WM aktuell : Spiele des Tages

Heute fallen die Entscheidungen in Gruppe G und H. Lässt Portugal sich die Qualifikation fürs Achtelfinale noch aus der Hand nehmen? Spanien darf sich gegen Chile keinen Patzer erlauben, und die Schweiz will auch in die nächste Runde.

Der Spanier David Villa verschoss einen Elfmeter gegen Honduras.
Der Spanier David Villa verschoss einen Elfmeter gegen Honduras.Foto: AFP

CHILE - SPANIEN

Gruppe H, Loftus-Versfeld- Stadion, Pretoria, 20:30 Uhr, live bei ZDF und Sky, Schiedsrichter: Marco Rodriguez Moreno (Mexiko)

Riesenhunger, Riesendusel, Riesenvorteil - vieles kann in der Umgangssprache die Dimensionen sprengen. Weniger gebräuchlich, aber offenbar doch real existierend: Riesenrespekt. Den habe der Europameister vor den unbequemen Chilenen, wie der spanische Innenverteidiger Carlos Marchena vor dem Spiel kundtat. Was man mit zwei beherzten Auftritten so alles erreichen kann. Schließlich müssen sich auch die Spanier für ihre Bilanz nicht unbedingt schämen. Von den letzten 50 Länderspielen haben sie nur zwei verloren. Leider war darunter das verpatzte Debüt bei diesem Turnier. Die 0:1-Schlappe gegen die Schweizer Defensivkünstler hat Spuren hinterlassen. Vom Tiki-Taka, jenem blitzschnellen Kombinationsspiel, das die Spanier wie keine zweite europäische Mannschaft beherrschen, haben sie sich natürlich nicht abgewendet. Doch in einen Rausch kombiniert haben sich die Schützlinge von Vicente del Bosque ebenfalls nicht. Zwei Dribblings von David Villa, Riesendribblings könnte man sagen, brachten die Honduraner zu Fall. Gute Nachricht: Spaniens Erfolgsgarant wird auch gegen Chile mit von der Partie sein, seine Watschn gegen Emilio Izaguirre wurde nicht nachträglich bestraft. Doch Vorsicht vor "La Roja" - sie spielt bislang ein Riesenturnier.


SCHWEIZ - HONDURAS

Gruppe H, Free-State-Stadion, Bloemfontein, 20:30 Uhr, live bei RTL und Sky, Schiedsrichter: Hector Walter Baldassi (Argentinien)

"Das Spiel gegen Honduras ist wie ein Champions League-Halbfinale", sagt der Schweizer Trainer Ottmar Hitzfeld. Der Mann muss es wissen: Dort stand er schon vier Mal. Beim Ziel Achtelfinale verweigert sich der ehemalige Mathematiklehrer allen Rechenspielen: "Wir brauchen einen Sieg mit zwei Toren." Wer die Tore machen soll, ist unklar: Im Oktober 2009 schoss die Schweiz zuletzt mehr als einen Treffer, beim 3:0 über Luxemburg. Im Sturm könnte sich Hitzfeld daher entscheiden, Rekordtorschütze Alexander Frei, der seiner Form hinterherschleicht, eine Pause zu gönnen und Blaise Nkufo und Eren Derdiyok aufzubieten. Auch eine Option: der ewige Hakan Yakin als hängende Spitze. Er könnte für ein kreatives Moment sorgen beim bisher laufstärksten WM-Team.

Für Honduras geht es eher um einen anständigen Abschied als um die Minimalchance aufs Achtelfinale. Doch Selbstzerfleischungsmechanismen zeigen sich auch hier. "In den Krieg zieht man mit den besten Soldaten", kritisiert Abwehrspieler Victor Bernadez die Aufstellung von Trainer Rueda. Unwahrscheinlich, dass Bernadez in der dritten Partie endlich ran darf.


PORTUGAL - BRASILIEN

Gruppe G, Moses-Mabhida-Stadion, Durban, 16 Uhr, live bei ARD und Sky, Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)

Es geht um den Gruppensieg - und damit auch darum, in der nächsten Runde den Spaniern aus dem Weg zu gehen, so diese denn ihre Gruppe noch gewinnen. Der Vorspann erscheint verheißungsvoll: 7:0 haben die Portugiesen gegen Nordkorea gesiegt. Wobei auch in diesem Spiel die Null hinten genauso wichtig wie die sieben vorne war. Seit 14 Spielen hat Portugal nun kein Gegentor kassiert, seit 18 nicht mehr verloren. Und neben dem Gruppensieg geht es in diesem Duell der Portugiesen mit ihrer einstigen Kolonie auch stets um viel Prestige, die Animositäten haben auch einen sportgeschichtlichen Hintergrund. Eine ihrer bittersten WM-Pleiten haben die Brasilianer gegen Portugal erlebt: 1966 in England flog der Titelverteidiger durch eine 1:3-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen das Team von Eusebio aus dem Turnier. Dafür nahmen die Brasilianer 2008 in einem Testspiel Portugal mit 6:2 auseinander. "Die Blamage von damals ist unvergessen", sagte der portugiesische Mittelfeldspieler Tiago, der wie schon gegen Nordkorea - wo er zwei Tore schoss - den verletzten Deco ersetzen wird. Nach jenem 6:2 vor zwei Jahren starteten die Brasilianer ebenfalls eine Serie: Der Rekordweltmeister verlor nur eines der folgenden 22 Spiele. "Wir müssen niemandem etwas beweisen", sagte Brasiliens Verteidiger Maicon. "Wir haben schon gezeigt, dass wir eine starke Truppe sind." In diesem Spiel sicher gerne noch einmal.


NORDKOREA - ELFENBEINKÜSTE

Gruppe G, Mbombela-Stadion, Nelspruit, 16 Uhr, live bei Einsfestival und Sky, Schiedsrichter: Alberto Undiano (Spanien)

Hoffentlich sind die 22 Spieler gut instruiert. Vielleicht hat Guy Demel noch einmal seine deutschen Kollegen angerufen, um sich ihre Erfahrungen aus erster Hand schildern zu lassen. Denn: Das Grauen der Hartbandagierten kehrt zurück. Es hört auf den Namen Undiano. Alberto Undiano Mallenco. Miroslav Kloses Liebestöter möchte seine Kartenstatistik bei dieser WM weiter ausbauen. Vielleicht werden die Farbenspiele des Unparteiischen das Interessanteste an dieser Partie, die ansonsten einem seichten sommerlichen Abschiedskonzert gleichen könnte. Nordkorea ist raus, die Elfenbeinküste praktisch auch. Die Asiaten immerhin sorgten während ihres zweiwöchigen Turnieraufenthalts für unterhaltsame Geschichten - und hinterlassen mehr Fragezeichen als Erkenntnisse. Getürmte Spieler, chinesische Stimmungssöldner, heimatliche Fernseh-Blackouts? Was stimmte, weiß niemand. Ab morgen interessiert es dann auch keinen mehr.

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