WM 2010 : DFB-Team in Afrika: Zur Sicherheit nur in Begleitung

Der Überfall angolanischer Guerillakämpfer auf die Nationalmannschaft Togos hat die Sicherheitslage auf dem afrikanischen Kontinent erneut in den Fokus gerückt. Was erwartet die deutschen Nationalspieler bei der WM?

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Berlin - Ach, was war das doch schön im Sommer ’08, als die deutschen Fußballnationalspieler während der Europameisterschaft ihr Quartier am Lago Maggiore im schönen Tessin bezogen hatten. Im Mannschaftshotel fehlte es an nichts, und wenn die Spieler vom Bundestrainer mal einen Nachmittag freibekommen hatten, konnten sie mit dem Boot auf den See raus, an dessen Ufer ein paar Stunden im Café sitzen oder sich anderweitig die Zeit vertreiben. Wenn heute in fünf Monaten die Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt (11. Juni bis 11. Juli), wird das wohl nicht gehen. „Wir müssen uns auf eine WM unter anderen Voraussetzungen einstellen“, hat Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, schon vor Wochen gesagt. Das war vor dem Überfall auf Togos Fußballer in Angola.

Der Überfall angolanischer Guerillakämpfer auf den Konvoi der togolesischen Nationalmannschaft hat die Sicherheitslage auf dem afrikanischen Kontinent erneut in den Fokus gerückt – und vor allem alte Befürchtungen wieder zum Leben erweckt: dass ein Land wie Südafrika für eine Massenveranstaltung wie eine Fußballweltmeisterschaft nur bedingt geeignet sei. Dabei ist es, nüchtern betrachtet, in höchstem Maße unredlich, die Situation in der angolanischen Provinz Cabinda mit der in Südafrika gleichzusetzen, so wie es Nationaltorhüter René Adler von Bayer Leverkusen in einer ersten Reaktion getan hat: „Das ist doch krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen.“ Arne Friedrich von Hertha BSC hingegen ist zu einer ganz anderen Einschätzung gekommen: „Natürlich erschrecken einen solche Nachrichten. Aber Südafrika ist schon etwas anderes. Ich mache mir keine Sorgen.“

Dass es während des Turniers Einschränkungen unter anderem bei der Bewegungsfreiheit geben wird, wissen die deutschen Fußballer längst. Südafrika ist das Land mit einer der höchsten Kriminalitätsraten weltweit. „Aufgrund der Sicherheit sind wir auf das Quartier fixiert“, sagt Manager Bierhoff. „Wir werden die Spieler und Betreuer auf das Land vorbereiten, dass dort alles etwas langsamer abläuft, dass man nicht einfach sagen kann: Nehmt mal ein Auto und macht euch einen freien Nachmittag!“ Zudem findet das Turnier im südafrikanischen Winter statt. Gegen fünf am Nachmittag wird es dunkel, da sollte man sich nicht mehr alleine im Freien herumtreiben: Shoppingtouren, Bootsausflüge oder andere individuelle Formen der Freizeitgestaltung werden anders als bei früheren großen Turnieren nicht möglich sein. Auch Familientreffen etwa zum Abendessen außerhalb des Mannschaftsquartiers sind schwierig.

Das hängt auch mit der Lage des Hotels zusammen, das die Deutschen für die Zeit des Turniers ausgewählt haben. Es hat den Vorzug, dass es sehr verkehrsgünstig zwischen den beiden Spielorten Pretoria und Johannesburg liegt – und den Nachteil, dass es sich praktisch mitten im Nichts befindet. Als Bundestrainer Joachim Löw die Anlage im vergangenen Sommer während des Confed-Cups zum ersten Mal inspizierte, musste er noch einige Fantasie aufbringen, um sich den künftigen Trainingsplatz für seine Mannschaft vorzustellen: Alles, was er sah, war eine blühende Wiese mit hüfthohem Gras – und in der Mitte stand eine einsame Telefonzelle.

„Beim DFB ist alles gut organisiert“, sagt Nationalspieler Arne Friedrich. Nichts anderes erwartet er auch während der WM in Südafrika. Bis zu 20 Sicherheitskräfte werden die Mannschaft in den Wochen der Weltmeisterschaft begleiten. Das Hotelgelände ist komplett umzäunt, allerdings wird die Mannschaft das Areal nicht nur zu den Spielen verlassen müssen, sondern auch zum Training. Die Plätze liegen etwa eine Viertelstunde Fahrzeit vom Mannschaftsquartier entfernt, der Platz direkt am Hotel ist nur für Regenerationseinheiten geeignet. Dass die Spieler mit schusssicheren Westen trainieren, ist trotzdem nicht geplant.

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