VfB Stuttgart : Lehmanns Endlosschleife

Lehmann als neuer Matthäus? Michael Rosentritt versteht die Stuttgarter Personalplanung nicht.

Michael Rosentritt

Durchaus möglich, dass der VfB Stuttgart bei der WM 2010 vier oder fünf deutsche Nationalspieler stellt. Gomez, Hitzlsperger und Tasci sind es schon heute. Der VfB ist bekanntermaßen führend in Sachen Nachwuchsarbeit, den Tor hütenden Nachwuchs ausgenommen. Auf der neuralgischsten aller Positionen im Fußball hat der VfB keine Idee. Die, die sie haben, ist 39 Jahre alt. Jetzt haben beide den Vertrag verlängert. Wo ist da der Plan?

Es gab im deutschen Fußball schon mal einen ähnlich Fall. Der damalige Verlegenheitsteamchef Erich Ribbeck hatte für die EM 2000 auch nur einen Plan: Lothar Matthäus. Dieser war damals 39 Jahre alt und ließ gerade seine Karriere bei den New York MetroStars austrudeln, ehe ihn Ribbeck reanimierte. Ribbeck glaubte, mit Matthäus den deutschen Fußball retten zu können. Das Gegenteil trat ein. Matthäus spielte die Hauptrolle in einem veralteten System mit Libero. Dieser Plan endete im Desaster.

Lehmann kann noch halten – aber was verspricht sich der VfB davon? Dass Lehmann dem Nachwuchs den Platz warmhält, bis er sich zum Nachfolger entwickelt hat? Wer nicht spielt, kann sich nicht entwickeln. Der FC Bayern weiß das, ist aber nach Oliver Kahn ebenso verfahren. Das ist ein Risiko, aber eines, das kleiner wird. Dass Lehmann jetzt sogar noch auf das deutsche WM-Tor schielt, zeigt die ganze Tragik. Joachim Löw hatte Lehmann nach der EM 2008 zum Abschied überredet, da er sonst Lehmanns Karriere in der Nationalmannschaft für beendet erklärt hätte. Beim VfB Stuttgart traut sich das anscheinend niemand.

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