Galoppsport : Ein Hoch auf die Heimat

Beim Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten am Samstag gibt es ein Klassefeld und viel Symbolik.

Hartmut Moheit

Berlin - Sehr geheimnisvoll gab man sich zuletzt im Gestüt Schlenderhan. Während Jens Hirschberger, der Trainer der letzten zwei Derbysieger, sogar ein Interview-Verbot bekommen hatte, war es auch Georg Baron von Ullmann nicht möglich, vor dem Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten ein paar Fragen zu beantworten. Dabei ist das Interesse gerade an ihren zwei Pferden Walzertraum und Titurel in dem Europagruppe-III-Rennen am Samstag (Start 16.45 Uhr) sehr groß. „Ich sehe von beiden vierjährigen Hengsten vor allem Walzertraum als einen der Favoriten“, sagt Andreas Suborics. Schließlich sei dieses von Jerome Lermyte gerittene Pferd der Bruder des aktuellen Derbysiegers, und eine solche Verwandschaft gilt im Galoppsport nun mal als besonderes Qualitätsmerkmal. Suborics, der Jockey aus Österreich, sieht dagegen für seinen Ritt auf Tempelstern, dem Pferd im Besitz des Hoppegarten-Eigners Gerhard Schöningh, gute Außenseiterchancen. „Ich erwarte ein ausgeglichenes Rennen, das insgesamt sehr hochkarätig besetzt ist“, sagt Suborics. Schließlich schicken auch weitere prominente Trainer wie Peter Schiergen (Duellant, Panyu) und Uwe Ostmann (Liang Kay) sehr gute Pferde ins Rennen.

Dass auch fünf Starter, die in Hoppegarten trainiert werden, in der mit 50 000 Euro dotierten Prüfung am Start stehen werden, ist ein Teil des Aufwärtstrends dieser Traditionsbahn am östlichen Berliner Stadtrand. Gerade der Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten sei von besonderer Symbolik, betont Gerhard Schöningh gern immer wieder mal. Er war drei Wochen vor dem Mauerfall erstmals dort. Er hat sich viel mit der Historie beschäftigt. „Die Rennbahn in Hoppegarten war doch einer der großen Verlierer der deutschen Teilung“, sagt er. „In den Jahren danach wurde der Galoppsport in Westberlin mehr und mehr zu einer unbekannten Größe.“ Dass diese Entwicklung gestoppt, gerade in dieser Saison mit hochwertigeren Rennen sowie steigenden Zuschauerzahlen und Umsätzen in eine positive Richtung gelenkt wurde, ist sein großer Verdienst. Von den Zuständen aber, als Hoppegarten der Austragungsort fast aller großen Rennen und Trainingsstandort von 40 Prozent aller deutschen Rennpferde war, ist man noch weit entfernt.

Vom Preis der Deutschen Einheit in diesem Jahr erwartet Schöningh einen weiteren Impuls, der insbesondere auch den in Hoppegarten ansässigen Trainern neuen Mut machen soll. Christian Zschache ist einer von ihnen, der diesmal mit Palermo das chancenreichste Pferd aus Hoppegarten sattelt. „Die Trainingsbedingungen sind jetzt ideal“, sagt er. Für seinen dreijährigen braunen Hengst hat er den slowakischen Jockey Josef Bojko verpflichtet. Der schwärmt geradezu von Palermo, den er zuletzt bei der Rennwoche in Baden-Baden sehr gut beobachten konnte. Im Fürstenberg-Rennen, bei dem Bojko seinen ersten Gruppe-Sieg erreichte, ritt er bis in die Zielgerade hinein hinter dem späteren Zweiten Palermo. „Da habe ich gesehen, das ist ein tolles Pferd“, erzählt Bojko. Seine beste Platzierung als Jockey beim Preis der Deutschen Einheit war bisher ein zweiter Platz. Aber Bojko interessiert sich am Sonntag nicht nur für den Jahreshöhepunkt in Hoppegarten. „Ich habe die Entwicklung dort immer verfolgt und ja auch mal einige Zeit in Hoppegarten gearbeitet“, sagt er. „Jetzt müssten dort nur noch wieder mehr Pferde trainiert werden. Aber das wird auch noch.“

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