Skandaltreffer : Der Handstreich von Paris

Wegen des ungeahndeten Handspiels von Thierry Henry hat der irische Justizminister Dermot Ahern eine Wiederholung des WM-Qualifikationsspiels der Iren gegen Frankreich gefordert. Mit der Aktion hatte Henry das letztlich entscheidende 1:1 der Franzosen vorbereitet.

Henry Foto: AFP
Thierry Henry streichelt den Ball einmal anders. -Foto: AFP

London/DublinWie ein Sieger sah Thierry Henry am Mittwochabend nicht aus. Den Kopf schuldbewusst gesenkt, mit ernstem Blick, sank der Kapitän der französischen Nationalelf nach dem Schlusspfiff auf den Rasen des Stade de France. Neben ihm saß der Ire Richard Dunne. „Ich habe den Ball mit der Hand gespielt. Das habe ich nicht gewollt“, habe ihm Henry gesagt, berichtete Dunne der Zeitung „The Irish Independent“.

Doch es fiel schwer, Henry keine Absicht zu unterstellen, als er in der 103. Minute des Play-off-Rückspiels der WM-Qualifikation im Fünfmeterraum den Ball mit dem linken Unterarm und der Hand kontrollierte. So konnte Henry den Ball noch vor das irische Tor spitzeln, William Gallas köpfte zum 1:1-Ausgleich ein. „Es war ein Handspiel, aber ich bin nicht der Schiedsrichter“, erklärte Henry hinterher. „Der Schiedsrichter hat es nicht gesehen. So ist das eben.“

Dafür hatte es die irische Hintermannschaft gesehen, die wild gestikulierend auf den schwedischen Schiedsrichter Martin Hansson einredete. Hannson beriet sich mit seinem Assistenten, der freie Sicht zu haben schien und zudem eine Abseitsstellung übersah – dann gab er das doppelt regelwidrige Tor der Franzosen. Giovanni Trapattoni, der Trainer der Iren, sagte: „Der Schiedsrichter hätte Henry fragen sollen.“ Nach Abpfiff habe er jedoch zum Schiedsrichter gesagt, dass jeder mal Fehler mache.

Das von der europäischen Presse wahlweise „Skandal“, „Schande“, „Betrug“ oder „Raub“ genannte Tor ist gestern zum Politikum geworden. Dermot Ahern, der irische Justizminister, rief den Weltfußballverband Fifa zur Wiederholung des Spiels auf. Irlands Kotrainer Liam Brady unterstützte Aherns Forderung im Namen der „Würde und Integrität des Fußballs“. Namhafte französische Politiker verteidigten Henry, indem sie ihm keine Absicht unterstellen wollten. Doch nicht nur die Sportministerin kritisierte das unerwartet ängstliche Auftreten der Franzosen, die zu keinem Moment ins Spiel fanden. Henrys Facebook-Seite wurde nach dem Spiel nicht nur von Tausenden wütenden irischen Fans attackiert, sondern auch von vielen enttäuschten französischen Anhängern. Nicht nur der ehemalige Bayern-Profi Bixente Lizarazu hatte ein „katastrophales Spiel“ gesehen. Ihm sei nicht nach feiern zumute, „aus Respekt vor den Iren“.

Auf den Champs-Élysées in Paris und in anderen Städten Frankreichs feierten stattdessen viele Einwanderer die WM-Qualifikation der Algerier im Entscheidungsspiel gegen Ägypten, das 1:0 gewonnen wurde. Dabei kam es zu Ausschreitungen, bei denen 330 Autos in Flammen aufgingen. 140 Randalierer wurden bei Zusammenstößen mit der Polizei festgenommen.

Im Spiel der Franzosen gegen die Iren hatte Giovanni Trapattoni dieselbe Mannschaft wie beim 0:1 im Hinspiel in Dublin auf den Platz geschickt, sie aber diesmal zu beherztem Pressing aufgefordert. Schon in der regulären Spielzeit war für die Iren mehr drin als das 1:0 durch Keane nach einer halben Stunde. „Betrachtet man beide Spiele, hätten wir es verdient, nach Südafrika zu fahren“, sagte Giovanni Trapattoni.

Stattdessen kann nun Henry der erste französische Spieler werden, der an vier Weltmeisterschaften teilnimmt. Unter französischen Fans machte der Ausspruch von der „Hand Gottes“ die Runde. Die ist für Menschen aber eigentlich nicht sichtbar. Man musste am Mittwochabend kein Ire sein, um den Fußball-Gott ungerecht zu finden.

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