Fußballerinnen enttäuschen bei EM : Willkommen in der Realität, lieber DFB!

Steffi Jones war mit dem Ziel zur EM gefahren, den Titel zu gewinnen. Dass es dafür nun nicht gereicht hat, hat auch die Bundestrainerin zu verantworten. Ein Kommentar.

Steffi Jones will trotz des frühen Ausscheidens bei der EM als Bundestrainerin weitermachen.
Steffi Jones will trotz des frühen Ausscheidens bei der EM als Bundestrainerin weitermachen.Foto: dpa

Was macht eigentlich Steffi Jones, fragte Bernd Schröder nach dem schlimmen Viertelfinal-Aus bei der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zur Grenze des gerade noch Erträglichen gehypten Heim-WM der Frauen im Jahr 2011. Der Trainer von Frauen-Vorzeigeteam Turbine Potsdam, der mehrmals Meister, Pokal- und Champions-League-Sieger war, gab sich selbst die Antwort. Sie, Jones, erfreue sich ihres Lebens und lebe in den Tag hinein, sagte er.

Schröder, heute 75 Jahre alt und sein halbes Leben im Frauenfußball tätig, hatte diese Aussage in der Folgezeit viel Kritik eingebracht. Jones aber wollte mit dem Vorwurf nicht leben. Die frühere Nationalspielerin wechselte vom Direktorenposten des Verbandes an die Seitenlinie. Sie durchlief einen Trainerlehrgang und assistierte ein Jahr lang der langjährigen Erfolgstrainerin Silvia Neid. Bis sie diese beerbte. Diese Entscheidung des DFB, einer weitgehend unerfahrenen Trainerin seine wichtigste und erfolgsverwöhnte Mannschaft anzuvertrauen, verstand dann auch nicht jeder in der deutschen Frauenfußball-Welt.

Jetzt ist Jones’ Turnierdebüt gewaltig schiefgegangen. Wie 2011 scheiterten die deutschen Frauen im Viertelfinale eines Turniers, dass Deutschland seit Menschengedenken gewonnen hat. Hier ist der Verband gefordert, der sich seine Mädchen- und Frauensparte traditionell schön malt, obwohl etwa der Zuschauerschnitt in der Bundesliga seit Jahren stagniert. Auch in der Trainerinnenausbildung läuft nicht alles gut. Oder warum werden alle Spitzenklubs der Frauenbundesliga von Männern trainiert?

Steffi Jones forderte vor der EM ihre Mannschaft auf, eine „positive Arroganz“ aufzubauen – freilich mit dem selbstverständlichem Ziel, die EM zu gewinnen. Wie das mit der positiven Arroganz auch immer gemeint war, geliefert haben die Trainerin und ihr Team das Gegenteil. Das ist nicht schön, aber es ist die Realität. So kritisch darf, nein muss der DFB mal sein. Die Spielrinnen halten das schon aus.

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