Rinkes Love Letters (1) : Was Angie an Schweini schrieb

Den ersten Brief an Bastian Schweinsteiger schrieb Angela Merkel während der letzten EM. Immer, wenn Deutschland spielt, setzt Merkel-Ghostwriter Moritz Rinke hier die amouröse Briefeserie fort.

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Zwei kommen sich näher. 2008 begann die zarte Romanze zwischen Merkel und Schweinsteiger.
Zwei kommen sich näher. 2008 begann die zarte Romanze zwischen Merkel und Schweinsteiger.Foto: dpa

Lieber Bastian Schweinsteiger,

ich möchte mich noch einmal bedanken für das „Wunder von Basel“ (3:2 für uns!) und für die schönen Stunden auf der Vip-Tribüne gegen Österreich (1:0 für uns!). Ich war ausgesprochen froh, dass Sie gegen Kroatien eine Rote Karte erhalten haben, durch die ja unser Treffen erst möglich geworden ist. Ich habe soeben meinen Sprecher verbreiten lassen, „dass die Bundeskanzlerin“ – also ich!! – „dass die Bundeskanzlerin die offene und frische Art von Herrn Schweinsteiger schätzt“.

Ich möchte aber nun noch persönlich hinzufügen, dass es mich bewegte, wie Sie mir erklärten, was eine Coaching-Zone ist und was sich damals in Cordoba zugetragen hatte. Ich fand es frisch und süß, weil Sie damals doch noch gar nicht geboren waren, und ich lebte in der DDR, im Sozialismus, lernte meinen ersten Mann Ulrich Merkel kennen, er war Physiker, mein zweiter Mann ist auch Physiker, gerade jetzt sitzt er in seinem Arbeitszimmer und forscht, während ich hier ganz alleine auf der Couch Italien – Spanien gucke, der würde überhaupt nicht auf die Idee kommen, mal rüberzukommen, um mir zu erklären, was eine Coaching-Zone ist.

Lieber Herr Schweinsteiger, als Sie dieses wunderbare Tor gegen Portugal geschossen haben, saß mein Mann wieder in seinem Zimmer und forschte! Ich habe Ihr Tor ganz alleine gesehen. Wie ein blonder Blitz bist Du herangestürmt, da ging ein Ruck durch mich, ich sage jetzt einfach „Du“ – lass Du auch in Zukunft „Bundeskanzlerin“ weg –, ich habe festgestellt, dass wir eine offene, frische Art miteinander haben und dass da auf der Vip-Tribüne auch durch Dich ein Ruck gegangen ist.

Lieber Basti, als vor ein paar Tagen George W. Bush etwas zu lang meinen Nacken im Schloss Meseberg streichelte, habe ich nur an das Ernst-Happel-Stadion gedacht, an die Vip-Tribüne, an einen blonden Blitz, der in mein Leben kam. Mein Mann heißt Joachim und hat zwei Eigenschaften, er forscht und er ist eifersüchtig, sonst nichts! Ich weiß, dass Du eine neue Freundin hast, sie heißt Sarah. Ich habe sie mir auf Youtube angesehen, nur so, sie ist Model und blond, kannst Du denn überhaupt mit ihr reden? Du mit einem Model und ich mit einem Physiker – irgendetwas stimmt da nicht … Frauen in Sarahs Alter sind flatterhaft, sie flattern wie ein Ball, es gibt so viele Medienschlampen in der globalisierten Welt, die nur ins Fernsehen wollen und alles dafür tun würden.

Lass uns in Zukunft ein bisschen über die globalisierte Welt reden! Über das Leben. Über die EU. Über die Ehe. Wovon träumst du? Willst Du Kinder? Wie soll eine Welt aussehen, in der unsere Kinder leben können? Ich werde noch lange die Geschicke dieses Landes lenken, sag mir einfach, was du willst.

Kennst Du meine Homepage: www.angela-merkel.de? Wollen wir mal nach Bayreuth? Auf Deiner Homepage www.bastian-schweinsteiger.de schreibt Dir eine Dominique, ob Du sie im Schullandheim Oberaudorf besuchen willst! Kriegst Du so etwas öfters? Willst Du nicht lieber mit zum G-8-Gipfel nach Japan? Oder hau doch einfach einem Türken wieder einen vor’n Latz und dann treffen wir uns zum Finale heimlich im Wiener Prater?

Ich lasse den Prater absperren, Public Viewing, aber nur wir beide und Du erklärst mir wieder, was Sache ist. Und mail mir wegen Japan an meinen Privataccount: angie@freenet.de.

Gute Nacht, ich muss ins Bett, morgen ist diese blöde Haushaltsdebatte.

Moritz Rinke, 42, ist Schriftsteller, Tagesspiegel-Autor und Stürmer der Autoren-Nationalelf. Zuletzt erschien von ihm der Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“.
Moritz Rinke, 42, ist Schriftsteller, Tagesspiegel-Autor und Stürmer der Autoren-Nationalelf. Zuletzt erschien von ihm der Roman...Foto: Joscha Jenneßen

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