WM-Qualifikation : Holland - die Ersten am Kap

Hollands Fußballer haben sich mit Bondscoach Bert van Marwijk bereits für die Fußball-WM 2010 qualifiziert - als erstes europäisches Team.

Wenn das in diesem Tempo weitergeht, wird die holländische Fußball-Nationalmannschaft bald Probleme mit ihren Zielen bekommen. Anfang der vergangenen Woche hieß es noch, die Holländer wollten bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr das Halbfinale erreichen; nur ein paar Tage später wurde das Ziel noch einmal modifiziert. Jetzt soll es in Südafrika mindestens das Finale sein. Eine wichtige Voraussetzung haben die Holländer an diesem Wochenende erfüllt, um dieser Vorgabe gerecht werden zu können: Als erstes europäisches Land haben sie sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Sicher dabei sind außerdem Australien, Japan und Südkorea.

Schon zwei Spieltage vor Schluss haben sich die Holländer Platz eins in ihrer Qualifikationsgruppe gesichert. Das 2:1 in Island war im sechsten Spiel der sechste Sieg. Der frühere Hamburger Nigel de Jong und Mark van Bommel vom FC Bayern München hatten die Mannschaft von Bondscoach Bert van Marwijk in der ersten Halbzeit 2:0 in Führung gebracht. Bei einer etwas konzentrierteren Chancenverwertung wäre jedoch ein weitaus höherer Erfolg möglich gewesen. „Eigentlich hätten wir vor der Pause fünf oder sechs Tore schießen müssen“, sagte van Marwijk, der die Elftal nach der Europameisterschaft 2008 übernommen hat. „Aber wenn eine Mannschaft sechsmal hintereinander gewinnt, hat sie ein Kompliment verdient.“ Die erfolgreiche Qualifikation wurde noch in der Kabine mit reichlich Champagner begossen, später feierte die Mannschaft in einer Bar in Reykjavik. Als die Spieler am nächsten Morgen ins Flugzeug stiegen, waren die Augen bei einigen doch erstaunlich klein.

Aber solche Ausschweifungen hatten sie sich verdient: Die Bilanz der Mannschaft ist in der Tat beeindruckend. Gerade zwei Gegentore haben die Holländer in den sechs Qualifikationsspielen hinnehmen müssen. „Wir können stolz auf uns sein“, sagte Kapitän Giovanni van Bronckhorst. Der 34-Jährige stammt noch aus einer anderen Zeit, in der die Holländer stets mit großen Erwartungen zu den Turnieren fuhren, den eigenen Ansprüchen aber nur selten gerecht werden konnten. Das war auch bei der Europameisterschaft vor einem Jahr so. Nach einer berauschenden Vorrunde mit drei Siegen scheiterte die Mannschaft im Viertelfinale an Russland. Das soll den Holländern bei der Weltmeisterschaft nicht passieren.

Van Marwijk, der zwischen 2004 und 2006 als Trainer von Borussia Dortmund in der Bundesliga gearbeitet hat, steht für eine etwas nüchternere Herangehensweise als sein Vorgänger. Marco van Basten hat sich immer als so etwas wie der Sachwalter des typischen holländischen Offensivstils verstanden. Ihm ging es immer auch um schönen Fußball, van Marwijk legt mehr Wert auf Erfolge: „Vom ersten Tag an habe ich den Spielern gesagt, dass es nicht darum geht, ein paar schöne Spiele abzuliefern. Ich habe ihnen immer gesagt: Wir haben eine Mission. Letztlich geht es nur um ein einziges Ziel: Weltmeister zu werden.“

Das trifft sich mit der Erwartung des holländischen Fußballverbandes KNVB. „Mit dieser Mannschaft müssen wir in Südafrika eine wichtige Rolle spielen“, sagt Henk Kessler, der Direktor des KNVB. „Wir haben ein echtes Team, das aber auch guten Fußball gespielt hat.“ In der Geschichte des holländischen Fußballs ist das noch nicht allzu oft vorgekommen. Tsp/dpa

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