Qualifikation : Es geht um Leben und WM

Pathetisch fiebern Uruguay und Argentinien dem entscheidenden Spiel entgegen. Wer das Duell der beiden Nachbarn gewinnt, ist für die WM 2010 qualifiziert.

Tobias Käufer[Bogota]

Oscar Washington Tabarez eröffnete den Psycho-Krieg. „Ich möchte, dass alle Uruguayer die Partie gegen Argentinien mitspielen“, sagte der Trainer der uruguayischen Nationalmannschaft vor dem zur „Schlacht am Rio de la Plata“ ausgerufenen Showdown mit dem Nachbarn und großen Bruder. Dann beschloss er seine Rede mit pathetischen Zitaten des im Lande populären Songwriters Jaime Roos. Kein Zweifel: Uruguay setzt im Duell gegen den ewigen Rivalen Argentinien am Mittwoch auf seinen Heimvorteil, während Verbandsfunktionär Sebastian Bauza von einem Fest ganz in den Farben der Gastgeber träumt: „Wir wollen das Stadion in ein himmelblaues Meer verwandeln.“ Damit das klappt, werden vor dem Anpfiff in der 65 000 Zuschauer fassenden Arena in Montevideo Hemden und Flaggen in Landesfarben kostenlos verteilt. Die aufgeheizte Atmosphäre sehen Gesetzeshüter mit gemischten Gefühlen: Alberto Toscanini, Polizeichef der Hauptstadt, erklärte die Partie zum Hochsicherheitsspiel. Und Zitate wie „Es geht um unser Leben“ von Argentiniens Coach Diego Maradona tragen wenig zur Entschärfung der Situation bei. Über seinen in der Heimat in die Kritik geratenen Kontrahenten verlor Tabarez immerhin kein Wort, um die Gäste nicht unnötig zu provozieren: „Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren.“

Klar ist: Wer das Duell der beiden Nachbarn gewinnt, ist für die WM 2010 qualifiziert. Drei Mannschaften kämpfen am letzten Spieltag der südamerikanischen Eliminatoria um den letzten verbliebenen direkten Qualifikationsplatz neben Brasilien, Paraguay und Chile. Argentinien (25 Punkte) reicht wegen der guten Tordifferenz in Uruguay (24) schon ein Unentschieden, Ekuador (23) muss gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Der fünfte Tabellenplatz würde zumindest noch eine Restchance auf die WM durch zwei Play-off-Spiele gegen den Viertplatzierten der Nord- und Mittelamerikagruppe (zurzeit Honduras) mit sich bringen.

Uruguay ist gegen die seit Monaten verunsicherte argentinische Elf keineswegs chancenlos. Mit seinem Star Diego Forlan von Atletico Madrid verfügt der Weltmeister der Jahre 1930 und 1950 über eine Führungsfigur, die alles entscheiden kann. Europas erfolgreichster Torschütze der vergangenen Saison erzielte erst am Wochenende im so wichtigen Spiel in Ekuador in der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer. Und Forlan machte den Argentiniern bereits klar: „Wir lassen uns Südafrika nicht mehr nehmen.“

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