Wissen, was Klose fühlt : Innerer Reichsparteitag bei Müller-Hohenstein

Katrin Müller-Hohenstein gerät in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Australien zu stark in Verzückung. Für Miroslav Klose sei sein Tor "ein innerer Reichsparteitag" gewesen, plappert die ZDF-Moderatorin. Und wie reagiert Oliver Kahn?

Andreas Bock
Ups! Müller-Hohenstein, Kahn.
Ups! Müller-Hohenstein, Kahn.Foto: ZDF

Da waren wir auf einmal zu sehr wieder wer. Katrin Müller-Hohenstein geriet ob des Tores von Miroslav Klose so stark in Verzückung, dass sie ihrem Sidekick Oliver Kahn entgegen jubelte: »Und für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.«

Jetzt mal ganz im Ernst. Beim ZDF geriet einst eine Frau in die Kritik, weil sie sich mit dem Gründungsjahr des FC Schalke vertat: Carmen Thomas frohlockte 1973 »Schalke 05« in die Kameras. Immerhin wusste die Frau grob, worum es ging – nämlich Fußball – und hatte damit Katrin Müller-Hohenstein schonmal ein gewisses Basiswissen voraus. Die jedenfalls scheint sich irgendwo am schenkelklopfenden Stammtisch gewähnt haben, nur nicht bei der Live-Übertragung eines WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft.

Kurze Geschichtsstunde: Als Reichsparteitage wurden in den zwanziger und dreißiger Jahren die Zusammenkünfte der NSDAP bezeichnet. Heute dient die Redewendung allenfalls noch als Standardvokabular an der Thor-Steinar-Ladentheke oder in Kneipen mit Namen wie »Zum goldenen Adler« oder »Das eiserne Kreuz«. Was haben wir gelacht. Vielleicht sogar noch hinter den Kulissen von grenzdebilen Volksmusiksendungen. Mit inneren Magenschmerzen sei also die Frage erlaubt: Keine Lust mehr auf Südafrika, Frau Müller-Hohenstein?

Oliver Kahn war's relativ egal, auch das ZDF reagierte zunächst nicht, wohl in der Hoffnung, das gesprochene Live-Wort würde sich in der Flut der Bilder und Tore rasch versenden. Doch Blogger tippten im Netz eifrig mit. So findet sich mittlerweile ein offener Brief ans ZDF auf politicyear.wordpress.com. Dort heißt es unter anderem: »Ich fordere Sie und das ZDF deshalb, auch im Namen aller weiteren international gesinnten Fußball-Zuschauerinnen und Zuschauer auf, sich von diesem Spruch und dem Nationalsozialismus zu distanzieren und klar zu stellen, dass dies eine massiv zu kritisierende Aussage war und diese zurückgenommen wird.«

Immerhin reagierte hernach endlich auch der Sender. Schadenbegrenzung eben. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: »Es war eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause. Wir haben mit Katrin Müller-Hohenstein gesprochen, sie bedauert die Formulierung. Es wird nicht wieder vorkommen.«

Im Eifer dieser Zeilen: Wie zur Hölle fühlt sich so etwas eigentlich an? Ein innerer Reichsparteitag?

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