Sport : Fußpilz: Hertha lacht nicht mit

Klaus Rocca

Ganz Deutschland lacht über den Fußpilz von Alex Alves. Das glaubt jedenfalls Dieter Hoeneß, und so etwas ärgert ihn gewaltig. "In der Öffentlichkeit", sagt Hoeneß, "herrscht mittlerweile der Eindruck, dass der Alex ein Simulant ist", weil er sich wegen einer derartigen Lappalie weigere, seinen Beruf als Fußballspieler auszuüben. Der Manager von Hertha BSC kontert mit entsprechenden Attributen: kleingeistig sei die Kritik, respektlos, unwürdig, unappetitlich.

Hoeneß treibt die Sorge, Herthas teuerster Spieler aller Zeiten werde der Lächerlichkeit preisgegeben, "außerdem laufen wir Gefahr, dass der Alex sein enormes Potenzial nie abrufen wird". Werde Alves weiter in die Ecke gedrängt, dann bleibe er auch künftig unter seinen Möglichkeiten, gebe vielleicht auf und reise zurück nach Brasilien. Und dort nützt er Hertha herzlich wenig.

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Deswegen tun Herthas Verantwortliche zurzeit alles, um gegen den in der Öffentlichkeit aufkommenden Eindruck zu steuern, der 15 Millionen Mark teure Einkauf sei eine Mimose. Als es richtig kalt war und Schnee lag und seine Mannschaftskollegen mit Pudelmütze und Handschuhen auf dem Trainingplatz rumliefen, "da hat der Alex so gespielt, als mache ihm das alles gar nichts aus", sagt Trainer Jürgen Röber. "Für einen Brasilianer ist das schon erstaunlich." Jetzt aber habe Alves ein Problem mit dem Fuß, da könne er nun mal nicht Fußball spielen. "Gestern", sagt Röber, "ist er vor mir die Treppe hochgehumpelt, deswegen wird ihm jetzt auch der entzündete Fuß aufgeschnitten." Das klingt dann doch eine Spur zu dramatisch, und deswegen relativierte Manager Hoeneß sofort mit medizinischen Fachtermini: "Bei lokaler Betäubung wird das Gewebe mit der bakteriellen Entzündung abgetragen." Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher wird noch konkreter und spricht von einem Dermatologen, der Hornhautpartikel entferne, es handele sich gewissermaßen um eine "erweiterte Fußpflege". Das hört sich dann schon wesentlich weniger dramatisch an.

Doch Trainer Röber weiß eben auch, warum Alves so schnell zum Opfer werden kann: "Weil er sich verschließt, Probleme im persönlichen Bereich schlechter bewältigen kann und es ihm in manchen Situationen auch an Disziplin mangelt." Und natürlich auch, weil Alves noch immer mit der deutschen Sprache seine Probleme hat und sich in der Öffentlichkeit schon mal ein wenig ungeschickt darstellt. Deswegen blockt Hoeneß derzeit alle Interview-Wünsche ab.

Heute wollen sich Trainer, Manager, die medizinische Abteilung, der Dolmetscher und natürlich Alves zusammensetzen, um die weitere Marschroute zu besprechen. "Das Störfeuer muss ein Ende haben", sagt Dieter Hoeneß, und es klingt fast beschwörend. Es ist nicht nur der aktuelle Fall, sondern auch die Begleitmusik, die den Manager stört. Einem Automatismus folgend wurden im Zuge der Fußpilz-Affäre auch die früheren Disziplinlosigkeiten des Alex Alves aufgetischt, und davon gibt es einige. Keine gute Image-Kampagne.

Alves wird also auch morgen fehlen, wenn Hertha den VfL Wolfsburg empfängt. Wieder mal kann Alves nicht zeigen, dass er sein Geld wert ist. Sehr zum Bedauern von Hoeneß und Röber, die weiter gegen Zweifel ankämpfen müssen, den richtigen Mann aus Brasilien geholt zu haben.

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