WM-Taktikschule : Wie Deutschland Serbien schlagen kann

Mit plötzlichen und perfekt koordinierten Tempowechseln möchte Joachim Löw im zweiten WM-Gruppenspiel auch Serbien überraschen. Wie diese Taktik funktioniert, verrät Tagesspiegel-Experte Mathias Klappenbach in seiner Taktikschule.

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Joachim Löw erklärt die Taktik gegen Serbien
Joachim Löw erklärt die Taktik gegen SerbienFoto: dpa

Man müsse freie Räume auch vorbereiten, sagte Bundestrainer Joachim Löw in seiner Analyse nach dem 4:0 gegen Australien. Dazu gehört eine Fähigkeit, die sich bei dieser Weltmeisterschaft mehr und mehr als entscheidender Vorteil herausstellt: der plötzliche, perfekt koordinierte Tempowechsel. Ein Beispiel dafür war der häufig gesehene Spielzug, bei dem das Spiel zunächst quer und bedächtig im deutschen Mittelfeld aufgebaut wurde. Mesut Özil bewegte sich dann in der Mittelfeldzentrale dem Ball entgegen, wurde mit einem harten, flachen Pass angespielt und spielte den Ball direkt weiter auf die offensive Außenposition, wo Lukas Podolski oder Thomas Müller schon rechtzeitig gestartet waren.

Sehr wichtig ist hier das optimale gleichzeitige Timing aller Beteiligten (inklusive der Laufarbeit des zentralen Stürmers Miroslav Klose) und die Veränderung der gerade laufenden Aktion, die urplötzlich eine andere Richtung bekommt. Das hat sehr gut geklappt, wurde von den Australiern aber erheblich erleichtert. Die starteten ihre eigenen Versuche der Balleroberung nicht zwischen den Mannschaftsteilen abgestimmt und boten zudem Özil sowie auch Sami Khedira viel Platz, in die Spitze vorzustoßen und dort wieder an den Kombinationen teilzunehmen.

Grafik: Tsp/Bartel

Die Serben werden mit ihren beiden defensiven Mittelfeldspielern den Fokus darauf legen, Özil den Spielraum an dieser entscheidenden Stelle zu nehmen. Zudem müssen sie selbst ihre Chance in der Offensive suchen. Und bei aller Freude über die starke Angriffsleistung der Deutschen gegen die harmlosen Australier gab es auch kleine Unzulänglichkeiten in der Defensive zu beobachten, die nicht weiter auffielen, gegen stärkere Gegner aber von Bedeutung sein können.

Joachim Löw hat beobachtet, dass die deutsche Abwehrkette entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit zu nah am eigenen Tor stand – den Serben böte sich so die Möglichkeit, mit einem weiten Ball auf den langen Nikola Zigic oder den auf die Flügel ausweichenden Marko Pantelic das Mittelfeld recht leicht bis zu den vorne postierten Angreifern zu überbrücken. Und Zigic, der in einem möglichen 4-2-3-1-System einzige Spitze wäre, könnte Bälle mit dem Kopf auf nachrückende Mittelfeldspieler ablegen.

Zudem zeigten auf den Außenpositionen Thomas Müller und Lukas Podolski im ersten Spiel nicht über 90 Minuten defensive Disziplin, die besonders gegen Milos Krasic nötig sein wird. In den Vorbereitungsspielen zur WM probierten es die Serben häufig mit diagonalen Flachpässen der Außenspieler in die Lücke zwischen Außen- und Innenverteidiger. Dies zu verhindern ist Aufgabe von Müller und Podolski.

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