Web-Tipps : Die Fußball-WM im Internet

Unzählige Webseiten, Feeds und Tweets melden sogar, wenn in Südafrika ein Sack mit Trainingsbällen umfällt. Achim Fehrenbach hat sich durch den World Wide Wust gekämpft - und präsentiert das wirklich Wichtige.

von
Oliver Bierhoff "daddelt" mit. Foto: dpa
Oliver Bierhoff "daddelt" mit.Foto: dpa

Eine Lichtgestalt braucht kein Internet. "Mein Assistent schaut andauernd in seinen Blackberry, um E-Mails zu lesen", klagte Franz Beckenbauer unlängst in einem Tagesspiegel-Interview. "Wir waren in Moskau und in Abu Dhabi, aber er hat fast gar nichts gesehen. Vom Flughafen bis in die Innenstadt schaut er pausenlos auf sein Gerät, Nachrichten checken. Ich schaue zur selben Zeit aufs Meer hinaus, entspanne mich, meine Gedanken fließen. Was bitte schön ist wichtiger? Wozu brauche ich diese ganzen Informationen? Was soll ich mit denen machen?"

Hier zeigt sich einmal mehr, wie souverän der Kaiser mit den Irrungen und Wirrungen des modernen Lebens umgeht. Wie schön wäre es doch, ein ähnlich entspanntes Verhältnis zu Neuen Medien zu pflegen wie der Franz! Doch leider haben wir als Normalsterbliche nicht immer ein Meer parat, auf das wir blicken können. Stattdessen beschleicht uns bisweilen das ungute Gefühl, in den Informationsfluten unterzugehen, besonders vor der Fußball-WM! Unzählige Webseiten, Feeds und Tweets informieren uns selbst dann noch, wenn in Südafrika ein Sack mit Trainingsbällen umfällt. Wer sich über das Sportereignis des Jahres im Internet informieren will, muss also zunächst zwischen Wichtigem und Unwichtigem trennen. Tagesspiegel Online hat sich durch den World Wide Wust und unzählige Handy-Apps gekämpft - hier unsere Tipps.

"Deutschland ist der Top-Favorit bei dieser Weltmeisterschaft - neben Spanien und einer afrikanischen Mannschaft." (Berti Vogts)

Wir kennen sie, diese Fußballexperten, die ihre Prophezeiungen raunend in die Runde werfen, sich aber immer ein Hintertürchen offen halten, ganz nach dem Motto: "Ich habe immer gesagt, dass Swasiland zum erweiterten Favoritenkreis gehört." In Tippspielrunden allerdings ist Schluss mit der Schwammigkeit: Hier heißt es wagemutig sein! Wer auch mal gegen die Mainstream-Meinung tippt, ergattert vielleicht die entscheidenden Zusatzpunkte. Zur WM buhlt eine ganze Reihe von Online-Tippspielen um die Gunst der Fußballfans, eines der besten ist tippkick.de: Der Spielleiter kann die Punkteregeln selbst festlegen, zusätzliche Tippfragen definieren ("Wer erreicht das Halbfinale?") und Erinnerungsmails verschicken. Einziger Nachteil: Die Navigation ist etwas unübersichtlich. Ligaexperte.de ("Von Fans für Fans") hat nicht ganz so viele Funktionen wie kicktipp.de, punktet aber mit einem aufgeräumten Layout und einem öffentlichen Forum. Tippspielarena.de bietet unter anderem eine Mobile-Version für unterwegs und einen Live-Chat, allerdings ist die Tippabgabe etwas umständlich, weil man für jede Partie eine neue Seite aufrufen muss. Tippen können Fußballfans auch auf wmprophet.de. Die Besonderheit: Alle 64 WM-Partien werden auf einer Seite zum Durchscrollen angezeigt. In der Rubrik "Trends" von wmprophet.de ist übrigens die Gesamtprognose aller Tippspiel-Teilnehmer einsehbar. Deutschland wird - wen wundert's - Weltmeister.

"Im Sommer könnte es eng werden. Deswegen konnten wir nichts planen. Sportlich gesehen werde ich alles geben, dass ich im Sommer keinen Termin wahrnehmen kann." (Nationalspieler Thomas Müller heiratet lieber im Winter)

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit - und dann kommt auch noch eine WM vorbei! An jeder Ecke lauern Public Viewings - den richtigen Ort zu finden, fällt da nicht leicht. Wer gar ein Private Viewing in den eigenen vier Wänden plant, steht vor einer großen logistischen Herausforderung: Wie viel Bier muss kaltgestellt werden? Wie viele Grillwürste braucht es? Mit dem WM-Planer von Doodle behält man zumindest die Gästeschar im Auge. Per Mausklick lassen sich die wichtigsten TV-Termine in Tabellenform zusammenstellen. Freunde und Bekannte erhalten einen Einladungslink und kreuzen an, zu welchen Terminen sie Zeit haben. Doodle verzichtet auf überflüssigen Schnickschnack - nicht einmal registrieren muss man sich. Kaum weniger beeindruckend ist der kreisrunde WM-Planer der spanischen Sportzeitung Marca: Hier haben Sie alle Mannschaften, Spieltage und Austragungsorte auf einen Blick. Die besten Public-Viewing-Orte Berlins finden Sie übrigens hier in unserem WM-Dossier, eine deutschlandweite Liste führt meinestadt.de.

"Ich hatte plötzlich zig Handyverträge, mit denen andere Leute telefoniert haben. Ich war einfach zu offen." (Ailton)

Stürmerlegende Ailton hätte es wissen müssen: Ein Handy reicht locker, wenn man es nur richtig nutzt. Bestes Beispiel: Die gemeinsame iPhone-App von Tagesspiegel und 11Freunde, mit der Sie während der WM rundum informiert und unterhalten werden. Die App bietet den beliebten 11Freunde-Ticker, Berichte von Tagesspiegel-Reportern, Fotostrecken, einen WM-Friseur und vieles mehr. Eine App, die Ailton sicher auch gefallen würde, ist "Vuvuzela World Cup": Das iPhone-Programm ahmt das penetrante Röhren der südafrikanischen Plastiktrompete täuschend echt nach - man muss dafür nur kräftig ins Mikro pusten. Auch das "WorldCupKit" beherrscht den Vuvuzela-Trötenton - und dazu noch 20 weitere Krachmacher. Wer lieber Schiri spielt, ist bei der "Platzhirsch"-App gut aufgehoben:, die Gelbe und Rote Karten mit einer durchdringenden Trillerpfeife kombiniert. Für ruhige Momente ist das "Pocket Quiz: Fußball" gedacht, das Fußball-Experten mit 150 Fragen auf die Probe stellt. Im Vergleich zu den zahllosen iPhone-Apps wirkt das WM-Angebot für Googles Handy-Betriebssystem Android bescheiden. Gute Android-Apps sind beispielsweise "FotMob 5.0", "Enjoy Weltmeisterschaft" und "World Cup - With Forum".

"Ich mache das nicht, ich werde nicht verrückt." (Uli Hoeneß über das Internet)

Vielleicht sollte Uli Hoeneß einmal nach "Wurstfabrik" googeln ... wer weiß, wie er danach über das Internet dächte? Für den Durchschnitts-Netznutzer und Fußballfan ist die hoeneß'sche Boykotthaltung jedenfalls kaum nachvollziehbar. Nehmen wir nur das Beispiel Youtube: Hier kann man sich die schönsten Tore von Anno Dunnemals zu Gemüte führen, auch von der WM 2010 wird es wieder abertausende von Mitschnitten geben. Oder den Dienst Google Earth: Mit ihm kann man auch ohne Flugticket in Südafrika landen und die WM-Schauplätze in 3D bewundern. Der Dienst Google Street View mag hierzulande etwas verpönt sein, in Südafrika sind Google-Mitarbeiter die Stadien mit dem Trike abgefahren. Fehlt eigentlich nur noch, dass der Internetgigant den künftigen Fußball-Weltmeister anhand der Suchanfragen prognostiziert - bei Lena hat das schließlich auch geklappt.

"Vor der Playstation ist mehr Stimmung." (WM 2002: Bernd Schneider nach dem deutschen 8:0 gegen Saudi-Arabien zur Atmosphäre im Sapporo Dome)

Dass Nationalspieler wie Schweinsteiger oder Podolski im Trainingslager bisweilen dem Konsolenspiel frönen, ist hinlänglich bekannt. Dem stets fürsorglichen Jogi Löw kann es nur recht sein, wenn seine Mannschaft dem südafrikanischen Lagerkoller entrinnt. Im fernen Deutschland überbrückt so mancher Fan die Pausen zwischen den TV-Übertragungen mit Gedaddel - kostenlose Fußball-Games gibt es im Internet zuhauf. Gerade hat die Firma Electronic Arts ihre Fußball-Simulation "Fifa Online" veröffentlicht: Als Spieler kann man sein eigenes Team zusammenstellen und online gegen Freunde antreten - das Programm benötigt 1,1 Gigabyte freien Speicherplatz. Auf Facebook ist Electronic Arts mit der Management-Simulation "Fifa Superstars" vertreten, eine Alternative ist das ebenfalls kostenlose Browsergame "11 x 11". Verpassen Sie vor lauter Spielerei aber bitte nicht die WM!

Weitere Fußballersprüche finden Sie hier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben