WM-Relegation : Alle gegen Domenech

Es ist erstaunlich, dass Raymond Domenech bereits im sechsten Jahr Nationaltrainer ist. Gefühlt ebenso lange ist er umstritten. Frankreichs Trainer muss wieder mal gewinnen - diesmal gegen Irland.

Matthias Sander
Domenech
Raymond Domenech -Foto: AFP

Raymond Domenech ist kein Fan von Pressearbeit, aber vielleicht hatte er auch etwas geahnt. Am Dienstag lud der Französische Fußballverband zur ersten Pressekonferenz vor der heutigen WM-Relegation gegen Irland (21 Uhr, live im ZDF und bei Eurosport), doch weder der Nationaltrainer noch die Stars der Mannschaften kamen. Deshalb mussten sich Julien Escudé, Aly Cissokho und Alou Diarra – zumindest die ersten beiden werden kaum von Anfang an spielen – den albernen Fragen zweier Komiker stellen, die sich als Journalisten ausgaben. Nein, die Defensivprobleme der Franzosen seien keine Folge übermäßigen Konsums von Überraschungseiern. Alou Diarra, dem defensiven Mittelfeldspieler von Meister Girondins Bordeaux, entlockten die Witzbolde dagegen Beachtliches: „Ehrlich gesagt, Taktik ist nicht Domenechs Stärke.“

Es ist erstaunlich, dass Raymond Domenech bereits im sechsten Jahr Nationaltrainer ist. Gefühlt ebenso lange ist er umstritten, immer wieder stand er kurz vor der Entlassung, aber irgendwie rettete er sich stets. Nach dem Aus bei der EM 2008 behielt er seinen Job auch deshalb, weil er eine bessere Außendarstellung versprach – aber am Dienstag meldete er sich nur per Video auf der Internetseite des Verbandes. Domenech ist bei den Franzosen unpopulär wie eh und je, bei einem Ausflug mit seiner Mannschaft zum Tennisturnier Paris-Bercy wurde er ausgepfiffen. Auch den Vorwurf, gemessen an der Qualität seiner Spieler erreiche er zu wenig, wird Domenech nicht los: Am Freitag sagte Jacques Santini, sein Vorgänger als Nationaltrainer: „Frankreich hätte in seiner Gruppe mit weitem Abstand Erster werden müssen.“

Doch Domenech lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nicht von der Sportzeitung „L’Équipe“, die am Donnerstag auf ihrem Titel Domenech mit der irischen Mannschaft im Hintergrund zeigte und gehässig titelte: „Ihre Chance ist er.“ Nicht vom irischen Kapitän Richard Dunne, der über Domenech lästerte. Und nicht von Versuchen, einen alten Konflikt zwischen ihm und dem irischen Kotrainer Marco Tardelli aufzuwärmen.

In Dublin muss Domenech auf Franck Ribéry wegen einer Reizung der Patellasehne verzichten. Der Spieler des FC Bayern hat dieses Jahr noch kein Länderspiel von Anfang an bestritten, in den beiden letzten Gruppenspiele der Qualifikation fiel er aus.

Die französischen Medien warnen schon vor der hitzigen Atmosphäre im Croke-Park, den irischen Standards, der körperlichen Robustheit des Gegners und dem gewieften Trainer Giovanni Trapattoni. Und sie erinnern an die Niederlage der Franzosen gegen Irland in der Qualifikation zur WM 1982 – 2:3 verlor Frankreich damals in Dublin. Dabei könnte man auch einen französischen 1:0-Sieg an gleicher Stelle in der Qualifikation zur WM 2006 erwähnen. Im Moment scheint es aber, als werde im Zweifelsfall alles gegen Raymond Domenech verwendet.

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