Sport : Fußballfotos mit der Tiefe des Raumes

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Berlin – Jan Mulder war neun, als er den deutschen Fußball plötzlich verstand. Es geschah 1954, ein Junge von jenseits der Grenze war bei den Mulders in Winschoten bei Groningen zu Gast. Der Klub des kleinen Deutschen nahm am Fußballturnier des örtlichen Vereins teil. „Mein Vater gab uns Geld. Wir sollten uns Eis holen“, erzählt Mulder. „Der Junge sagte, dass er keine Zeit hat, weil er vor dem Spiel noch seine Stollenschuhe schrubben muss. In dem Moment wusste ich, warum Deutschland Weltmeister war.“

Der frühere holländische Nationalspieler Mulder, als Fußballkritiker eine Art Günter Netzer für die holländischen Medien, liebt den Fußball als solchen. Diese Liebe teilt er mit seinem Landsmann Hans van der Meer. Der Fotograf und der Fußballer legten das Buch „Hollandse Velden“ vor, eine Hommage an den holländischen Amateurfußball – an seine Menschen und an seine Spielfelder, die sich ans flache Land der Polder und Grachten schmiegen. „Raum ist so wichtig im Fußball“, sagt Hans van der Meer. „Aber viele Sportfotografen vergessen das und zeigen am liebsten zwei Spieler mit Ball – Szenen ohne Raum, die überall stattfinden könnten. Das finde ich langweilig.“

Das Fußballmagazin „Elf Freunde“ holt die beiden am Mittwoch (19.30 Uhr im FC Magnet Mitte) nach Berlin. Hans van der Meer zeigt seine Fotos; Jan Mulder, dessen Sohn Youri einst bei Schalke 04 kickte, erzählt Geschichten über holländischen und deutschen Fußball. mah

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