Fußball-WM : Otto Rehhagel schimpft auf den Schiedsrichter

Nach dem 0:2 in der WM-Qualifikation in der Schweiz sucht der griechische Nationaltrainer die Schuld bei anderen.

Oliver Trust[Basel]

Von Fakten, die auf eine tiefe Freundschaft zwischen Otto Rehhagel und Ottmar Hitzfeld hindeuten, ist wenig bekannt. Ob sich das nach dem Abend ihrer vorerst letzten Begegnung geändert hat, darf bezweifelt werden. Die Laune von Rehhagel war verdorben, obwohl sich Hitzfeld Mühe gab, ein guter Gastgeber zu sein. So wartete der ehemalige Bayern-Trainer Hitzfeld am Spielfeldrand des St.-Jakob-Parks in Basel im Trenchcoat auf den ehemaligen Bayern-Coach Rehhagel, der im schlabberigen Trainingsanzug herbei eilte.

Der Frust des griechischen Nationaltrainers hatte nur mittelbar mit Ottmar Hitzfeld zu tun. Dessen Schweizer Nationalmannschaft hatte dem Europameister 2004 mit dem 2:0-Erfolg die zweite Niederlage in der Gruppe zwei zugefügt. Nun droht Griechenland zumindest die Relegation oder gar das Aus in der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika.

Rehhagel richtet seinen Zorn auf Schiedsrichter Frank de Bleeckere aus Belgien. „Ein Schiedsrichter soll Spiele leiten, nicht entscheiden“, schnaubte Rehhagel. „Das Spiel war schon in der 40. Minute entschieden.“ Ab diesem Zeitpunkt spielten die Griechen zu zehnt, weil der verwarnte Loukas Vyntra den Stuttgarter Ludovic Magnin am Trikot zog und schubste, worauf ihm Schiedsrichter de Bleeckere Gelb-Rot zeigte. „Wenn man international eine Stunde auf hohem Niveau in Unterzahl spielen muss, hast du keine Chance“, schimpfte Rehhagel, „das ist eine Sauerei hoch drei.“ Der Belgier habe das Spiel verpfiffen, fand auch Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt.

„Die Nati schickt König Otto in Rente“, jubilierte das Schweizer Boulevardblatt „Blick“. Rehhagel ist mittlerweile 71 Jahre alt und seit acht Jahren Griechen-Trainer. Doch das Urteil des „Blick“ erscheint zumindest verfrüht, seit der EM hat er so manche kritische Phase. Die Schweiz führt zwar mit drei Punkten vor Griechenland und Lettland, doch schon am Mittwoch kann sich einiges wieder drehen. Die Schweiz spielt in Lettland und die Griechen in Moldawien. „Wenn wir dort nicht erfolgreich sind, war das nichts wert", warnte Hitzfeld, der seinen Vertrag bis 2012 verlängert hat und seine Karriere in der Schweiz beenden will. Schafft er den Sprung nach Südafrika, wäre das ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere.

Rehhagel lenkte lieber ab: „Wir müssen realistisch sein, es geht jetzt um Platz zwei“. Scheitert er in dieser Gruppe, könnte es tatsächlich eng werden. Dann hilft kaum, dass Rehhagel weitgehend unabhängig von der heimischen Liga agiert, weil dort viel zu wenige eigene Talente eingesetzt werden. In Basel brachte der von ihm eingeleitete Generationswechsel nichts Neues.

Die Griechen mauerten mit drei langen Spielern in der Abwehrkette und einem Mittelfeldbollwerk. Die Schweiz spielte lange Zeit einfallslos, von den Rängen gellten daher Pfiffe der 38 500 Zuschauer. Doch Hitzfeld ging mit Hakan Yakin, Johan Vonlanthen und Eren Derdiyok volles Offensiv-Risiko. Bis zur 83. Minute hatten die Griechen jede Flanke weggeköpft, nun schafften die Schweizer zwei Kopfballtore. Abwehrspieler Stéphane Grichting traf zum 1:0 und Mittelfeldspieler Marco Padalino per Flugkopfball zum 2:0 in der Schlussphase.

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