Spiel um Platz drei : Kleines Spiel, großes Ziel

Kurz vor dem Spiel um Platz drei scheint die Nationalmannschaft noch ihren Frieden mit diesem Ereignis zu schließen. Vier Stammspieler sind allerdings nicht fit.

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Braver Kurzarbeiter: Stefan Kießling kam bei dieser WM bisher erst einmal zum Einsatz. Foto: dpa
Braver Kurzarbeiter: Stefan Kießling kam bei dieser WM bisher erst einmal zum Einsatz.Foto: dpa

Diagnose: Spiel um Platz drei? Am Freitagmorgen war es ganz schön eng im Ärztezimmer des WM-Quartiers, gleich vier Fußballer holten sich ihre Krankschreibung ab. Lukas Podolski und Philipp Lahm hat die Grippe erwischt, Miroslav Klose zwickt’s nun schon seit Tagen im Rücken. Tim Wiese hat einen entzündeten Schleimbeutel im Knie. Ja, will denn keiner mehr mitspielen am Samstag gegen Uruguay?

„Ich habe mir ehrlich gesagt das Spiel um den dritten Platz früher nie angeguckt“, hatte Philipp Lahm gesagt, bevor ihn die Viren niederstreckten, und da dürften viele seiner müden Kollegen in ihren Hotelzimmern genickt haben. Nach neun Wochen gemeinsamer Reise ist ein akuter Spannungsabfall im WM-Quartier an der Main Road 26 zu beobachten, da muss schon der stets hochprofessionelle Manager Oliver Bierhoff aus dem Hotel treten und betonen, dass „das Turnier noch nicht vorbei ist, das ist wichtig“.

Und weil dieses Spiel um den dritten Platz bei so einer WM in der Tat nicht so ganz unwichtig ist, schließlich würden zwei Niederlagen ganz zum Schluss den Gesamteindruck blöderweise erheblich beeinflussen, wird das Team um Bundestrainer Joachim Löw (der ebenfalls mit Schüttelfrost im Bett liegt) im letzten WM-Spiel auf eine altbekannte Arznei setzen: die Ersatzspieler-Injektion.

Die Frische der deutschen Nationalmannschaft sitzt auf der Bank. Dennis Aogo und auch Serdar Tasci dürfen sich einige Chancen ausrechnen, zumindest im letzten WM-Spiel erstmals ein paar Minuten mitspielen zu dürfen. So war das auch bei der WM 2006, als Mike Hanke wochenlang tatenlos auf der Bank saß, dann aber im Spiel um den dritten Platz zwanzig Minuten mitkickte. Genauso wie Oliver Kahn: Der hatte damals in Stuttgart, beim 3:1 gegen Portugal, seinen ersten Einsatz bei jener WM.

Von einer „Belohnung“ spricht Kotrainer Hansi Flick, von einem „Dankeschön an die Ersatzspieler“ redet Manager Bierhoff. Vielleicht darf Stefan Kießling noch mal ran, nach immerhin 21 Toren in der Liga und nur einem WM-Kurzeinsatz. Vielleicht darf Holger Badstuber, der so heftig kritisierte Außenverteidiger, noch mal das kurzärmelige Trikot anziehen. Ja, vielleicht kommt sogar Jörg Butt zu einem Einsatz, weil der so überraschend loyale Tim Wiese (Bierhoff: „Er hat der Mannschaft als Typ gut getan“) sich ausgerechnet jetzt verletzt hat. Aber auch für Butt wäre es etwas Besonderes; Der Mann saß schon bei der WM 1998 und auch 2002 tapfer wochenlang auf der Ersatzbank der Nationalmannschaft, er ist jetzt 36 Jahre alt. Und es ist davon auszugehen, dass Butt nicht mehr ganz so viele Weltmeisterschaften auf dem Rasen erleben wird. „Auch sein Einsatz ist eine Alternative“, sagt Bierhoff.

Neben dem emotionalen Moment für die Spieler aus der dritten Reihe kommt aber in der Tat auch eine gewisse sportliche Verpflichtung hinzu. Die Ersatzspieler wollen zeigen, dass auch sie „frischen und attraktiven Fußball“ (Bierhoff) zeigen können. Und außerdem ist da ja noch die Geschichte von der WM 2006, die dann auch Philipp Lahm zum Umdenken bewegte: Deutschland war gerade ausgeschieden gegen Italien, müde reiste die Mannschaft nach Stuttgart. Später sah man dann eben jene Fußballer wieder, wie sie lachend aus ihren Zimmern winkten – hinaus zu tausenden Fans, die sich vor dem Hotel versammelt hatten. „Wir haben vor vier Jahren gesehen, wie schön das sein kann“, sagt Lahm. „Wir wollen einen schönen WM-Abschluss haben.“ Und Flick sagte: „Auch das kleine Finale ist ein großes Ziel.“

Nicht jeder will das so stehen lassen. Die Südafrikaner in den Kneipen wittern Geschäftemacherei der nicht mehr ganz so beliebten Fifa („Die wollen doch wieder nur Tickets verkaufen!“), für die Deutschen hingegen ist es längst lästige Routine. Schon zum fünften Mal und damit so oft wie keine andere Nation steht die Nationalmannschaft im Spiel um den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft. Und 1970 trafen sie schon einmal auf Uruguay, bei der WM in Mexiko Stadt war das. Das entscheidende Tor zum 1:0 erzielte damals Wolfgang Overath.

Einmal noch quälen, am Sonntagabend wartet schon der A 380 auf dem Rollfeld des Flughafens von Johannesburg. Mit dem geht es dann heim nach Frankfurt, kurz vor 7 Uhr soll der Flieger aufsetzen. Dass die Spieler während des WM-Finals schon in der Luft sind, findet Bierhoff nicht so schlimm: „Es tut keinem weh, das Spiel nicht zu sehen.“ Dafür schmerzt die Niederlage gegen Spanien noch zu sehr.

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