WM-Stadien : Deutschland sorgt für Sicherheit beim Stadionbau

Der Bau der WM-Stadien in Südafrika stellt die Konstrukteure vor große Herausforderungen.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

So früh wie in diesem Jahr ist der Winter an der Südspitze Afrikas schon lange nicht mehr eingebrochen. Fast horizontal peitscht der Wind Nordwester den Regen über den Green Point Common, ein mit Sportplätzen gefülltes Grün zwischen Kapstadts Atlantikküste und der nahe gelegenen City. Dem nasskalten Biss des Windes merkt man deutlich seine antarktische Herkunft an. Das Extremwetter hat auch seine gute Seite: Einen besseren Härtetest hätten sich die Konstrukteure des neuen Kapstädter WM-Stadions in Green Point kaum wünschen können.

Der Mann, der für die Montage seines hochmodernen Flachdachs verantwortlich ist, hat sein Büro gleich neben der Großbaustelle in einem schmucklosen Container: Seit 18 Monaten ist Christian Schlögl von einem Memminger Unternehmen der Seil – und Hebetechnik bereits vor Ort, um die Montage der komplizierten Dachstruktur zu überwachen. Als Vorreiter der Seiltechnik gilt nach wie vor das zu Beginn der Siebzigerjahre erbaute Münchner Olympiastadion. In Kapstadt müssen die Seile das gesamte Dachgewicht halten – ein Stahlgerüst von 2600 Tonnen und die darauf verklebten 10 000 Glasscheiben mit einem Gewicht von 1500 Tonnen. Weitere 400 Tonnen Stahl wurden zusätzlich eingebaut, um dem vergleichsweise leichten Dach die notwendige Stabilität gegen den berüchtigten Südoster zu verleihen, der zu Sommerbeginn mit voller Wucht vom Tafelberg hinabfällt. Dadurch sind die Gesamtkosten inzwischen auf 400 Millionen Euro gestiegen – mehr als ein Drittel über dem ursprünglichen Voranschlag.

Dieser Südoster war es auch, der Stadiondesigner Robert Hormes von einem deutschen Architekturbüro und den Statikern das meiste Kopfzerbrechen bereitete. Schließlich steht das Stadion an einer Stelle, wo viele Verwirbelungen auftreten. Autofahrer kennen das Phänomen, wenn sie beim Überholen aus dem Windschatten eines Lastwagens treten.

Für Pfeifer selbst hat sich die WM bereits lange vor ihrem Anpfiff gelohnt: Mit einem Auftragsvolumen von rund 42 Millionen Euro gehört das Kapstädter Dach zu den größten Projekten in der über 400-jährigen Firmengeschichte. In die gleiche Kategorie fällt nur noch das Stadiondach in Durban, das wegen seines mächtigen Bogens über der Arena in punkto Statik als das schwierigste aller WM-Stadien gilt. Experten glauben, dass sich seine Konstruktion an der Grenze des technisch Möglichen bewegt.

Stadiondächer von solcher Komplexität in Südafrika zu bauen, ist eine besondere Herausforderung, meint Schlögl, zumal die Baubranche nach Jahren der Stagnation wenig Erfahrung mit Großprojekten hat. Auf der Baustelle arbeiten schwarze und weiße Südafrikaner einträchtig neben Vorarbeitern aus Polen, Tschechien und Deutschland. Rund 2500 Arbeiter schrauben, malen und bohren am Stadion, davon rund 300 an der Dachkonstruktion. „In Deutschland würde man allenfalls mit halb so vielen Leuten arbeiten“, sagt Schlögl. Nur wenige haben Erfahrung und wurden in Schnellkursen angelernt. Die Löhne liegen weit unter europäischem Niveau.

Das Kapstädter WM-Stadion wird bereits im Dezember fertig – zwei Monate früher als geplant. Sogar die anfangs so kritischen Kapstädter bewundern das Stadion mit seinem eleganten Dach inzwischen. Waren die Blätter am Kap früher mit geharnischten Protestbriefen gefüllt, wird die Spielstätte heute als architektonisches Schmuckstück gelobt.

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