Fußballfieber : Mein Leben ohne Ribéry

Warum immer mehr Fans Manager im Internet sind. Ein Erlebnisbericht von Mathias Klappenbach.

Ribery
Jubelt schön, ist aber zu teuer. Franck Ribéry.Foto: ddp

25. Juli.

Ende der Sommerpause: Das „Kicker“-Sonderheft erscheint – darin die Preise der Spieler für das Managerspiel. Man hat 42,5 Millionen für 22 Spieler, und Franck Ribéry kostet 9,5 Millionen! Selbst für Torwart Benaglio wollen diese Verbrecher jetzt 4,8 Millionen. Wie soll man da ein Team zusammenkriegen? Es gibt Dutzende von Managerspielen, bei denen man mitmachen könnte – und Dutzende, die nichts taugen. Ich bleibe beim Original, wo man 1992 ohne Internet noch eine Postkarte einsenden, seine Punkte selbst ausrechnen musste. Zu gewinnen gibt es außer einem Platz in der Hall of Fame kaum etwas. Letztes Jahr war ich von 250 000 Teilnehmern in der wichtigsten Disziplin unter den ersten 6000. Und 103. in der Zweiten Liga mit 60 000 Mann – und einigen Frauen.

30. Juli. Die Sondierungsphase. Überall im Land treffen sich die in virtuellen Ligen organisierten Manager zu Grillfesten oder anderen Fachsitzungen. Ich habe einen ersten Entwurf. Und hoffentlich hört endlich das Telefon auf zu klingeln.

4. August. Die T-Frage. Fünf Monate lang wurden im Forum die zehn Gebote für einen erfolgreichen Manager diskutiert. Nummer eins lautet: Du sollst keine „Wundertüten“ im Tor verpflichten. Ein vierzigminütiges Video über Bochums neuen Torwart Fernandes überzeugt mich. Es wurden schon Bundesligaspieler nach kürzerem Scouting verpflichtet.

6. August. Der Sündenfall. Ich mache das, worüber ich mal gelacht habe: Ich stelle mein Team ins Forum, bitte um Rat. Im Kicker-Forum gibt es 7942 Einträge zur Nationalmannschaft. Und 179 895 zum Managerspiel. Die Resonanz auf mein Team bleibt bescheiden, dabei wird jede Frage wie „Hajnal oder Huszti?“ oder „Stamm-Abwehrspieler für 1,4 Millionen?“ mit heiligem Ernst abgehandelt. Die Kollegen sind keine Hilfe. Die Anfänger spielen bei Comunio mit, dem zweitgrößten Spiel, und fragen immer mich, wen sie nehmen sollen. Blödes Telefon.

9. August. Kurz vorm Ziel. Ich gehe in Klausur. Vidal wird ein Star, Kroos tausche ich sowieso gegen Simak, den jeder hat. Ich habe eh noch die Jedermann-Spieler Pitroipa, Hajnal und Rosenberg. Doch es gibt noch Fragen.

11. August. Die Aufklärung. Ich rufe beim „Kicker“ an. Wieso kriegt Misimovic immer schlechte Noten und verdirbt mir damit die Saisonwertung? „Weil wir unsere Noten aus dem Stadion und nicht vom Fernseher machen. Denken sie mal an seine Laufleistung“, sagt Werner Wittmann, der Leiter Neue Medien. Kann man dabei sein, wenn Spielerwerte festgelegt werden? „Das geht nicht. Die für den Verein verantwortlichen Redakteure schicken Listen, die in der Online-Redaktion von Schwankungen bereinigt werden. Und dann geht alles zum Chefredakteur Rainer Holzschuh, der sich noch mal mit dem Rotstift dransetzt.“ Ich weiß jetzt, wen ich nächstes Jahr verfluche.

14. August. Das wichtigste Gebot. Ändere nicht am letzten Tag in Panik dein Team. Frankfurts Fenin sitzt im Test gegen Real auf der Bank? Schalkes Pander trifft gegen Atletico? Wen kümmert’s? Deshalb hier, nur zur Ansicht!, die Startelf des Siegers 2008/09: Fernandes – Westermann, Chris, Hummels (Tasci) – Barnetta, Zé Roberto, Vidal, Hajnal, Kroos (Pitroipa) – Kießling, Rosenberg (Fenin).

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