Sport : Galopprennbahn Hoppegarten: Revolte am Berliner Stadtrand

Ingo Wolff

Die Galopprennbahn Hoppegarten kommt nicht zur Ruhe. Nur wenige Wochen nach dem Lizenzentzug für den Union-Klub durch den Galoppsportverband drängen den Bahnbetreiber nun selbst die letzten Verbündeten in die Enge. Alle zwölf Trainer in Hoppegarten haben sich geschlossen gegen das Präsidium des Union-Klubs gestellt und dessen sofortigen Rücktritt gefordert. Hintergrund für die Revolte ist der noch immer fehlende Nachweis für eine finanzielle Absicherung aller verbleibenden Renntage. Inzwischen drängt aber die Zeit. Heute will der Galoppverband den Lizenzentzug endgültig bestätigen.

"Wir wollen den Union-Klub unter Zugzwang setzen", erklärt Uwe Stech, Sprecher der Trainervereinigung, den radikalen Schritt. Denn für alle zwölf Trainer und damit auch diverse Angestellte bedeutet ein Aus in Hoppegarten auch die Bedrohung ihrer Existenz. Verärgert sind die Trainer vor allem, weil sie die letzten Renntagabsagen nur aus den Medien erfahren hätten. Direkt gesprochen hat das Präsidium mit den Trainern in der Vergangenheit nicht. "Schon im vorigen Jahr hat sich der Union-Klub schlichtweg nicht für unsere Probleme interressiert", beklagt Stech. Dabei sei der Betreiber der Bahn in seinen Augen in der Informationspflicht: "Wir Trainer müssen schließlich die Pferde für die Rennen stellen." Auch müssten sie die Nennung für die Rennen langfristig planen. "Das ist ein Frechheit", beurteilt Stech die Informationspolitik des Union-Klubs.

Deshalb fordern die Trainer nun geschlossen die Ablösung des Präsidiums im Union-Klub. Auch weil sie nicht mehr an eine kurzfristige Absicherung der Renntage durch den Rennverein glauben. Darum plädieren die Trainer für die Übernahme des Rennbetriebs durch die Besitzervereinigung. Dieser Zusammenschluss aller Pferdebesitzer hatte schon vor Wochen ein finanziell abgesichertes Alternativkonzept für die Hoppegartener Rennbahn beim Direktorium für Vollblutzucht und Rennen vorgelegt und damit indirekt um eine Lizenz gebuhlt. Den Trainern ist diese Lösung recht. Der Streit zwischen Klub, Verband und der Treuhand-Nachfolgeanstalt BVVG um Millionenzuschüsse würde nach Stechs Ansicht ohnehin auf ihrem Rücken ausgetragen. Sie hoffen jetzt nur noch, dass überhaupt Rennen stattfinden. "Uns ist es inzwischen egal, wer die Rennen betreibt. Hauptsache, es passiert professionell", sagt Stech, für den das Elitäre des Union-Klubs schon lange verblasst ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar