Sport : Ganz oben und sofort draußen

Jelena Isinbajewa gewinnt Stabhochsprung mit Weltrekord – US-Sprintstaffel verpatzt ersten Wechsel

Friedhard Teuffel[Helsinki]

Jeder Stabhochsprungwettbewerb besteht im Moment aus zwei Teilen. Dem ganz gewöhnlichen Wettbewerb, wenn alle Athletinnen gegeneinander springen und am Ende immer die Russin Jelena Isinbajewa gewinnt. Und dann noch aus einer Zusatzveranstaltung, in der Isinbajewa nur sich selbst herausfordert und versucht, den Weltrekord zu verbessern. So ist es auch bei der Weltmeisterschaft in Helsinki wieder gelaufen, die 23 Jahre alte Russin stand als Siegerin fest, nachdem sie 4,70 Meter übersprungen hatte. Dann ließ sie eine neue Höhe auflegen, 5,01 Meter und verbesserte zum 18. Mal den Weltrekord, im zweiten Versuch.

Um genau zu sein, schließt sich an jeden Weltrekord der dritte Teil an. Denn Isinbajewa ist inzwischen so geübt darin, sich selbst zu übertreffen, dass sie danach noch ein bisschen mit dem Publikum flirtet. Im Olympiastadion warf sie eine Kusshand nach der anderen Richtung Tribüne, stellte sich in neckischen Posen vor die Zuschauer und hüllte sich in die russische Fahne wie in ein Tuch aus teuerster Seide. Der Sieg in Helsinki hatte für sie auch eine besondere Bedeutung. Es war ihr erster Weltmeistertitel. „Hier Weltmeister zu werden, war kein Traum von mir, aber ein Ziel.“ Ganz so leicht kam ihr der Wettbewerb nicht vor, wie es hinterher wirkte. Die Stabhochspringer hatten ohnehin die schwierigste Aufgabe bei dieser Weltmeisterschaft, weil der Wind ihnen sehr zu schaffen machte. „Ich war am Morgen sehr besorgt wegen des Wetters“, sagte Isinbajewa, „aber ich bin ein immer fröhlicher Mensch, das hilft mir sehr.“ Wahrscheinlich wird sie in dieser Saison den Weltrekord noch einmal verbessern.

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Maurice Greene muss Helsinki wieder verlassen, ohne einen einzigen Schritt gerannt zu sein. Der Olympiasieger von Sydney über 100 Meter hatte sich bei der WM-Qualifikation der Amerikaner verletzt, war über 100 Meter gerade einmal Vierter geworden und durfte nur wegen der Staffel mit nach Finnland fahren. Wie schnell der 31-Jährige laufen kann, blieb dem Publikum allerdings vorenthalten. Dafür waren seine beiden Staffelkollegen Mardy Scales und Leonard Scott verantwortlich. Gleich beim ersten Wechsel des Vorlaufs über 4-mal-100-Meter konnten sie sich nicht verständigen. Scales übergab den Stab, Scott griff zu, doch Scales ließ nicht los. Dann fiel der Stab zu Boden – der Favorit Amerika war ausgeschieden. Scales sagte hinterher mit nach unten gesenkten Blick: „Ich kann mir nicht erklären, wie das passiert ist. Wir haben schon vor Wochen trainiert und nie ist etwas schiefgegangen.“ Bei den Olympischen Spielen in Athen war den Amerikanern im Vorlauf auch schon ein Missgeschick unterlaufen, damals hatten es Brian Lewis und der ehemalige Weltrekordler Tim Montgomery verpatzt. Die Show der Amerikaner fällt nun aus. „Ich glaube, ich bin nur zu einem verregneten Urlaub hierher gekommen“, sagte Greene. Seine beiden Staffelkollegen nahm er zunächst in Schutz: „Der Staffelstab war heute ganz schön glitschig.“ Aber eine Bemerkung konnte er sich nicht verkneifen: „Die amerikanische Staffel trainiert nie genug.“

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Viel war von der aufstrebenden Macht in der Leichtathletik gesprochen worden. Doch bis gestern hatten die Chinesen keine einzige Medaille in Helsinki gewonnen. Dann stand ihr bester Athlet am Start, Liu Xiang. Der Olympiasieger kam über 110 Meter Hürden immerhin als Zweiter ins Ziel, nur eine Hundertstel hinter dem Franzosen Ladji Doucoure, der 13,07 Sekunden brauchte. Dritter wurde der Amerikaner Allen Johnson in 13,10 Sekunden.

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Der Abend ging noch mit einer Spitzenleistung zu Ende. Olympiasieger Jeremy Wariner gewann die 400 Meter in persönlicher Bestzeit von 43,93 Sekunden, seine Körperhaltung war bis zum Schluss nicht nur athletisch, sondern auch ästhetisch, weil er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten locker blieb. „Ich bin ein großartiges Rennen gelaufen, anders kann ich es gar nicht sagen.“ Zwei Goldmedaillen in zwei Jahren ließen Wariner von großen Zielen sprechen. „Vielleicht werde ich in wenigen Jahren auch die 200 Meter laufen.“ 200 und 400 Meter zusammen, dafür könnte sich Wariner ein großes Vorbild nehmen, seinen Landsmann Michael Johnson. Er hält auf beiden Strecken den Weltrekord.

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