Sport : Ganz der Onkel

Bruno Senna fährt an die Formel 1 heran – und an das Familienvermächtnis

Karin Sturm[Bahrain]

Einige der älteren Formel-1-Insider, die am Freitag in Bahrain den Weg an die Boxen der GP2 fanden, erlebten dort ein seltsames Déjà vu. Denn da bereitete sich im Arden-Team ein junger Brasilianer auf seinen ersten offiziellen Einsatz in dieser Einstiegsklasse für die Formel 1 vor, der ihnen von Gestik und Mimik unglaublich vertraut erschien: Bruno Senna, Neffe des 1994 tödlich verunglückten Ayrton Senna. Er trägt nicht nur den gleichen Namen wie sein Onkel – die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Auch in der Entschlossenheit, den eigenen Weg zu gehen, lassen sich Parallelen finden. Sonst wäre dieser rasante Aufstieg des heute 23-Jährigen in nur knapp drei Jahren vom Nirgendwo in die GP2 gar nicht möglich gewesen.

Nach Ayrton Sennas Tod in Imola 1994 verbot Sennas Schwester Viviane ihrem Sohn erst einmal das Kartfahren. Er war mit seinem Onkel immer wieder über die private Piste auf der Senna-Farm im brasilianischen Tatui getobt. „Die ganze Familie war dagegen, es ist ja auch irgendwie verständlich, ich musste das respektieren“, erzählt Bruno heute. Die Sorge der Familie wuchs auch dadurch, dass Bruno Senna mit zwölf Jahren auch noch seinen Vater durch einen Motorradunfall verlor. Acht Jahre lang versuchte er, „das Rennfahren zu vergessen, endgültig aus dem Kopf zu bekommen, aber es ging einfach nicht“. Mit 18 Jahren erklärte er seiner Mutter, dass er unbedingt wieder fahren wolle. „Anfangs war sie natürlich nicht begeistert, es kam auch ziemlich überraschend für sie.“ Nach einiger Zeit, im Sommer 2004, erlaubte sie es ihm dann doch, „und inzwischen steht sie voll dahinter“.

Jetzt, nach zwei Jahren in der englischen Formel 3, hat Bruno Senna also den ersten großen Schritt ins Rampenlicht getan, in den Dunstkreis der Formel 1. Für ihn ist das kein Grund zu besonderer Anspannung: „Ich weiß, dass die GP2 für mich Neuland ist, dass ich da noch viel lernen muss und dass ich nicht als Favorit in dieses erste Jahr gehe.“ Eine ganz andere Situation also als letztes Jahr in der Formel 3. „Aber darauf bin ich vorbereitet, und ich denke, ich kann inzwischen auch ganz gut damit umgehen.”

Arden-Teamchef Christian Horner war nach den Wintertests jedenfalls vom Tempo seines neuen Stars schon einmal grundsätzlich sehr beeindruckt. Nicht nur vom Tempo auf der Strecke, sondern auch von dem, mit dem Bruno Senna lerne. „Ich bin sicher, dass er das Potenzial hat, gerade in der zweiten Saisonhälfte schon ganz vorne zu landen“, sagt Horner. In Bahrain sind Sennas eigene Ziele eher bescheiden: „Ich würde gerne unter die Top Ten kommen, aber ich wäre, glaube ich, auch nicht allzu enttäuscht, wenn das jetzt beim ersten Mal noch nicht klappen würde. Es hängt ja von so vielen Kleinigkeiten ab.“ Zumindest im ersten Training hat das mit den Top-Ten jedenfalls schon mal geklappt. Im Qualifying wurde er Fünfter, und in bester Senna-Manier kam dann gleich der Ehrgeiz durch: „Das Auto ist noch nicht optimal, zwei bis drei Zehntel sind locker noch drin, deswegen kann ich noch nicht ganz zufrieden sein, auch wenn es schon mal kein schlechter Auftakt war.“

Mittel- und langfristig ist die Zielsetzung ohnehin eindeutig. Sie heißt Formel 1. Und zwar nicht nur irgendwie: „Wenn ich unbedingt wollte, könnte ich vielleicht relativ schnell in irgendein Formel-1-Cockpit kommen, wenn in der GP2 die Leistung einigermaßen passt. Aber ich will das gar nicht überstürzen, auch dabei muss das Umfeld dann passen.“ Er weiß natürlich, dass sein Name einerseits Türen öffnet, obwohl er immer wieder betont: „Ich bin nicht Ayrton – ich bin Bruno!“ Andererseits sieht er den Namen Senna natürlich auch als Vermächtnis, „er bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Das Problem ist, dass eben sofort der Vergleich mit Ayrton kommt, vor allem von Leuten, denen gar nicht bewusst ist, wie wenig Erfahrung ich habe.“

Eines hat er von seinem Onkel auf jeden Fall übernommen: Die Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit, mit der er seine Aufgabe angeht – und eben den Ehrgeiz: „Ich mache das hier nicht nur zum Spaß. In unserer Familie macht niemand halbe Sachen. Was wir machen, das wollen wir perfekt machen.“ Deshalb wäre es ihm eben auch zu wenig, einfach nur in der Formel 1 anzukommen: „Ich will dort dann auch gewinnen – und Weltmeister werden.“

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