Tischfußballweltmeisterin Lilly Andres : "Torwarttore zählen nicht doppelt"

Lilly Andres hat der Nationalelf etwas voraus: den Weltmeistertitel. Und zwar im Tischfußball. Dabei kam die 26-jährige Berlinerin eher zufällig zu ihrem Hobby.

Lilly Andres, 26, aus Berlin kam zufällig zum Tischfußball. Nun ist sie Weltmeisterin. Foto: dpa
Lilly Andres, 26, aus Berlin kam zufällig zum Tischfußball. Nun ist sie Weltmeisterin.Foto: dpa

11FREUNDE: Frau Andres, sagen Sie uns doch mal, wie man Weltmeister wird.

LILLY ANDRES: Da kann man so pauschal gar keine Anweisung geben. Wichtig ist, dass man ehrgeizig bleibt und weiter an sich arbeitet. Aber es gibt keinen Masterplan, das sieht man an meiner Geschichte.

11FREUNDE: Wieso?

LILLY ANDRES: Ich bin in den Tischfußball mehr oder weniger hineingewachsen. Als ich das erste Mal in meinem Leben am Tisch stand, war das reiner Zufall. Ich war vor sechs Jahren mit ein paar Freunden in einem Jugendzentrum in Mainz, und wir wussten nicht so recht, was wir mit dem Abend anfangen sollten.

11FREUNDE: Und dann stand dort ein Kickertisch.

LILLY ANDRES: Ja. Meine Freunde wollten unbedingt spielen, aber ich nicht. Ich habe Tischfußball zu dieser Zeit gehasst. Das war absolut nichts für mich. Letztendlich wurde ich dann überredet mitzuspielen. Was soll ich sagen: Es hat dann doch irgendwie Spaß gemacht

11FREUNDE: Wie ging es dann weiter?

LILLY ANDRES: Schon in den nächsten Tagen bin ich immer in die Kneipe gerannt und habe an meiner Technik gearbeitet. Manchmal stand ich auch allein da. Zu dieser Zeit hatte ich immer einen besonderen Schuss drauf: Ich hab den Ball von links über den Platz in die rechte Ecke geschossen. Daraus entstand mein Spitzname.

11FREUNDE: Welcher?

LILLY ANDRES: Long-shot-Lilly. Jemand bemerkte meinen Stil und erinnerte sich an einen Film aus den Siebzigern, in dem dieser Schuss „long shot“ genannt wurde.

11FREUNDE: So trieben Sie Ihre Gegner zur Weißglut.

LILLY ANDRES: Der Sprung von der Kneipe zum Verein war dann relativ schnell logisch. Es machte dann auch gar keinen Spaß mehr, weil ich für die Hobbyspieler irgendwann zu gut war. Und für die Gegner war das auch nicht schön.

11FREUNDE: Wie wurden Sie Nationalspielerin?

LILLY ANDRES: Ein Bekannter hat mich zu einem internationalen Turnier mitgenommen. Kurz danach erhielt ich eine Einladung vom Bundestrainer – ohne vorher zu wissen, dass es eine Nationalmannschaft gab.

11FREUNDE: Und nun sind Sie Weltmeisterin.

LILLY ANDRES: So kann es gehen. Man muss dazu sagen, dass es in Deutschland eine gute Basis für den Tischfußball gibt. Im Damen- und Seniorenbereich gehören wir seit Jahren zur Weltspitze.

11FREUNDE: Zum Abschluss noch die üblichen Fragen: Zählen Torwarttore doppelt, und was tun, wenn der Ball stecken bleibt?

LILLY ANDRES: Also: Torwarttore zählen nicht doppelt. Wenn der Ball in einer Hälfte stehen bleibt, wird er von der jeweiligen Ecke eingerollt. Bleibt er in der Mitte stecken, dann bekommt derjenige einen Anstoß, der zuvor angestoßen hatte.

11FREUNDE: Und bei einer Zu-null-Niederlage krabbelt das Verliererteam unter den Tisch, oder?

LILLY ANDRES: Zu-null-Spiele kommen bei den Profis selten vor. Aber ich fände es witzig, wenn man das bei uns machen würde.

Das Gespräch führte Ron Ulrich.

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