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Fußballprofi Lindemann : Eine Saison in Bangkok

30.11.2012 14:58 Uhrvon

Björn Lindemann war als Fußballer in Deutschland schon gescheitert. Als ein Angebot aus Thailands Premier League kam, zögerte er nicht. Und wird dafür nun täglich belohnt.

Hitze, Einsamkeit, das Essen: Am Anfang wollte Lindemann gleich wieder zurück

Lindemann zog zunächst in einen Hochhauskomplex etwas außerhalb der City, in dem alle Army-Spieler untergebracht sind. Ein schlichtes Leben: Einzimmer-Appartements, mittags und abends gemeinsames Essen in der Kantine, dazu meist zweimal am Tag Training. Armys einheimische Kicker sind fast alle beim Militär angestellt, spielen Fußball für ein paar hundert Euro im Monat. Auf den neuen Kollegen aus Deutschland waren sie in den ersten Wochen nicht gut zu sprechen. „Klar waren die erst mal neidisch. Ich war der reiche Deutsche. Die wollten erst einmal nichts mit mir zu tun haben. Auch beim Fußball nicht“, sagt Lindemann. Kaum einer redete mit ihm, auf dem Platz lief der Ball auffällig oft an ihm vorbei. Die anderen Ausländer im Team waren ihm keine Hilfe: „Das ist eine Gruppe von Brasilianern, die blieben einfach unter sich.“

Es waren harte erste Wochen für Lindemann in Bangkok: Isolation, Hitze, das scharfe Essen, das er nicht vertrug. Dazu sportliche Probleme: Gegen die technisch und taktisch limitierten, aber wieselflinken Thai-Kicker konnte er sich nur schwer durchsetzen. In den ersten Wochen kam er kaum zum Einsatz. Abschiedsgedanken kamen auf. „Ich hatte echt zu kämpfen. Aber dann habe ich mir gesagt: So schnell gibst du hier nicht auf.“

Und tatsächlich: Nach etwa drei Monaten wurde es langsam besser. Lindemanns Freundin unterbrach ihr Studium in Jena, die beiden zogen in Bangkoks Innenstadt in eine kleine Wohnung. Lindemann lernte ein paar Worte Thai, bekam erste Kontakte zu einheimischen Spielern und profitierte sportlich von einem Trainerwechsel bei seinem Klub. Ein junger einheimischer Coach löste seinen älteren Vorgänger ab, Lindemann erhielt eine echte Chance. Und nutzte sie.

„Ich weiß auch nicht genau warum, aber plötzlich lief es“, sagt Lindemann. Unter der Regie des Deutschen kletterte das im Vorjahr fast abgestiegene Army United nun ins Vorderfeld der Tabelle, erstmals in der Vereinsgeschichte schaffte der Klub zudem den Einzug ins Pokalfinale. Lindemann lenkte nicht nur das Spiel seines Teams, sondern erzielte in der zweiten Saisonhälfte auch noch selbst neun Treffer. Plötzlich war er bei seinen Kollegen beliebt, auch wenn sie nach wie vor seinen Namen nicht richtig aussprechen und ihn wahlweise „Born“ oder „Lindeborn“ nennen. „Plötzlich klopfen mir alle auf die Schultern und lachen mit mir. Ich glaube, sie haben gemerkt, dass ich einer von ihnen sein möchte und sie fußballerisch natürlich auch einiges an mir haben können.“

Lindemann ist angekommen. Hat sich an den Dauerstau in Bangkok gewöhnt, weiß mittlerweile, wo er europäische Lebensmittel einkaufen kann, und hat sich auch mit dem thailändischen Lebensstil angefreundet: „Wenn es heißt, wir trainieren um vier, dann reicht es normalerweise, wenn man um halb fünf langsam eintrudelt. Weil vor fünf sowieso nichts passiert. Manchmal denke ich, es ist genau diese Lockerheit, die mir in Deutschland gefehlt hat.“

Er selbst ist mittlerweile fest entschlossen, mindestens ein weiteres Jahr in Thailand dranzuhängen. Bei welchem Klub er allerdings in der kommenden Saison spielt – das ist noch nicht klar. „Ich habe gehört, Army will mit mir verlängern. Konkret angesprochen haben sie mich aber noch nicht. Auch das ist typisch für Thailand: Sie machen alles auf den letzten Drücker.“ Sorgen um einen neuen Vertrag muss sich Lindemann allerdings kaum machen. Seine starken Leistungen der zweiten Saisonhälfte sind natürlich auch bei der Konkurrenz nicht unbemerkt geblieben. „Ich habe einige Anfragen anderer Klubs. Mal sehen, wo ich lande“, sagt er und grinst.

Erst einmal freut er sich jetzt auf den Urlaub in der Heimat. Lindemann wird für ein paar Wochen nach Deutschland fliegen. „Ich freu mich richtig auf die Kälte. Endlich mal wieder eine dicke Winterjacke anziehen und mit dem Hund im Wald spazieren gehen. Solche Dinge vermisst man, wenn man in der ständigen Hitze lebt.“ Lange wird er die europäischen Temperaturen aber nicht genießen können. Schon im Dezember beginnt die Vorbereitung auf die nächste Saison der Thai Premier League. Und Lindemann wird dabei sein. Für welchen Klub auch immer.

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