UNSERE Experten : Hasenohren auf der Fanmeile

11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster verzichtet gerne auf den Blick in die eigene Fankurve und Grüße aus der Heimat.

11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster.
11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster.Foto: Tsp

Mit Verlaub: Vielleicht sollte man den deutschen Fernsehmachern mal einen Tipp geben. Nämlich den, dass es, wenn ein Spiel von der Weltmeisterschaft übertragen wird, völlig ausreicht, die Partie selbst, ein paar knackige Interviews und ausgesuchte atmosphärische Bilder aus dem Stadion zu zeigen. Und dass es überhaupt nicht notwendig ist, anschließend auch noch auf einen deutschen Marktplatz in Pirmasens, Emden oder Gütersloh zu schalten, um aller Welt zu zeigen, dass auch in der Heimat das Fußballfieber ausgebrochen ist.

Bisher aber halten ARD, ZDF und RTL aus rätselhaften Gründen den Blick in die deutschen Fankurven für unverzichtbar. Was, wenn die äußeren Umstände ungünstig sind, auch mal ein wenig peinlich geraten kann. Zum Beispiel am Freitag auf dem Fanfest am Berliner Olympiastadion, wo sich auf dem riesigen Areal gefühlte 500 Zuschauer verloren, die nach dem Eröffnungsspiel auch noch mühsam von der Haupt- zur Nebenbühne gelotst werden mussten, weil dort der bemitleidenswerte RTL-Moderator Günther Jauch und sein tapferer Assistent Jürgen Klopp gut gelaunte WM-Stimmung verbreiten mussten. Allzu ausgiebige Schwenks über die nicht anwesenden Zuschauermassen verkniff sich die Senderegie dann auch wohlweislich. Dafür wurden die ungefähr 15 vorhandenen Südafrikaner von etwa ebenso vielen Kamerateams verschiedener Sender unerbittlich umkreist und genötigt, jetzt doch mal besonders fröhlich in die Vuvuzela zu tröten. Und noch mal. Einmal noch. Immer und immer wieder. Das war für alle Beteiligten kein Spaß.

Es ist kaum vorstellbar, aber noch unschöner wird es, wenn die Korrespondenten der übertragenden Anstalten sich von randvollen Events melden müssen. Dann stehen diese Männer nämlich wie Ritter von der traurigen Gestalt mitten auf der Meile und werden von etwa dreitausend volltrunkenen Schlachtenbummlern mit schwarz-rot-goldenen Perücken und kurz vorher an der Tankstelle erworbenen Deutschlandtrikots belagert. Kein Entrinnen. Kaum ist der Korrespondent tatsächlich auf Sendung, hebt ein so durchdringendes Gegrunze und Geröhre der umstehenden Anhänger an, als habe im Tierpark Friedrichsfelde soeben die Fütterung begonnen. Auch die obligatorische Umfrage, wie das Spiel denn so gewesen sei, fördert Erschreckendes zutage: 70 Prozent der Befragten kennen nicht einmal den Gegner, der Rest glaubt, David Odonkor spiele noch mit. Und am Ende kann der Fernsehmann froh sein, wenn ihm nicht auch noch das Mikrofon entrissen wird oder ihm Spaßvögel Hasenohren machen.

Zurück in die Funkhäuser.

Philipp Köster ist Chefredakteur des Magazins „11 Freunde“. Hier kommentiert er im Wechsel mit Marcel Reif, Arnd Zeigler, Michael Oenning und Fredi Bobic die WM.

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