Fussball : Zu wenig Premium

Die Traditionsvereine der Dritten Liga klagen über die Reserveteams aus der Bundesliga. Sie bringen zu wenig Fans mit.

Mathias Klappenbach,Sebastian Stier[Berlin]
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Tradition unter sich. Der Erfurter Samil Chinaz (o.) im Zweikampf mit Bashirou Gambo von den Stuttgarter Kickers. Foto: dpa

Heute um 14 Uhr läuft eine wichtige Frist ab. Bis zu diesem Termin können sich die Fans von Fortuna Düsseldorf noch eine Dauerkarte für die Rückrunde kaufen – wenn sie nicht den ebenfalls angebotenen „Sixpack“ nehmen. Der beinhaltet sechs Heimspiele der Dritten Liga zum Preis von fünfen, hat aber einen Haken: Man kann sich die Gegner nicht frei aussuchen. Die zehn Gastmannschaften der Rückrunde sind in zwei Gruppen unterteilt, aus denen man jeweils mindestens zwei wählen muss. Also auch die Stuttgarter Kickers, Burghausen, Sandhausen oder die zweiten Mannschaften von Werder Bremen und dem VfB Stuttgart. Gerade die zählen nicht zu den Teams, die in der Dritten Liga mit den Traditionsklubs aus Dresden, Braunschweig oder Düsseldorf viele Fans anziehen.

Die Teilnahme der U-23-Teams der Bundesligaklubs war ein großer Streitpunkt vor der Einführung von Deutschlands dritter Profiliga im vergangenen Sommer, und sie ist weiterhin ihr Grundkonflikt. Kommt Werder Bremen II, bleiben die Fans weg: Im Schnitt erscheinen nur 3600. Der Ligaschnitt liegt bei 5500. Zu den Heimspielen der Bremer gehen nur 700 Menschen. Deshalb gibt es bereits Forderungen, wieder eine eigene Spielrunde für zweite Mannschaften einzuführen. „Wir würden diese Regelung begrüßen“, sagt Lothar Schmiedel, der Geschäftsführer von Erzgebirge Aue. „Ich habe zwar auch Verständnis für die zweiten Mannschaften, aber wir als Verein müssen die wirtschaftliche Komponente sehen. Wenn Jena kommt und 2000 Fans mitbringt, verdienen wir allein 16 000 Euro an Eintrittsgeld. Kommt Werder Bremen II, bringen die höchstens 50 Leute mit, das macht dann 400 Euro.“

Eine Reserverunde gab es bereits Mitte der neunziger Jahre

Eine Reserverunde gab es bereits Mitte der neunziger Jahre. Sie wurde auch aufgelöst, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erkannte, dass Eliteförderung anders aussieht. „Eine Reserverunde wäre nicht dasselbe, der Anpassungseffekt wäre passé“, sagt der frühere Profi Björn Schierenbeck, der jetzt Nachwuchsmanager bei Werder Bremen ist. „Die jungen Spieler sollen sich an den Männerbereich gewöhnen und das geht nicht, wenn sie gegen Gleichaltrige spielen. Spiele gegen ehemalige Profis oder erfahrene Drittligaspieler beschleunigen den Lerneffekt.“

Maximal vier zweite Mannschaften sind in der ersten Saison zugelassen, nur Bayern, Bremen und Stuttgart haben sich qualifiziert. Im nächsten Jahr gilt die Regel nicht mehr, derzeit stehen Kaiserslautern II und Eintracht Frankfurt II in ihren Regionalligen auf einem Aufstiegsplatz. Der Konflikt droht sich zu verschärfen, zumal die neue Liga zwar sportlich überzeugt und beim Fernsehpublikum ankommt, viele Klubs aber große Risiken eingegangen sind, um überhaupt die Voraussetzungen zu erfüllen. Der DFB schreibt etwa ein Stadion mit mindestens 10 000 Plätzen vor. „Die Erwartung des DFB, mit der Dritten Liga eine Premium-Liga zu schaffen, ist bisher nicht aufgegangen“, sagt Harald Hübener, der zweite Vorsitzende des Wuppertaler SV. Fast alle Vereine hätten Probleme mit der Liquidität. „Wenn die Einnahmen nicht steigen, sind Insolvenzen nicht auszuschließen“, sagt Hübener. Aktuell warten die Spieler von Jahn Regensburg auf ihre Gehälter. Das liegt aber eher an den Auswirkungen der Finanzkrise auf Sponsoren. Immerhin sollen die Fernseheinnahmen in der nächsten Saison von 588 000 auf 825 000 Euro pro Klub steigen.

Finanziell besser würde es der Liga ohne die Reserveteams gehen, obwohl die auf ihren Fernsehgeldanteil verzichten. In den Traditionsvereinen werden aber schon lange nicht mehr die kommenden Nationalspieler ausgebildet.

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