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Portugal - Brasilien 0:0 : Nur die Sonne lacht

Großer Fußball geht anders, clever war es irgendwie trotzdem: Das 0:0 reicht Brasilien zum Gruppensieg und Portugal zum Einzug ins Achtelfinale. Leidtragender des Ergebnisfußballs von Durban ist die Elfenbeinküste.

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Ronaldo will nicht mehr, Lucio auch nicht.
Ronaldo will nicht mehr, Lucio auch nicht.Foto: dpa

Die warme Wintersonne simulierte einen Nachmittag wie in Rio oder Lissabon, es war so laut wie noch nie bei dieser lauten WM, aber die große Party, auf die 62.172 Zuschauer in Durban gewartet hatten, sie blieb aus. Zwei attraktive Mannschaften garantieren nun mal nicht automatisch attraktiven Fußball. Noch dazu, wenn die Konstellation eine so vertrackte ist wie diese im Fall von Brasilien und Portugal. Den Brasilianern war die Qualifikation fürs Achtelfinale bereits sicher, den Portugiesen nur noch theoretisch zu nehmen, was der Betriebsspannung beider Mannschaften nicht eben förderlich war.

Am Ende neutralisierten sich beide auf hohem Niveau. Das 0:0 verhalf den Brasilianern zum Gruppensieg, der sie am Montag nach Johannesburg führt. Die Portugiesen treten einen Tag später in Kapstadt an.

„Wichtig ist, dass wir kein Tor reinbekommen haben“, befand Brasiliens Kapitän Lucio. Es gab mal eine Zeit, da standen brasilianische Mannschaften für eine andere Auffassung des Spiels. Vielleicht lag es am Fehlen des gesperrten Kaká, der kurz im Kabinengang auftauchte und Cristiano Ronaldo herzte, seinen portugiesischen Klubkollegen von Real Madrid. Ronaldo muss sich bei dieser WM langsam veralbert fühlen, denn obwohl ihm so gut wie gar nichts gelingt, wird er in jedem Spiel vom Weltverband Fifa zum besten Mann des Spiels gewählt. Ein paar Mal schoss er sinnfrei aus 30, 40 Metern aufs Tor, seine Flanken waren unpräzise, seine Dribblings blieben unvollendet. Einmal schnipste er nach einer Spielunterbrechung den Ball kunstvoll hinter dem Standbein zum Brasilianer Michel Bastos, und das war dann auch schon der Gipfel der Kreativität.

Um seinen vielleicht wirkungsvollsten Auftritt wurde Ronaldo durch ein Handspiel des Brasilianers Juan gebracht. Pepe hatte nach erfolgreicher Balleroberung sofort in den Lauf seines Kapitäns gespielt. Man weiß aus Madrid und Manchester, wozu das führen kann, doch Juan streckte den Arm und verhinderte damit, was die verheißungsvollste Chance der Portugiesen hätte werden können. Später sprach Ronaldo vom großen Selbstvertrauen, das seine Mannschaft mitnimmt in die K.-o.-Runde, und man hätte schon gern gewusst, woraus sich dieses Selbstvertrauen speist.

So konfus wie in der ersten Halbzeit gegen Brasilien haben die defensivstarken Portugiesen lange nicht verteidigt. Ricardo Carvalho und Ricardo Costa liefen sich einmal gegenseitig über den Haufen, ein weiteres Missverständnis der beiden hätte beinahe das 0:1 heraufbeschworen. Nach Maicons Eingabe verließ sich der eine auf den anderen, am Ende kam der Ball zum Brasilianer Nilmar, dessen Schlenzer Torhüter Eduardo mit einer großartigen Reaktion noch an den Pfosten lenkte. Kurz danach flankte Maicon noch einmal von rechts, und Luis Fabiano setzte den Ball mit dem Kopf knapp neben das Tor.

Trainer Carlos Queiroz sprach dennoch von einem guten Spiel, „in der zweiten Halbzeit haben wir die Ärmel hochgekrempelt und uns gesteigert“. Es war eines der erfolglosen Ronaldo-Dribblings, das den Portugiesen die Chance zur Führung ermöglichte. Lucio spitzelte ihm den Ball grätschend vom Fuß, allerdings genau auf den von Raul Meireles, der fünf Meter vor dem Tor nur um Zentimeter am erfolgreichen Abschluss scheiterte.

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