UNSERE Experten : Nur mit Löw kann man den Weg gehen

Der Blick geht nach vorn. Drei Tage nach der Halbfinalniederlage ist die große Enttäuschung der Anerkennung über die Leistung der deutschen Elf gewichen. Die deutsche Mannschaft hat Zukunft, sie hat mit ihrer Spielweise in der ganzen Welt für Aufsehen gesorgt. Sie ist in einer Situation wie Spanien 2004. Damals bahnte sich mit den Erfolgen der Jugendteams für die Iberer eine „goldene Generation“ an. Das, was sie damals säten, ernten sie jetzt.

Diese Entwicklung ist bei uns auch möglich. Die U 17-, U 19- und U 21-Mannschaften haben in den letzten Jahren Titel gewonnen. Ich schätze, dass deswegen in den nächsten Jahren noch einige weitere Talente den Sprung in die Nationalmannschaft, die jetzt schon einen guten Stamm hat, schaffen. Spieler wie Dennis Aogo, Gonzalo Castro, Mats Hummels oder Benedikt Höwedes haben bereits auf sich aufmerksam gemacht. Ihnen traue ich zu, in den kommenden Jahren eine gute Rolle zu spielen. Die gute Jugendarbeit des DFB wird Früchte tragen, so wie es auch bei den Spaniern der Fall war.

Doch nicht nur bei der Fülle der Ausnahmespieler sind uns die Spanier noch einen Tick voraus. Sie sind eingespielt, kontrollieren den Gegner und beherrschen das Gegenpressing. Alle Spieler arbeiten bei Ballverlust mit, selbst Stürmer Villa macht unglaubliche Wege. Diese Spielweise erfordert ein hohes Maß an Spielverständnis und Laufbereitschaft bei allen Akteuren. Dies trägt dazu bei, dass die Spanier so wenig Chancen zulassen. Sie haben erst ein Gegentor kassiert – das spricht für sich. Für mich sind sie am Sonntag Favorit und mit ihrer Spielweise auch Musterbeispiel für alle anderen Teams.

Spielerisch haben die Deutschen auch überzeugt, aber es fehlte noch eine gewisse Abgebrühtheit. Vielleicht war der Erwartungsdruck in diesem Halbfinale auch etwas hoch. Doch: Deutschland kann Spaniens Weg gehen, davon bin ich überzeugt. Aus diesem Turnier werden die deutschen Spieler enorm viel mitnehmen. Es wird jetzt darum gehen, die jungen Spieler noch weiter zu entwickeln und bei den nächsten Turnieren einen Kader an den Start zu bringen, der in der Breite noch mehr Qualität aufweist. Auch, um Ausfälle wie den von Thomas Müller besser aufzufangen.

Meiner Meinung nach kann dieser Weg nur unter der Leitung von Jogi Löw beschritten werden, er ist der unumstrittene Leiter dieses Projekts. Er kennt die Spieler und hat ein klares Konzept vor Augen.

Soweit der Blick in die Zukunft. Heute sollten die Jungs erst einmal ihren guten Auftritt bei der WM in Südafrika mit dem dritten Platz abrunden. Dann kann man sich auf die Spuren von Spanien begeben.

Fredi Bobic spielte 37mal für die deutsche Nationalelf. Hier kommentiert er im Wechsel mit Marcel Reif, Arnd Zeigler, Philipp Köster und Michael Oenning die WM.

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