Nationalmannschaft : Ohne Präzision und Dynamik - DFB-Elf blamiert sich gegen Norwegen

Mit der ersten Niederlage gegen Norwegen seit 1936 hat die DFB-Elf einen blamablen Fehlstart ins neue Länderspiel-Jahr hingelegt. Während Michael Ballack wenigstens im Mittelfeld glänzte, wirkte Torsten Frings energielos.

Stefan Hermanns[Düsseldorf]
Ballack Norwegen
Kein Durchkommen. Michael Ballack wird von den Norwegern Per Ciljan Skjelbred (l.) und Christian Grindheim (r.) gestoppt. -Foto: dpa

DüsseldorfEin Freundschaftsspiel gegen Norwegen kurz nach dem Ende der Winterpause ist nicht gerade dazu prädestiniert, in die Geschichte des deutschen Fußballs einzugehen. Die Partie am Mittwochabend in Düsseldorf hatte zumindest eine kleine historische Note. Zum ersten Mal seit dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien standen Michael Ballack und Torsten Frings wieder gemeinsam in der Startelf. Das Länderspiel gegen die Norweger war damit so etwas wie der offizielle Schlusspunkt unter den Streit zwischen Ballack/Frings auf der einen Seite und Bundestrainer Joachim Löw auf der anderen - und es war ein blamabler Auftakt der deutschen Mannschaft in das Länderspieljahr 2009.

Das Team von Joachim Löw verlor 0:1 (0:0). Es war die erste Niederlage gegen Norwegen seit den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin. Und auch das erste Mal seit dem Jahreswechsel 2000/2001, dass eine deutsche Nationalelf zwei Spiele in Folge verlor. Damals unterlag die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler in Dänemark und Frankreich.

Fehlt es Frings an Energie?

Schon in der ersten Minute vertändelte Frings im Mittelfeld den Ball, es folgten bis zur Pause zwei weitere Ballverluste, die den Norwegern die Möglichkeiten zum schnellen Gegenzug eröffneten - und die Zweifel nährten, ob Frings mit seinen 32 Jahren tatsächlich noch eine große Zukunft in der Nationalmannschaft haben kann. Der Bremer selbst fühlt sich keineswegs zu alt für eine wichtige Rolle im deutschen Fußball, doch es scheint ein wenig, als sei ihm die Energie ausgegangen, die sein Spiel einst befeuert hat. Der gleichaltrige Michael Ballack hinterließ in seinem 90. Länderspiel den deutlich stärkeren Eindruck. Er strahlte im Mittelfeld eine starke Präsenz aus, war viel unterwegs und meistens anspielbar.

Die Deutschen taten sich vor 45.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Düsseldorfer Arena schwer gegen das geschickt verteidigende B-Team der Norweger. Interimstrainer Egil Olsen musste mehr als die halbe Stammelf ersetzen, in der Anfangsformation standen sechs Spieler, die in diesem Jahr wegen der längeren Winterpause noch kein Spiel bestritten haben. Trotzdem konnten sich die Gastgeber kaum Chancen herausspielen. Die erste Gelegenheit ergab sich nach einer Ecke von Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez aber schob den Ball unbedrängt am Tor vorbei. Nach einer halben Stunde verfehlte Philipp Lahm mit einem Schlenzer das Ziel. Viel mehr brachten die Gastgeber vor der Pause nicht zuwege.

Adler nicht immer problemlos

Auf der anderen Seite suchten die Norweger selbst immer wieder mit überfallartigen Angriffen die Chance zum Abschluss. Torhüter René Adler hatte große Probleme bei einem Schuss von Per Skjelbred. Der Leverkusener ließ den Ball von seiner Brust ins Feld zurückprallen. Dafür reagierte er kurz darauf umso besser, als er einen Kopfball von Thorstein Helstad aus kurzer Distanz zur Ecke abwehrte.

Nach der Pause kam zunächst der Hoffenheimer Andreas Beck zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Beim Führungstreffer der Norweger nach einer Stunde sah er nicht besonders glücklich aus. Nach einer scharfen Hereingabe von der rechten Seite ließ er den Torschützen Christian Grindheim am langen Pfosten aus den Augen. Der Norweger musste den Ball nur noch über die Linie schieben.

Deutsche außer Form

Dem Spiel der Deutschen fehlten Präzision, Fluss und Dynamik, niemand aus Löws Mannschaft erreichte auch nur annähernd seine gewohnte Form. Für die Norweger war es nicht allzu schwer, die Angriffsbemühungen der Gastgeber lahm zu legen. Löw brachte Marko Marin, Stefan Kießling und in der 78. Minute als 24. Debütanten seiner Amtszeit auch Mesut Özil für die Offensive. Die Deutschen entwickelten nun wenigstens etwas Wucht, an Ideen mangelte es weiterhin.

Einmal eröffnete Ballack Marin mit einem wunderbaren Pass eine gute Schusschance: Der Gladbacher verzog aber mit seinem etwas schwächeren linken Fuß. Wesentlich gefährlicher waren die Norweger bei ihren gelegentlichen Kontern. "Wir waren zu langsam und zu behäbig", sagte Ballack. "Deshalb haben wir auch so wenige Chancen bekommen."

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