WM-Gegner Serbien : Der ewige Geheimfavorit

Seit Jugoslawiens Zerfall gilt Serbien als guter WM-Tipp. Doch spätestens im Achtelfinale ist stets Schluss. Dejan Stankovic unternimmt nun den dritten Versuch. Mit dem dritten Land.

Fabian Jonas
Dejan Stankovic (l.) jubelt jetzt für Serbien.
Dejan Stankovic (l.) jubelt jetzt für Serbien.Foto: dpa

Als er in der Startelf stand, hatte er seinen Rekord schon sicher. „Ich bin glücklich“, sprach Dejan Stankovic noch vor dem Auftaktspiel Serbien gegen Ghana, „der erste Spieler zu sein, der bei drei Weltmeisterschaften für drei verschiedene Mannschaften aufgelaufen ist.“ Was man eben so sagt, wenn einem Außergewöhnliches gelungen ist. Hinterher war der Mann von Inter Mailand, Spielmacher und Kapitän seiner Auswahl, weniger glücklich. Ghana gewann das Spiel 1:0.

Ohnehin ist der Grund für Stankovics internationale Vielseitigkeit trauriger Natur. Er spielte 1998 für Jugoslawien, 2006 für Serbien und Montenegro und nun für Serbien, weil das Land, in dem er 1978 geboren wurde, Anfang der neunziger Jahre im Bürgerkrieg versank und auseinanderbrach. Und mit ihm seine Nationalmannschaft, die damals als beste Landesauswahl aller Zeiten galt.

Doch das Team, das zunächst weiter als Jugoslawien antrat, allerdings nur noch aus Serbien und Montenegro bestand, hatte immer noch eine Vielzahl an Ausnahmekönnern in seinen Reihen. Auch die neue Bundesrepublik Jugoslawien galt bei allen Turnieren, bei denen sie antrat, mindestens als Geheimfavorit. Im entscheidenden Moment fehlte aber immer etwas zum wirklich großen Erfolg. Bei der WM 1998 zog die „Goldene Generation“ um Sinisa Mihajlovic, Dragan Stojkovic und Dejan Savicevic punktgleich mit Deutschland ins Achtelfinale ein, um dort denkbar knapp an den Holländern zu scheitern. Es stand 1:1, als Predrag Mijatovic einen Elfmeter vergab. In der Nachspielzeit schoss Edgar Davids die Niederlande zum 2:1-Sieg. Es war das einzige Spiel, in dem der 20-jährige Stankovic nicht spielte. 2006 spielte er immer. Nachdem man 2002 die WM verpasst hatte, war Serbien und Montenegro, wie die Mannschaft nun offiziell hieß, vor dem Turnier in Deutschland erneut in aller Munde. Unumstrittener Star des Teams: Dejan Stankovic. Zehn Qualifikationsspiele ohne Niederlage und mit nur einem Gegentor sorgten in der Presse, vor allem aber in den eigenen Reihen, für größte Zuversicht. Bilanz nach der Vorrunde: drei Spiele, drei Niederlagen, 2:10 Tore.

Vier Jahre später sieht es ähnlich aus. Wieder gelang die Qualifikation souverän, wieder besitzt Serbien zumindest auf dem Papier eine exzellente Mannschaft. Dejan Stankovic hat gerade mit Inter Mailand das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewonnen, Innenverteidiger Nemanja Vidic verkörpert bei Manchester United seit Jahren Weltklasse, vorne sorgen Marko Pantelic und Milan Jovanovic für Gefahr, dazu kommt eine ganze Reihe von jungen Talenten wie Neven Subotic, Milos Krasic oder Zoran Tosic. Die Mischung stimmt, sollte man meinen, und vor dem Turnier gaben sich die Serben auch gewohnt selbstbewusst. „Wir haben mehrere Militos, die Spiele entscheiden können“, tönte etwa Stankovic in Richtung DFB-Elf und dachte an die entscheidenden Aktionen seines Inter-Kollegen im Champions-League-Finale.

Nach der Niederlage gegen Ghana wären sie heute mit einem einzigen Milito schon hochzufrieden. Trainer Antic räumte offen ein, dass seine Spieler dem Druck nicht gewachsen gewesen seien. Gegen Deutschland muss deswegen ein Sieg her, damit dem Team einmal mehr bleibt als der Titel des ewigen Geheimfavoriten. Und seinem Kapitän mehr als nur ein im Grunde trauriger Rekord.

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