Sport : Ganz die Schwester

Nina Hagens Bruder Benjamin ist inzwischen ein Star auf der Trabrennbahn. Er steigt heute bei der Mariendorfer Derby-Woche sechs Mal in den Sulky

Heiko Lingk

Berlin - Benjamin Hagens Karriere hatte noch gar nicht begonnen, da war sie auch schon beendet. „Ich habe leider zu wenig Pferde im Stall. Ich muss dich entlassen“, sagte ihm sein damaliger Chef, der Berliner Trabertrainer Burkhard Sternberg. Doch Hagen hatte Glück. Schon am nächsten Tag fand eine große Jährlings- Auktion, auf der ein Jahr alte Pferde versteigert werden, statt. Für ihr Höchstgebot bekamen die noblen Gäste neben dem ersteigerten Traber noch eine Flasche Champagner dazu. „Das mit dem Schampus muss wohl der entscheidende Punkt gewesen sein“, sagt Benjamin Hagen und schmunzelt: „Ein steinreicher Multimillionär kaufte gleich ein Dutzend Pferde und gab sie meinem Chef ins Training – eigentlich nur, weil seine Frau und seine Begleiter ständig Durst hatten.“ Noch am gleichen Abend erhielt er einen neuen Arbeitsvertrag.

Dass Benjamin Hagen seine Karriere als Sulkyfahrer dadurch fortsetzen konnte, hat sich inzwischen als Glücksfall erwiesen. Denn mittlerweile hat sich der 38 Jahre alte Halbbruder der Sängerin Nina Hagen zu einem der besten deutschen Trabrennfahrer entwickelt – und zu einem der meistbeschäftigten. Heute Abend (ab 17.30 Uhr) klettert Hagen bei der Derby-Woche in Mariendorf sechs Mal in den Sulky und steuert sogar mehr Pferde als der Weltmeister Heinz Wewering, der nur auf fünf Starts kommt. Dass Hagen, der aktuell in der bundesweiten Rangliste auf den achten Rang vorgerückt ist, tatsächlich eines Tages zu den bekanntesten Fahrern zählen würde, war lange Zeit nicht absehbar.

Geerbt hat Benjamin Hagen das Talent für den Pferdesport jedenfalls nicht. Sein Vater Hans, ein bekannter Schriftsteller in der DDR, konnte mit diesem Sport nur wenig anfangen. Genauso wie Hagens 17 Jahre ältere Halbschwester Nina, die es als Sängerin eher auf die Bühne zog. Über die zunächst problematische Beziehung zu seiner Halbschwester erinnert sich Benjamin Hagen wie folgt: „Nina gab sich sehr viel Mühe mit mir und brachte immer Spielzeugautos und Geschenke mit. Doch ich war zu klein, um ihr Verhalten zu verstehen. Ich dachte, dass sie mir den Vater wegnehmen will.“

Vielleicht hätte Nina lieber Spielzeugpferde für ihren Bruder mitbringen sollen. Doch mit zunehmendem Alter verschwand das Misstrauen; beide näherten sich sichtbar an. Dass er das exzentrische Verhalten seiner Halbschwester vor allem in seinen ersten Jahren als Traberprofi übernommen hatte, ist Benjamin Hagen durchaus bewusst. Auf den deutschen Bahnen galt der Sulkyfahrer lange Zeit als bunter und aufmüpfiger Exot. Nicht nur im Rennen, wenn er die Peitsche wild über die Köpfe seiner Gegner hinweg schwang, sondern auch jenseits der Sandpiste. Er war einer, der stets eine große Klappe besaß und sich gerne mit jedem anlegte. Doch dann kam der sportliche Erfolg und als zweifacher Familienvater gibt sich Hagen mittlerweile besonnen. „Ich bin doch schon viel ruhiger geworden“, sagt der Sulkyfahrer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben