WM-Qualifiaktion : Deutschland schlägt Aserbaidschan 4:0

Die deutsche Nationalelf schlägt Aserbaidschan in der WM-Qualifikationsgruppe locker mit 4:0. Auch Gruppengegner Russland gewann seine Partie gegen Wales

Michael Rosentritt[Hannover]
WM-Qualifikation - Deutschland-Aserbaidschan
Der Jubel des Siegers. Die Deutschen um Michael Ballack feiern.Foto: dpa

Über die Attraktivität eines Gegners wie Aserbaidschan hat halb Hannover in den vergangenen zwei Tagen diskutiert. Tatsächlich kann die Mannschaft aus dem Kaukasus, die von Berti Vogts in die Jetztzeit geholt werden soll, bestenfalls als Exot in der Welt des Fußballs gelten, der gestern Abend lediglich 35.369 Zuschauer in Hannover anlockte. Vielleicht aber lag es auch an den letzten Auftritten der deutschen Mannschaft, die alles andere als Feste des inspirierten Balles waren. Und gestern bedurfte es auch erst noch der zweiten Halbzeit, die das Bild wieder etwas korrigierte. Nach mühevollem Start gewann die deutsche Elf das WM-Qualifikationsspiel mit 4:0 (1:0).

Damit führt Deutschland nach acht von zehn Qualifikationsspielen die Tabelle der Gruppe 4 mit 22 Punkten vor Russland an, dass gestern in Wales 3:1 siegte. Am 10. Oktober kommt es in Moskau zum entscheidenden Duell mit dem Verfolger. Da dürfte eine gute Halbzeit vermutlich nicht reichen.

Eine seltsame Schwermut hatte die Mannschaft in diesem Jahr befallen, die Ergebnisse in der WM-Qualifikation stimmten zwar bislang, doch waren die Auftritte des Vizeeuropameisters weitgehend ereignisfrei. Am kurzfristigen Ausfall Arne Friedrichs, der sich gestern eine Zerrung zugezogen hatte, lag es auch gestern gewiss nicht. Der Berliner wurde vom Schalker Heiko Westermann in der Innenverteidigung neben dem Bremer Per Mertesacker vertreten. Beide gaben ein ordentliches Gespann ab, wobei erwähnt werden sollte, dass der Sturm der Nummer 139 der Weltrangliste sie nicht vor unlösbare Aufgaben stellte. Die Spieler von Vogts taten ihr Bestes, aber zu mehr als ein paar Verlegenheitsangriffen sollte es nicht reichen.

Joachim Löw hatte sich für die jene taktische Grundformation entschieden, mit der sein Team vor vier Tagen gegen Südafrika erfolgreich war. Also für ein Fünfermittelfeld mit dem Bremer Mesut Özil auf der freien Spielmacherposition hinter der einzigen Sturmspitze Mario Gomez (FC Bayern). Die deutsche Elf begann mit viel Biss und Power. In den ersten zehn Minuten erspielte sie sich drei gute Tormöglichkeiten, die allesamt nicht genutzt wurden. Nach knapp einer Viertelstunde kam nach schönem Steilanspiel von Gomez der Kölner Lukas Podolski im Strafraum der Gäste zu Fall, was einen Strafstoß nach sich zog. Michael Ballack verwandelte sicher. Für den Kapitän war der 42. Treffer in seinem 95. Länderspiel. Von der Anzahl der Länderspiele zog der 32-Jährige mit Sepp Maier und Karl-Heinz Rummenigge gleich.

Doch nach etwa zwanzig Minuten schenkten die Deutschen ihre Dominanz her. Gegen Mitte der ersten Halbzeit erinnerte ihr wenig zwingendes Spiel immer mehr an jenes vor vier Wochen, als sie in Baku beim 2:0-Erfolg erstaunliche Mühe hatte. Auch Özil, der am vergangenen Samstag durch seine gespielte Inspiration noch die halbe Nation beglückt hatte, verschwand gegen Ende der ersten Halbzeit im Sog des faden Spiels der Löw-Elf. Lautstarkes Pfeifen von den Rängen begleitete die deutsche Mannschaft in die Kabine.

Mit Beginn der zweiten Hälfte kam der Münchner Miroslav Klose für Gomez und Andreas Beck (Hoffenheim) für den Wolfsburger Marcel Schäfer ins Spiel. Somit rückte Philipp Lahm (FC Bayern) von der rechten auf die linke Position in der Abwehrkette, was dem Spiel der Deutschen insgesamt neuen Schwung verlieh, zumal Aserbaidschans Kapitän Abbasow auch noch die Gelb-Rote Karte sah. Nur fünf Minuten später produzierten die beiden Schwungverursacher das 2:0. Lahm, der auf der rechten Seite einfach wirkungsvoller ist, bediente Klose. Wiederum zehn Minuten später verwertete erneut Klose eine Hereingabe von Beck zum 3:0. Es waren in seinem 91. Auswahleinsatz die Länderspieltore 46 und 47 für Klose, der in der Ahnengalerie großer deutscher Stürmer Rudi Völler und Jürgen Klinsmann eingeholt hat.

Nach gut einer Stunde hatten die Deutschen sich selbst und damit auch den Gegner im Griff. Ballack, Beck und Klose gelangen ein paar schöne Kombinationen, eine davon verwertete Podolski zum 4:0. Das Spiel war gelaufen, und die Mannschaft machte sich daran, ihr Standing beim Publikum zurückzuerobern. Dabei spielt nämlich nur eine untergeordnete Rolle, wie der Gegner heißt.

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