Fußballskandal in Italien : Verbindungen zur Mafia

Mit dem in Bochum aufgedeckten Geflecht von Fußballwetten hat der neue Skandal in Italien nichts zu tun. Beachtlich ist er trotzdem: Neun Personen sitzen seit Montag in Untersuchungshaft.

Paul Kreiner[Rom]

Insgesamt spricht die Staatsanwaltschaft von 20 Verdächtigen, von Querverbindungen zur Mafia – und von einer „noch verborgenen nationalen Regie“.

Verhaftet wurde der 27-jährige Unternehmer Giuseppe Postiglione, der trotz seines Alters seit drei Jahren bereits einen Profi-Fußballklub führt: den Potenza Calcio aus der Region Basilicata. Mit ihm kamen acht Funktionäre seines Vereins hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt sie der „kriminellen Vereinigung zum Zweck des Sportbetrugs“. Obwohl sie es als aktive Sportfunktionäre nicht durften, sollen sie mindestens acht Spiele des eigenen Vereins geschoben und mit systematischen Wetten auf den vorherbestimmten Ausgang 400 000 Euro oder mehr kassiert haben. Dabei ging es vorwiegend um Partien der eigenen, also der Dritten Liga, aber auch um eine Begegnung der Serie B, wo Potenza in der Saison 2007/08 ein vorübergehendes Gastspiel gab. Gekauft wurde dort die Partie Ravenna gegen Lecce, an der Potenza selbst gar nicht teilnahm.

Gegen widerspenstige Spieler anderer Klubs sei die Bande „mit Drohungen und Einschüchterungen“ vorgegangen, sagt die Staatsanwaltschaft. Und nicht nur das: Postiglione, der in seiner Heimat ein Netz von lokalen Radio- und Fernsehstationen betreibt, habe auch versucht, öffentliche Ausschreibungen zu eigenen Gunsten zu erhalten und in Potenza unter anderem eine „Zitadelle des Sports“ zu bauen. Dazu soll er Kontakte mit der organisierten Kriminalität vor Ort aufgebaut haben; ein mutmaßlicher Mafiaboss wurde am Montag ebenfalls verhaftet.

Die Affäre, auch wenn sie – vorerst – nur in der dritten Liga spielt, weckt in Italien Erinnerungen an den Wettskandal von 1980, bei dem der AC Milan und die SS Lazio in die B-Liga verbannt und etliche Spieler bis zu sechs Jahre lang gesperrt wurden.

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