WM-Qualifikation : Löw verordnet Nationalelf Fitnesstest

Erst Trainertagung und Fitnesstest, dann zwei WM-Prüfungen - Joachim Löw steht mit der deutschen Nationalmannschaft vor einer richtungsweisenden Woche. Der Bundestrainer will eine Zitterpartie im Kampf um das einzige Direkt-Ticket nach Südafrika mit aller Macht vermeiden.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]

Leipzig/Düsseldorf Nach zwei von Pfiffen begleitenden Heimniederlagen gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) muss der Bundestrainer auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 auch ohne die verletzten Miroslav Klose, Torsten Frings und Arne Friedrich in den Qualifikationsspielen am Samstag in Leipzig gegen Liechtenstein und vier Tage später in Cardiff gegen Wales Kurs auf Südafrika halten. "Es ist wichtig, Erster in der Tabelle zu bleiben. Ziel muss es sein, beide Spiele zu gewinnen", betonte Löw vor der Zusammenkunft seines 21-köpfigen Kaders am späten Montag in Leipzig.

Nach einer aus seiner Sicht "sehr, sehr positiven" Zusammenkunft mit den Bundesliga-Kollegen am Vormittag in Düsseldorf holten auch den obersten deutschen Fußballlehrer gleich wieder die Alltagssorgen eines Trainers ein. Denn die Verletzungen von Mittelfeldspieler Piotr Trochowski (Innenbanddehnung im rechten Knie) und Torhüter René Adler (Blutergusses am linken Ellbogen) könnten die Personalprobleme weiter verschärfen. "Bei Trochowski gibt es ein Fragezeichen. Bei René Adler ist nichts gerissen, nur dick geschwollen. Ich gehe davon aus, dass er uns zur Verfügung steht", berichtete Löw. Endgültige Gewissheit sollen Untersuchungen der Spieler durch die DFB-Ärzte erbringen. Löw glaubt, zumindest die Ausfälle der letztjährigen EM-Stammkräfte Klose (Sprunggelenks-Operation), Frings (Knöchel) und Friedrich (Muskelfaserriss) auffangen zu können: "Wir haben Spieler, die in der Lage sind, sie zu ersetzen."

Grummeln bei den Klubs

Bevor die Konzentration auf Liechtenstein und Wales ausgerichtet wird, müssen Kapitän Michael Ballack & Co. zunächst auf den Fitness-Prüfstand. Der erste Ausdauer- und Schnelligkeitstest bei der DFB-Auswahl seit September 2007 wird von den Bundesliga-Klubs in dieser wichtigen Saison-Phase mit einem deutlich vernehmbaren Grummeln hingenommen, aber Löw pocht auf seine Rechte als Bundestrainer: "Wir sind in der Verantwortung in den nächsten zehn Tagen für die Nationalmannschaft. Wir sind der Meinung, dass jetzt wieder Tests anstehen müssen."

Stimmen sollen die Leistungsdaten auch wieder auf dem Fußballplatz. Löw erwartet, dass die Mannschaft nach den jüngsten Testspiel-Pleiten im Kampf um WM-Qualifikations-Punkte wieder ihr wahres Gesicht zeigt. Denn der Bundestrainer will im heißen Herbst 2009 ein böses Erwachen im Kampf um das einzige Direkt-Ticket nach Südafrika und zwei stressige K.o.-Spiele als Gruppenzweiter unbedingt vermeiden. "Die Konstellation in unserer Gruppe ist sehr eng. Es wird sich auf Deutschland gegen Russland zuspitzen. Da wäre es von Vorteil, als Tabellenführer zum Spiel gegen Russland zu reisen. Das ist psychologisch sehr wichtig", sagte Löw schon mit Blick auf die brisante Partie am 10. Oktober in Moskau. Aktuell führt die DFB-Auswahl die Tabelle der Gruppe 4 mit 10 Punkten vor Russland (6) an. Die Russen haben allerdings eine Partie weniger ausgetragen.

Löw glaubt, dass die Nationalspieler wieder engagierter und konzentrierter zur Sache gehen werden, wenn es um Punkte geht. "In den Spielen, in denen es darauf ankam, haben wir immer gute Leistungen gezeigt", betonte er. Daran scheinen auch die Fans zu glauben - der DFB konnte am Montag ein mit 43.368 Zuschauern ausverkauftes Leipziger Zentralstadion vermelden. Mit besonderem Ehrgeiz will sich Lukas Podolski nach seiner Nichtnominierung gegen Norwegen im Deutschland-Trikot zurückmelden: "Ich gehöre wieder zum Kreis und denke, dass ich wieder Einsätze bekomme." Löws Auftrag für diese Woche hat er verinnerlicht: "Wir müssen die zwei Länderspiele gewinnen", sagte Podolski.

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