Galaxien entfernt : Was die Füchse vom THW Kiel trennt

In der Handball-Bundesliga kommt es am Mittwoch zum Spitzenspiel zwischen dem THW Kiel und den Füchsen. Eine nahezu unlösbare Aufgabe für die Berliner, denn der Gegner ist in dieser Saison noch ohne Punktverlust.

Erik Eggers
Im Hinspiel siegten die Kieler knapp mit 33:32 in Berlin, kurz danach war es im Pokal beim 39:28 dann schon deutlicher.
Im Hinspiel siegten die Kieler knapp mit 33:32 in Berlin, kurz danach war es im Pokal beim 39:28 dann schon deutlicher.Foto: dpa

Längst hat die Siegesserie des THW Kiel die Historiker auf den Plan gerufen, um das Unbegreifliche wenigstens über die nackte Statistik zu dokumentieren. Den Startrekord des TBV Lemgo aus der Saison 2002/03 (17 Siege) hat der Rekordmeister mit 25 Erfolgen in Folge längst pulverisiert, sogar der Durchmarsch durch die ganze Saison, 34 Siege, scheint nicht mehr utopisch. Auch bei den Profis nicht. Als die mitgereisten Fans nach dem letzten Sieg in Melsungen Plakate mit „50:0“ hochhielten, sagte Linksaußen Dominik Klein: „Eine schöne Idee. Aber ich bin mir sicher, dass sie sich noch etwas Besseres einfallen lassen, wenn es am Ende tatsächlich 68:0 ausgeht.“

Der Gegner im Heimspiel am Mittwoch, die Füchse Berlin (20.15 Uhr, live bei Sport1), hat ebenfalls einen Lauf: Die Berliner eliminierten den vermeintlich größten Konkurrenten des THW, Meister HSV Handball, am Sonntag im Achtelfinale der Champions League, nach einem atemberaubenden Comeback. Acht Punkte liegen die Füchse in der Liga hinter dem THW, aber ihre Coolness und Abgezocktheit provoziert die Frage, wie groß die Distanz zu den übermächtig scheinenden Kielern noch ist.

Füchse-Manager Bob Hanning zufolge misst sich der Abstand in Galaxien. Hanning hatte den THW schon nach einigen Spieltagen zum Meister ausgerufen, mit dem ihm eigenen Understatement. Doch auch die Beobachter der Szene sehen schon noch eklatante Unterschiede zwischen den beiden Mannschaften.

Der größte Unterschied liegt in der Qualität der einzelnen Profis, sagt Ex-Nationalmannschaftskapitän Frank von Behren. „Es gibt keinen Spieler bei den Füchsen, der beim THW Kiel in der ersten Sieben spielen würde“, sagt der Experte beim Spartensender Eurosport. Und die Differenz erscheint noch größer vor dem Hintergrund, dass die Bank der Kieler unfassbar gut besetzt ist. „Die zweite Sieben ist nahezu gleichwertig“, sagt von Behren, der Unterschied bestehe lediglich in der Spielanlage, wenn etwa Christian Zeitz den schwedischen Rückraum-Linkshänder Kim Andersson ersetze.

Die einzige Ausnahme sieht von Behren in Füchse-Torhüter Silvio Heinevetter, der am Sonntag in Hamburg 21 Paraden auf das Parkett zauberte. „Heine hat natürlich die Qualität, beim THW zwischen den Pfosten zu stehen“, sagt von Behren. Von daher verwundert es nicht, wenn in der Hinrunde schon spekuliert wurde, dass Heinevetter nach der Saison 2012/13 den französischen Internationalen Thierry Omeyer im THW-Tor ablösen werde. Jedenfalls dürfte vor allem von Heinevetter abhängen, ob die Berliner in Kiel eine Chance haben, die Serie zu knacken. Oder ob sie ein Debakel wie im Pokal-Achtelfinale erleben, als der THW den Gegner in der letzten Viertelstunde beim 39:28-Sieg in seine Einzelteile zerlegte.

Vieles aber eint die Konkurrenten von heute: „Beide Teams holen derzeit das Optimale aus sich heraus“, so sieht es von Behren. Während Füchse-Coach Dagur Sigurdsson es schaffe, mithilfe klarer Hierarchien den Berliner Kader zu Spitzenleistungen zu treiben, komme THW-Trainer Alfred Gislason der Verdienst zu, das Ensemble aus Stars stets bei Laune zu halten.

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