Südafrika : Je weiter, desto wärmer

Fast 4000 Kilometer muss das deutsche Team allein in der Vorrunde der Fußball-WM-2010 zurücklegen – für die Strapazen entlohnt das milde Klima in Durban und Port Elizabeth.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]
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Mit Durban und Port Elizabeth liegen gleich zwei Spielorte der Gruppe D relativ weit vom Hotel der deutschen Nationalmannschaft im Westen der Landeshauptstadt Pretoria entfernt. Mehr als 3600 Kilometer muss der DFB-Tross insgesamt allein in der Vorrunde zurücklegen.

Zum Auftaktspiel gegen Australien werden Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler nach Durban reisen. Die Hafenstadt am Indischen Ozean ist traditionell die Ferienstadt für die im Landesinneren gelegene Wirtschaftsmetropole Johannesburg, zumal beide Metropolen nur 500 Kilometer oder eine knappe Flugstunde auseinander liegen. Allerdings hat die Innenstadt von Durban viel von ihrem früheren Charme verloren und wirkt heute reichlich heruntergekommen.

Der große Bonus von Durban ist im Winter sein Klima, das einem deutschen Sommer entspricht. Die Temperaturen liegen im Juni und Juli am Tage zumeist um die 25 Grad und fallen nachts selten unter zehn Grad. Das Moses-Mabhida-Stadion ist ein Neubau und gehört zu den spektakulärsten Stadien der WM. Besonders beeindruckend ist ein riesiger Stahlbogen, der das Stadion in bis zu 104 Meter Höhe überspannt und mit einer Zahnradbahn befahrbar ist. Von der anderen Seite des Bogens kann dieser erklettert werden. Das Stadion hat Platz für eine Aschenbahn und ist für eine mögliche Olympiabewerbung Südafrikas ausgelegt.

Der Schauplatz des zweiten Spiels der Deutschen gegen Serbien ist die Kleinstadt Port Elizabeth in der verarmten Provinz Ostkap, etwa 800 Kilometer südwestlich von Johannesburg. Die Region ist noch immer das Zentrum der südafrikanischen Autoindustrie, ein Werk von Volkswagen liegt im 75 Kilometer entfernten Uitenhage. „P. E.“, wie die Stadt im Volksmund heißt, wird wegen des häufigen Windes auch die Windy City genant. Der Ort hat einen gewissen viktorianischen Charme und gilt als ausgesprochen sicher.

Das Nelson-Mandela-Stadion, das an einem kleinen See rund 20 Minuten Busfahrt vom Flughafen entfernt liegt, dominiert wie auch das Stadion in Durban und Kapstadt heute die Skyline des Ortes. Es hat ein Fassungsvermögen von rund 42 000 Zuschauern. Seine Fußballgeneralprobe hat es im letzten Monat mit dem Länderspiel der Südafrikaner gegen Japan (0:0) bestanden. Das Klima in Port Elizabeth ist auch im Winter angenehm, weil der Einfluss der Küste einen starken Abfall der Temperatur verhindert. Sie liegen selten unter 10 Grad, am Tag wird es im Winter oft um die 20 Grad warm.

Das letzte Gruppenspiel gegen Ghana findet in unmittelbarer Nähe des deutschen Quartiers statt – dafür werden die Außenbedingungen in Johannesburg nicht so angenehm sein wie in den weiter entfernten Spielorten. Johannesburg ist Südafrikas Wirtschafts- und Finanzmetropole. Sie hat wegen ihrer hohen Kriminalität einen schlechten Ruf, doch sollte man das Hauptflugkreuz Afrikas nicht auf seine Verbrechen reduzieren, wie dies oft getan wird. In Johannesburg und der Provinz Gauteng, in der es liegt, werden heute fast 40 Prozent des Sozialprodukts von Südafrika erwirtschaftet und zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Afrikas erzielt. Während der Flughafen ausgezeichnet modernisiert wurde, wird die Schnellstrecke zwischen dem Airport und dem neuen Stadtzentrum Sandton bis zur Weltmeistschaft aber vermutlich doch nicht fertig.

Johannesburg hat im Winter am Tage fast durchweg herrlichen Sonnenschein mit Temperaturen um 20 Grad. Allerdings spielt die deutsche Mannschaft erst um 20.30 Uhr gegen Ghana – zu dieser Zeit fällt das Thermometer in Johannesburg nicht selten bis auf den Gefrierpunkt ab. Zudem wird es im Winter in dieser Region bereits gegen 17 Uhr dunkel.

Das Soccer-City-Stadium, in dem das Spiel zwischen Deutschland und Ghana ausgetragen wird, ist das Herz des südafrikanischen Fußballs und beherbergt auch die Zentrale des Fußballverbands Safa. Die gigantische Arena, die derzeit als letzte noch immer umgebaut wird, fasst beinahe 96 000 Fans, und liegt in der bekannten schwarzen Townships von Soweto, die 1976 durch die Schülerunruhen Berühmtheit erlangten.

Ein zweites WM-Stadion wurde nur leicht umgebaut und bietet rund 62 000 Zuschauern Platz. Die Arena mit dem Namen Ellis-Park liegt nahe der alten Johannesburger City, in die man nicht alleine gehen sollte.

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