfolgreich sein und viel erreichen will. Ich wollte die Möglichkeit, auch international etwas zu gewinnen.“ Der Konkurrenz von Luca Toni, Miroslav Klose und Ivica Olic unter dem Regiment von Louis van Gaal stelle er sich. „Ich will mich verbessern.“

Ähnlich hatte sich vor drei Jahren auch Podolski geäußert. Dass der Kollege nach Köln zurückkehrt, beeindruckt Gomez nicht. Doch auch das Selbstbewusstsein des Deutsch-Spaniers ist nicht unerschütterlich, wie sein seit März 2008 torloses Wirken im Nationalteam zeigt. „Vom DFB wird alles dafür getan, dass ich wieder treffe“, kommentierte er scherzhaft. Tatsächlich aber wäre sein Glück erst perfekt, wenn er gegen China und die Arabischen Emirate endlich auch im DFB-Trikot wieder ein Tor schießen würde.

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